Bürosoftware, ChatGPT

KI in Bürosoftware: ChatGPT kommt in PowerPoint ab Mai

25.05.2026 - 09:14:42 | boerse-global.de

OpenAI und xAI treiben KI-Assistenten in Office-Programmen voran. Miro launcht Canvas 26, während Thunderbird und De-Mail vor großen Umbrüchen stehen.

KI in Bürosoftware: ChatGPT kommt in PowerPoint ab Mai - Foto: über boerse-global.de
KI in Bürosoftware: ChatGPT kommt in PowerPoint ab Mai - Foto: über boerse-global.de

Gleich mehrere Technologiekonzerne kündigten Ende Mai 2026 Updates an, die intelligente Assistenten fest in Alltagsanwendungen verankern. OpenAI integrierte ChatGPT direkt in PowerPoint, während xAI mit „Grok Connectors" die Datenvernetzung vorantreibt. Der Wandel betrifft längst nicht mehr nur Nischenanwendungen – er wird zum Standard.

Intelligente Helfer für Präsentationen und Teams

Die generative KI hält nun auch in Präsentationsprogrammen Einzug. Seit dem 23. Mai 2026 können Nutzer von PowerPoint mit ChatGPT-basierten Mustern eigene Assistenten erstellen. Nur zwei Tage zuvor hatte OpenAI „Appshots" über sein Codex-System veröffentlicht. Auch Google zieht nach: Mit „Gemini Spark" kommt ein KI-Agent für macOS, dessen Beta-Phase im Sommer 2026 starten soll. Der Dienst wird voraussichtlich rund 92 Euro monatlich kosten.

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Doch nicht nur Präsentationen werden smarter. Miro, die digitale Whiteboard-Plattform mit rund 100 Millionen Nutzern und 250.000 Organisationen, launchte im Mai 2026 „Canvas 26". Die neue Plattform setzt auf sogenannte „Sidekicks" und automatisierte „Flows". Das Ziel: Innovationszyklen von Wochen auf Stunden verkürzen und Betriebskosten um mehr als die Hälfte senken. 85 Prozent von Miros Umsatz stammen von Geschäftskunden. Erst im März 2026 hatte das Unternehmen „Enterprise Guard" für automatisierte Datenerkennung eingeführt und den Anbieter Reforge übernommen.

Der Markt für visuelle Kollaborationstools wird 2026 auf über 25 Milliarden Euro geschätzt. Miro hält im digitalen Whiteboard-Segment einen Marktanteil von rund 90 Prozent. Zur Expansion nach Asien betreibt das Unternehmen inzwischen einen Hub in Singapur und hat seine Partnerstrategie überarbeitet.

Kommunikationsinfrastruktur im Umbruch

Während KI die Schlagzeilen beherrscht, steht die Basis der Bürokommunikation vor einem erzwungenen Modernisierungsschub. Der E-Mail-Client Thunderbird macht sich für den Unternehmenseinsatz fit. Version 145 vom November 2025 brachte native Exchange-Unterstützung via EWS und OAuth2. Zuvor hatte Version 140 („Eclipse") die Codebasis auf die Programmiersprache Rust umgestellt.

Diese Updates sind existenziell: Microsoft stellt den EWS-Dienst für Exchange Online am 1. Oktober 2026 ein. Thunderbird arbeitet bereits an der dritten Phase der Graph-API-Integration. Für 2026 stehen ein überarbeitetes Kalender-Interface, ein neues Adressbuch sowie Enterprise-Management-Funktionen auf dem Plan. Auch eine iOS-Version ist in Entwicklung.

Im Bereich der sicheren Behördenkommunikation geht eine Ära zu Ende. De-Mail, 2012 gestartet, wird bis Ende 2026 endgültig abgeschaltet. Der Niedergang beschleunigte sich, als der letzte verbliebene Anbieter 2023 den Betrieb einstellte. Branchenkenner sehen die sogenannte „Zustellfiktion" – die rechtliche Annahme, dass eine Nachricht mit dem Absenden zugestellt ist – als Hauptgrund für das Scheitern. Zudem fehlte dem System bei seinem Start die Verschlüsselung, die erst 2015 nachgerüstet wurde.

Als Nachfolger zeichnet sich „Euro-Office" ab, ein Gemeinschaftsprojekt von Ionos und Nextcloud, das im Sommer 2026 starten soll. Parallel dazu verabschiedete das Bundeskabinett am 20. Mai 2026 das Digitale-Identitätsgesetz (DIdG).

Große Lücke zwischen Test und Einsatz

Trotz der rasanten technischen Entwicklung hinkt die Praxis hinterher. Die Zoi-Studie, für die 500 IT-Verantwortliche deutscher Großkonzerne mit über 2.000 Mitarbeitern befragt wurden, zeigt: 76 Prozent von ihnen testen KI-Agenten. Doch nur 19 Prozent haben sie erfolgreich in Kernprozesse integriert. Komplexe IT-Infrastrukturen, fehlendes Spezialwissen und Integrationsschwierigkeiten bremsen die Umsetzung.

Immerhin: 75 Prozent der befragten Firmen haben eine KI-Strategie entwickelt. Allerdings verfügt nur ein Drittel über messbare Ziele. Die Stimmung gegenüber den Beschäftigten bleibt verhalten optimistisch: 79 Prozent der Entscheider erwarten, dass die Beschäftigungszahlen stabil bleiben oder sogar steigen.

Klassische Methoden feiern Comeback

Angesichts wachsender Projektkomplexität erleben traditionelle Planungsmethoden eine Renaissance. Netzplantechnik, standardisiert unter DIN 69900, ist 2026 wieder gefragt – besonders bei Projekten mit mehr als zwölf abhängigen Aufgaben. Unternehmen setzen auf:

  • CPM (Critical Path Method): Fixe Dauern, Fokus auf den kritischen Pfad
  • MPM (Metra Potential Method): Knotenorientierte Darstellung, heute De-facto-Standard
  • PERT (Program Evaluation and Review Technique): Drei Zeitschätzungen für Unsicherheiten

Moderne Projektmanager nutzen Netzpläne für tiefgehende Abhängigkeitsanalysen und Pufferzeit-Berechnungen, während Gantt-Diagramme der Team-Kommunikation dienen.

Von der Fax-Ära zur KI-Revolution

Der Weg zur hochintegrierten KI war lang. Noch 2018 nutzten 62 Prozent der deutschen Unternehmen mit 20 oder mehr Mitarbeitern regelmäßig Faxgeräte – ein Rückgang um 17 Prozentpunkte seit 2016, aber ein krasser Gegensatz zur 100-Prozent-Durchdringung von E-Mail. Nur 47 Prozent setzten damals regelmäßig auf Online-Meetings. Digitale Signaturen waren mit 13 Prozent eine Rarität.

Der heutige Fokus auf KI-Agenten markiert einen Sprung über diese Basistechnologien hinaus – von manueller elektronischer Kommunikation hin zu automatisiertem Prozessmanagement.

Doch die Digitalisierung hat auch Schattenseiten. 2025 erreichten die weltweiten Verluste durch Online-Betrug rund 410 Milliarden Euro. Sicherheitsexperten stellen fest: 86 Prozent der Phishing-Angriffe nutzen inzwischen KI. In Deutschland werden pro Quartal rund 4,7 Millionen kompromittierte Konten gemeldet.

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Ausblick: Preiserhöhungen und neue Funktionen

Die zweite Jahreshälfte 2026 bringt strukturelle Veränderungen. Microsoft erhöht zum 1. Juli 2026 die Preise für seine 365-Dienste: Business Basic steigt um 16 Prozent, Business Standard um 12 Prozent. Neu eingeführt wird Microsoft 365 E7 für 92 Euro pro Nutzer und Monat.

Die technischen Neuerungen reißen nicht ab. Am 23. Mai 2026 brachte Windows 11 Preview Builds lokale Hintergrundgeräuschfilter, Braille-HID-Unterstützung und verbesserte „Dev Drive"-Anzeigen. Firefox Version 151 bietet eine native PDF-Zusammenführung, und ONLYOFFICE 9.4 hob Nutzerbeschränkungen für bestimmte Tarife auf.

Für Unternehmen verschiebt sich der Fokus zunehmend von der Beschaffung neuer KI-Tools hin zur Optimierung von „KI-Workflows". Entscheidend wird sein, die Lücke zwischen Experimentierphase und produktivem Einsatz zu schließen – und nachweisbare Kostenvorteile zu erzielen.

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