KfW-Studie: Nur noch 27 Prozent der Mittelständler erwägen einen Bankkredit
Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 15:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deKleine und mittlere Unternehmen in Deutschland wenden sich zunehmend vom traditionellen Bankdarlehen ab. Laut einer Untersuchung der staatlichen Förderbank KfW, über die am 6. November 2026 berichtet wurde, ziehen nur noch 27 Prozent der kleinen und mittleren Betriebe einen Bankkredit zur Finanzierung ihrer Investitionen in Betracht.
Im Jahr 2017 lag dieser Anteil noch bei 66 Prozent. Mittlerweile wird kaum mehr als ein Viertel des gesamten jährlichen Investitionsvolumens im Mittelstand über die jeweilige Hausbank finanziert.
Strukturwandel bei der Mittelstandsfinanzierung
Branchenexperten wie Michael Euchner von RSM Ebner Stolz weisen darauf hin, dass der klassische Bankkredit als alleinige Finanzierungsquelle im deutschen Mittelstand spürbar an Dominanz verliert. Angesichts veränderter Rahmenbedingungen weichen Betriebe zunehmend auf alternative Modelle aus.
Als ein Weg zur Eigenkapitalstärkung gilt etwa die stille Beteiligung, wie sie beispielsweise von der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Berlin praktiziert wird. Dieses Instrument ermöglicht es Firmen, Eigenkapital aufzubauen, ohne Unternehmensanteile abtreten oder Mitspracherechte einräumen zu müssen.
Zugleich verändern Banken ihre Vergabepraxis grundlegend. Der Einsatz künstlicher Intelligenz transformiert die Kreditrisikobewertung sowie die Kapitalallokation weg von einer periodischen, vergangenheitsorientierten Kreditüberwachung hin zu einer kontinuierlichen und antizipativen Risikobeobachtung.
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Datenqualität, unternehmerische Transparenz und integrierte Planungen werden somit zu festen Voraussetzungen für die Kreditvergabe. Während das Fremdkapitalangebot insgesamt nicht zwingend schrumpft, erfolgt die Allokation deutlich restriktiver.
Bei der Bonitätsprüfung rücken Cashflow und die operative Leistungsfähigkeit merklich stärker in den Fokus als herkömmliche Bilanzkennzahlen und Sachsicherheiten. Zur Bewältigung dieser Anforderungen empfehlen Finanzexperten rollierende Planungen über 12 bis 24 Monate, professionalisierte monatliche Reportings mit einheitlichen Kennzahlen sowie diversifizierte Finanzierungsstrukturen.
Druck auf Automotive-Zulieferer und Selbständige
Wie herausfordernd das Finanzierungsumfeld ist, belegt auch die Roland Berger Automotive Mittelstandsstudie 2026. Zwar nutzten in den vergangenen Jahren noch mehr als 70 Prozent der befragten KMU-Zulieferer klassische Bankfinanzierungen, womit das Bankdarlehen ihre wichtigste Quelle blieb, doch bewerten fast zwei Fünftel den Zugang zu traditionellen Finanzierungen mittlerweile als schwierig oder sehr schwierig.
Mehr als 70 Prozent der befragten Zulieferer beurteilen die aktuelle Marktsituation als schwierig, wenngleich sich 59 Prozent besser aufgestellt sehen als Wettbewerber.
Für Europa prognostiziert die Untersuchung eine stagnierende Fahrzeugproduktion von rund 15 Millionen Einheiten bis mindestens 2030, während die globale Fertigung von etwa 90 Millionen im Jahr 2026 auf rund 95 Millionen im Jahr 2030 wachsen soll.
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Vor diesem Hintergrund rechnen 95 Prozent der Betriebe mit einer signifikanten Branchenkonsolidierung in den kommenden fünf Jahren, doch nur 29 Prozent erwarten dabei eine wesentliche Rolle von Private-Equity-Investoren.
Die angespannte wirtschaftliche Gesamtlage spiegelt sich branchenübergreifend wider. Nach Ergebnissen einer Ifo-Umfrage berichten 45,7 Prozent der Selbständigen über fehlende Aufträge; 19,5 Prozent der Solo-Selbständigen und Kleinstunternehmen sehen ihre Existenz bedroht, verglichen mit 6,7 Prozent in der Gesamtwirtschaft.
Zudem zeigt der Mittelstandsmonitor 2026 des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen und der Verbände der AG Mittelstand eine überwiegend kritische Bilanz der Bundespolitik. Mittelständler beklagen weiterhin erhebliche Defizite bei Energiekosten, Bürokratieabbau und steuerlichen Rahmenbedingungen, die den Investitionsspielraum der Betriebe zusätzlich einengen.
