Unflexible Arbeitsgesetze, steigende BeitrĂ€ge â wie unser System die FleiĂigen ausbremst
10.02.2026 - 07:45:21Viele Fach- und FĂŒhrungskrĂ€fte berichten, dass sie gerne viel arbeiten und Verantwortung ĂŒbernehmen, sich dabei jedoch zunehmend durch gesetzliche und strukturelle Vorgaben ausgebremst fĂŒhlen. Zwar wird in Deutschland hĂ€ufig von einer Leistungsgesellschaft gesprochen, gleichzeitig bestehen jedoch Regelungen, die zusĂ€tzlichen Einsatz eher erschweren als ermöglichen. Der folgende Beitrag zeigt, an welchen Stellen das System tatsĂ€chlich hakt und welche Reformen notwendig wĂ€ren, damit sich Engagement in Deutschland wieder spĂŒrbar auszahlt.
Wenn Leistung zur Verwaltungsaufgabe wird
âLeistung wird in Deutschland nicht mehr gefördert, sondern verwaltet.â Dieser Eindruck verdichtet sich bei vielen, die Verantwortung ĂŒbernehmen und bewusst mehr leisten wollen. Zwar wird Leistung politisch regelmĂ€Ăig betont, doch parallel entstehen Strukturen, die Eigeninitiative begrenzen und zusĂ€tzlichen Einsatz erschweren. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft damit eine wachsende LĂŒcke.
Arbeitszeitrecht: Ein Gesetz aus einer anderen Arbeitswelt
Besonders deutlich zeigt sich dieser Widerspruch im Arbeitszeitrecht. Das heutige Arbeitszeitgesetz ist auf eine Industriearbeitswelt zugeschnitten, in der Anwesenheit und Taktung den Arbeitsalltag bestimmten. In einer wissens- und dienstleistungsgetriebenen Ăkonomie verliert dieses Modell jedoch zunehmend an Passgenauigkeit.
Hochqualifizierte BeschĂ€ftigte, FĂŒhrungskrĂ€fte und Unternehmer arbeiten projektbezogen, ergebnisorientiert und hĂ€ufig international vernetzt. Dennoch stoĂen sie an tĂ€gliche Höchstgrenzen, die mit der RealitĂ€t moderner Arbeit nur bedingt vereinbar sind. Wer freiwillig mehr leisten möchte, bewegt sich dabei nicht selten in rechtlichen Grauzonen, wĂ€hrend Arbeitgeber Haftungsrisiken tragen, obwohl Ăberlastung nicht das eigentliche Problem ist.
FlexibilitĂ€t schĂŒtzt hier nicht den Arbeitnehmer, sondern wird ihm faktisch vorenthalten. Eine Umstellung auf Wochen- oder Jahresarbeitszeiten wĂŒrde der heutigen ArbeitsrealitĂ€t nĂ€herkommen und Verantwortung dort verorten, wo sie hingehört.
Abgaben und Sozialstaat: Wenn Einsatz sich nicht mehr rechnet
Hinzu kommt die wachsende Belastung durch Abgaben und SozialbeitrĂ€ge. Gerade jene, die das System tragen, spĂŒren, dass zusĂ€tzliche Leistung finanziell immer weniger Wirkung entfaltet. Sozialabgaben und KrankenversicherungsbeitrĂ€ge steigen kontinuierlich, wĂ€hrend Planbarkeit und Nettoeffekt sinken.
Arbeit wird dadurch unkalkulierbar teuer, Verantwortung zunehmend unattraktiv. Ein System, das FleiĂ faktisch bestraft, verliert auf Dauer seine produktivsten Köpfe. Der Trend zur Abwanderung hochqualifizierter Fach- und FĂŒhrungskrĂ€fte hat sich zuletzt spĂŒrbar verstĂ€rkt. Eine Deckelung der Sozialabgabenquote wĂŒrde zumindest wieder Berechenbarkeit herstellen. Reichen die Einnahmen nicht aus, muss ĂŒber den Leistungsumfang gesprochen werden â nicht reflexhaft ĂŒber höhere BeitrĂ€ge.
Krankenstand und Fairness: Ein Tabu mit Folgen
Auch der Umgang mit Krankmeldungen offenbart strukturelle Schieflagen. Deutschland weist im internationalen Vergleich sehr hohe KrankenstĂ€nde auf. Das aktuelle System setzt dabei Anreize, die Missbrauch begĂŒnstigen und jene belasten, die zuverlĂ€ssig arbeiten. Die FleiĂigen finanzieren faktisch die AusfĂ€lle derjenigen, die das System ausnutzen.
Karenztage bei Krankmeldungen, etwa eine Lohnfortzahlung erst nach drei oder fĂŒnf Tagen, wĂŒrden diesen Fehlanreiz reduzieren, ohne ernsthaft Erkrankte zu gefĂ€hrden. Internationale Erfahrungen zeigen, dass solche Regelungen zu sinkenden KrankenstĂ€nden fĂŒhren â und damit langfristig auch zu niedrigeren Sozial- und KrankenversicherungsbeitrĂ€gen.
Mehr Eigenverantwortung als ordnungspolitischer Kern
GrundsÀtzlich stellt sich die Frage nach der Rolle von Eigenverantwortung im Sozialstaat. Zunehmend versucht das System, Fehlentwicklungen, die zuvor erst durch staatliche Umverteilung entstanden sind, durch immer neue Umverteilungsmechanismen zu reparieren, statt an den Ursachen anzusetzen. Dabei ersetzen Transfers keine funktionierenden Leistungsanreize.
Eine stĂ€rkere Eigenbeteiligung im Gesundheitssystem wĂŒrde Verantwortung zurĂŒckgeben und bewussteres Verhalten mit seiner Gesundheit fördern. Wer fĂŒr jede Behandlung zumindest anteilig selbst aufkommt, wĂ€gt Entscheidungen anders ab. Gesundheit wird damit nicht privatisiert, sondern ernst genommen. Weniger Zwang, weniger Umlagen und mehr individuelle Verantwortung könnten die arbeitende Mitte spĂŒrbar entlasten.
Ein System braucht Vertrauen in Leistung
Am Ende steht eine grundlegende Erkenntnis: Ein Staat, der Leistung vor allem verwaltet, statt sie zu ermöglichen, verliert Dynamik, Vertrauen und ZukunftsfÀhigkeit. Wer Engagement einfordert, muss auch die Rahmenbedingungen schaffen, unter denen es sich lohnt. Andernfalls bleibt die Leistungsgesellschaft ein Schlagwort, und die Motivation derjenigen, die sie tragen, schwindet weiter.
Ăber Johannes Fritz:
Johannes Fritz ist Bauunternehmer und Projektentwickler mit mehr als fĂŒnfzehn Jahren Erfahrung in der Immobilienbranche. Als langjĂ€hriges aktives CDU-Mitglied engagiert er sich politisch und kandidiert 2026 als Ersatzkandidat bei der Landtagswahl in Baden-WĂŒrttemberg. Sein Fokus liegt auf der nachhaltigen Sanierung von Altbauten mit sozialem und ökologischem Mehrwert. Mehr unter johannesfritz.net.
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