Kfz-Handwerk, BeschÀftigte

Kfz-Handwerk: 66.600 BeschÀftigte bekommen 3,3% mehr ab August

Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 17:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Brandenburger Betriebe loben die Vier-Tage-Woche, das Kfz-Handwerk erhÀlt mehr FlexibilitÀt. Trotzdem bleibt die Nachwuchssuche eine Herausforderung.

Handwerk im Wandel: Vier-Tage-Woche, neue Tarife und KI-Lösungen
Ein aufgerĂ€umter, modern gestalteter Handwerksbetrieb mit hochwertigen Werkzeugen in hellem, natĂŒrlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Die Vier-Tage-Woche erobert das Handwerk: Betriebe in Brandenburg ziehen eine positive Bilanz, wÀhrend das Kfz-Handwerk neue tarifliche FlexibilitÀt bekommt. Doch die Branche kÀmpft weiterhin mit einem Imageproblem bei jungen FachkrÀften.

Erfolgreiche Bilanz in Brandenburger Betrieben

Mehrere Handwerksbetriebe in der Uckermark haben nach einer lĂ€ngeren Testphase eine positive Bilanz zur Vier-Tage-Woche gezogen. Die Unternehmen Metallbau Weigt und Elektro-Gottschalk aus Prenzlau stellten bereits 2024 auf ein Modell mit 36 Wochenstunden bei vollem Lohnausgleich um. Der Freitag bleibt fĂŒr die Belegschaft arbeitsfrei.

Bei Elektro-Gottschalk stieß die Neuerung auf eine Zustimmung von 91 Prozent. Der Krankenstand sank seit der Umstellung, AbgĂ€nge gab es keine. Metallbau Weigt reduzierte im Zuge der Umstrukturierung die Belegschaft von 17 auf 9 Personen. Auch andere Branchen entdecken das Modell: Anfang August fĂŒhrte ein Steuerberater in Xanten die Vier-Tage-Woche ein, um als Arbeitgeber attraktiver zu werden.

Tarifliche Flexibilisierung und Entgelterhöhungen

Seit dem 1. August 2026 gibt es mehr Geld fĂŒr rund 66.600 BeschĂ€ftigte im Kfz-Handwerk in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt: Die Entgelte steigen um 3,3 Prozent. Das ist die zweite Stufe eines bestehenden Tarifabschlusses.

Ein wesentlicher Bestandteil der Vereinbarung ist die Option „WorkFlex+“. Sie erlaubt Angestellten, bis zu fĂŒnf zusĂ€tzliche freie Tage pro Jahr zu wĂ€hlen. Das unterstreicht den Trend zu einer individuelleren Gestaltung der Lebensarbeitszeit im Handwerk.

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Nachwuchsgewinnung bleibt schwierig

Trotz attraktiverer Arbeitsbedingungen bleibt die Rekrutierung von NachwuchskrĂ€ften eine Herausforderung. Eine Studie des Softwareanbieters Hero zeigt die Diskrepanz zwischen Interesse und Berufswahl: 54 Prozent der befragten 16- bis 49-JĂ€hrigen ziehen das Handwerk grundsĂ€tzlich in Betracht, doch nur jeder Zehnte entscheidet sich tatsĂ€chlich dafĂŒr.

Als Hauptgrund nannten 66 Prozent die hohe körperliche Belastung. Dabei gilt die Branche als krisensicher und weitgehend resistent gegen die VerdrĂ€ngung durch KĂŒnstliche Intelligenz: Nur etwa 11 Prozent der TĂ€tigkeiten gelten laut Studie als KI-gefĂ€hrdet.

Zum Start des Ausbildungsjahres 2026 melden die Handwerkskammern in Sachsen-Anhalt solide Zahlen: Die Kammer Halle verzeichnete 1.126 neue LehrvertrÀge, in Magdeburg waren es 958. Um die AttraktivitÀt zu steigern, setzen Betriebe zudem auf PraktikumsprÀmien von bis zu 120 Euro pro Woche.

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KI entlastet den BĂŒroalltag

Neben flexiblen Arbeitszeiten rĂŒckt Technologie in den Fokus. Neue KI-Lösungen sollen Handwerker von BĂŒrokratie befreien. Der KI-Telefonassistent des Anbieters Tooltime automatisiert die Anrufannahme und erfasst dringende Anliegen sowie Kundendaten direkt in einem Dashboard.

Auch im Baugewerbe wird getestet: Das Projekt BauNXT nutzt eine KI, die rund 1.600 Seiten Fachregeln fĂŒr Dachdecker bĂŒndelt. Da bis zu 35 Prozent der Arbeitszeit auf Baustellen ohne direkten Mehrwert verstreichen, soll der schnelle Zugriff auf Fachwissen die ProduktivitĂ€t steigern. Fachleute betonen jedoch: KI kann das Handwerk unterstĂŒtzen, aber nicht ersetzen.

Vier-Tage-Woche: Kein Allheilmittel

Gesundheitsexperten warnen vor pauschalen Erwartungen an die Vier-Tage-Woche. Eine geringere Wochenarbeitszeit fĂŒhre nicht zwangslĂ€ufig zu weniger Burnout-Risiken. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit in Deutschland sank seit 1991 von 38,4 auf 34,3 Stunden, wĂ€hrend psychisch bedingte Fehltage im gleichen Zeitraum deutlich zunahmen. In der Schweiz wurde 2023 eine emotionale Erschöpfungsquote von ĂŒber 30 Prozent gemessen.

Eine Stressexpertin gibt zu bedenken: Die Gestaltung der freien Zeit und die ArbeitsintensitĂ€t wĂ€hrend der verbleibenden Tage bleiben entscheidend fĂŒr die psychische Gesundheit.

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