KI im Bahnverkehr: Innotrans zeigt Wege zu pünktlicheren Zügen
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 14:38 Uhr | dpa, AD HOC NEWSKünstliche Intelligenz soll nach Einschätzung von Fachleuten helfen, den Zugverkehr zuverlässiger zu machen und Störungen schneller zu beheben.
Verspätete Züge schneller stabilisieren
Bei der Eröffnung der Mobilitätsmesse Innotrans in Berlin sagte Siemens-Mobility-Chef Michael Peter, KI könne Leitstellen dabei unterstützen, verspätete Züge schneller wieder in den Fahrplan zu bringen und Auswirkungen auf den übrigen Verkehr zu verringern.
Auf der Messe werden zahlreiche Innovationen präsentiert, bei denen digitale Anwendungen eine zentrale Rolle spielen. Der Siemens-Wettbewerber Alstom zeigt den KI-Assistenten „Talk to my train“. Er soll Instandhaltungsteams helfen, Probleme an Zügen schneller zu erkennen und zu beheben.
Reparaturen mit gesammelten Daten
Das System nutzt bereits vorhandene Daten aus Zügen, Signal- und Zugsteuerungssystemen sowie der Infrastruktur. Dadurch sollen Reparaturen effizienter ablaufen und die Züge schneller wieder eingesetzt werden können.
Alstom-Chef Martin Sion sagte vor der Messeeröffnung der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, die Digitalisierung ermögliche es, auf der bestehenden Infrastruktur mehr Züge fahren zu lassen und die Bahn zuverlässiger zu machen.
Minister kritisiert Zustand der Schiene
Für die Fahrgäste sind die Verbesserungen bislang kaum spürbar. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) sagte bei der Eröffnungsfeier, die Schiene in Deutschland leiste derzeit nicht das, was von ihr erwartet werde. Verspätungen und Zugausfälle belasteten die Reisenden; ein wesentlicher Grund sei das überalterte Schienennetz.
Auch bei der Sanierung stark befahrener Korridore habe es zuletzt wiederholt Probleme gegeben. Das Konzept habe die hohen Erwartungen bislang nicht erfüllt, sagte Bilger. Wenn eine Strecke monatelang gesperrt werde, müsse sie danach spürbar besser funktionieren.
EU wirbt für einheitliche Bahntickets
Ein weiteres Thema ist das Reisen über Landesgrenzen hinweg. Bislang können Fahrgäste eine Verbindung mit mehreren Zugunternehmen nur schwer in einem einzigen Vorgang buchen.
EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas bekräftigte auf der Innotrans die Bedeutung einheitlicher Bahntickets. Eine Reise, eine Buchung und umfassende Fahrgastrechte sollten grenzüberschreitende Verbindungen mit verschiedenen Anbietern einfacher und attraktiver machen.
Nachtzug zwischen Hamburg und München geplant
Ab März 2027 will das Start-up Nox eine Nachtzugverbindung zwischen Hamburg und München anbieten. Vorgesehen sind Einzel- und Doppelabteile mit Arbeits- und Schlafmöglichkeiten. Die Waggons werden auf der Messe gezeigt; der Ticketverkauf startet am 22. September 2026.
Bei der 30. Innotrans stehen neben neuen Zügen vor allem Technologien für die Bahnindustrie im Mittelpunkt. Die Messe nennt 3.170 Aussteller aus 59 Ländern. Themen sind unter anderem die Digitalisierung von Schienenwegen und automatisierte Verkehre.
KI trifft auf ein überlastetes System
Die auf der Innotrans vorgestellten Anwendungen zielen vor allem darauf, vorhandene Daten besser zu nutzen. In Leitstellen kann KI dabei helfen, bei Störungen schneller Entscheidungen zu treffen; in der Instandhaltung sollen Fehler früher erkannt und Reparaturen gezielter vorbereitet werden. Der unmittelbare Nutzen für Fahrgäste hängt jedoch davon ab, ob dadurch tatsächlich weniger Ausfälle und kürzere Wartezeiten entstehen.
Das zentrale Problem des deutschen Schienenverkehrs bleibt die Infrastruktur. Überalterte Strecken, Baustellen und kapazitätsbedingte Engpässe begrenzen die Wirkung digitaler Systeme. KI kann Abläufe optimieren, aber keine zusätzlichen Gleise schaffen und keinen verschlissenen Korridor ersetzen. Während Sanierungen kurzfristig Belastungen verursachen, sollen sie langfristig die Stabilität des Netzes verbessern.
Europäische Perspektive und neue Angebote
Bei grenzüberschreitenden Reisen kommt neben der Technik die Organisation hinzu. Ein durchgängiger Buchungsprozess mit einheitlichen Fahrgastrechten würde die Nutzung mehrerer Bahnunternehmen vereinfachen und könnte die Schiene im europäischen Fernverkehr attraktiver machen. Dafür müssen Daten, Tarife und Verantwortlichkeiten zwischen Unternehmen und Staaten zusammenspielen.
Die geplante Nachtzugverbindung zwischen Hamburg und München ergänzt diese Entwicklung um ein konkretes Angebot für Reisende. Einzel- und Doppelabteile mit Arbeits- und Schlafmöglichkeiten sprechen sowohl Geschäftsreisende als auch Urlauber an. Ob solche Verbindungen dauerhaft erfolgreich sind, wird neben dem Komfort vor allem von Fahrplanstabilität, Preisen und einer einfachen Buchung abhängen.
