Joachim Nagel, Deutschland

Nagel: Inflation im Euroraum weiterhin zu hoch

03.07.2023 - 16:12:03

Keine guten Aussichten in Sachen Inflation: «Wir werden noch eine geraume Zeit mit zu hohen Inflationsraten leben mĂŒssen, das ist eine harte Wegstrecke», sagt der Bundesbank-PrĂ€sident.

Im Kampf gegen die hohe Teuerung sind nach Ansicht von Bundesbank-PrĂ€sident Joachim Nagel weitere Zinserhöhungen notwendig. «Die Inflation im Euroraum ist zwar rĂŒcklĂ€ufig, aber weiterhin zu hoch. Und die jĂŒngsten Prognosen legen nahe, dass wir mit einem zeitnahen Wiederherstellen von PreisstabilitĂ€t nicht rechnen können», sagte Nagel am Montag beim «Frankfurt Euro Finance Summit».

«Die Inflation erweist sich als hartnĂ€ckiger, als viele dachten. Nun muss sich die Geldpolitik als hartnĂ€ckiger und konsequenter erweisen, als viele erwartet hĂ€tten», sagte der Bundesbank-PrĂ€sident. «Wir werden noch eine geraume Zeit mit zu hohen Inflationsraten leben mĂŒssen, das ist eine harte Wegstrecke», bekrĂ€ftigte Nagel. «Da muss die Geldpolitik hartnĂ€ckig bleiben.»

Nach Jahren mit Null- und Negativzinsen hat die EuropÀische Zentralbank (EZB) im vergangenen Sommer die Zinswende eingeleitet. Seit Juli 2022 erhöhte die Notenbank im Kampf gegen die hohe Inflation die Zinsen im Euroraum acht Mal in Folge. Der Leitzins, zu dem sich GeschÀftsbanken frisches Geld bei der EZB besorgen können, liegt mittlerweile bei 4,0 Prozent.

Nagel: Kein klarer AbwÀrtstrend bei Kerninflationsrate

FĂŒr die nĂ€chste Zinsentscheidung am 27. Juli hat EZB-PrĂ€sidentin Christine Lagarde eine weitere Erhöhung in Aussicht gestellt. Nagel, der im EZB-Rat ĂŒber die Geldpolitik mitentscheidet, sagte am Montag: «Ob die Leitzinsen nach der Sitzung im Juli weiter erhöht werden mĂŒssen, werden wir in AbhĂ€ngigkeit von der kĂŒnftigen Datenentwicklung beschließen. So wie ich das sehe, wenn ich mir die Daten heute anschaue, haben wir noch eine Wegstrecke zurĂŒckzulegen.»

Höhere Zinsen verteuern Kredite. Das kann die Nachfrage bremsen und hohen Teuerungsraten entgegenwirken. Die EZB strebt fĂŒr den Euroraum mittelfristig PreisstabilitĂ€t bei einer Inflationsrate von zwei Prozent an.

«Die Kerninflationsrate, bei der die volatilen Energie- und Nahrungsmittelpreise herausgerechnet werden, zeigt noch keinen klaren AbwĂ€rtstrend», sagte Nagel. «Im Juni lag sie gemĂ€ĂŸ SchnellschĂ€tzung bei 5,4 Prozent und damit wieder etwas höher als im Monat zuvor.» Die zugrundeliegende Inflation sei also hartnĂ€ckiger, als der RĂŒckgang der Gesamtrate nahelege.

@ dpa.de