KI-Sperre, USA

KI-Sperre: USA sperren Anthropic-Modelle nach Sicherheitslücke

15.06.2026 - 02:56:06 | boerse-global.de

US-Handelsministerium sperrt Zugang zu Anthropics KI-Modellen. Das Unternehmen stellt daraufhin den Betrieb für alle Kunden ein.

Anthropic stoppt KI-Modelle nach US-Exportverbot
KI-Sperre - Eine digitale Leiterplatte mit leuchtenden Linien, die KI-Modelle und Datenfluss symbolisiert, überlagert mit einer Silhouette des US-Kapitols. 15.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Juni eine weitreichende Anordnung gegen das KI-Unternehmen Anthropic erlassen. Die Folge: Die neuesten Modelle „Fable 5“ und „Mythos 5“ dürfen von Ausländern nicht mehr genutzt werden. Anthropic zog daraufhin die Reißleine und stellte den Betrieb der Systeme für alle Kunden weltweit komplett ein.

Anzeige

Die strengen US-Exportbeschränkungen zeigen, wie schnell sich der rechtliche Rahmen für künstliche Intelligenz weltweit verschärft. Dieser kostenlose Download verschafft Ihnen den Überblick über die hiesigen Regeln, den Ihre Rechts- und IT-Abteilung jetzt dringend braucht. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt

Sicherheitsrisiko oder Überreaktion?

Handelsminister Lutnick begründet den Schritt mit Risiken für die nationale Sicherheit. Die Anordnung verlangt, dass Anthropic den Zugriff auf die Modelle für alle Personen ohne US-Staatsbürgerschaft sperrt. Das betrifft nicht nur externe Nutzer, sondern auch ausländische Mitarbeiter des Unternehmens – sowohl in den USA als auch im Ausland.

Im Fokus steht besonders das Modell Mythos 5. Es soll angeblich in der Lage sein, bisher unentdeckte Software-Schwachstellen aufzuspüren. Fable 5 gilt als abgespeckte Version, bei der diese Cybersicherheits-Funktionen eigentlich blockiert sein sollten. Anthropic hatte Fable 5 erst drei Tage vor der Sperrung für die Öffentlichkeit freigegeben. Mythos 5 war zuvor nur einem Kreis von rund 200 Unternehmen und Regierungsstellen zugänglich.

Der Marktwert von Anthropic wurde zuletzt auf 965 Milliarden US-Dollar taxiert.

Jailbreak-Alarm: Wie die Sicherheitsfilter fielen

Auslöser der Intervention waren Berichte über mögliche Umgehungen der internen Sicherheitsfilter – sogenannte Jailbreaks. Amazon-CEO Andy Jassy soll entsprechende Bedenken geäußert haben. Auch fünf weitere Unternehmen wiesen auf Schwachstellen hin.

Anzeige

Während die US-Regierung auf drastische Sperren setzt, müssen Unternehmen hierzulande ihre Compliance-Prozesse selbst absichern. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt, welche 4 Prüfpflichten jedes exportierende Unternehmen kennen muss, um Bußgelder und strafrechtliche Konsequenzen zu vermeiden. Exportkontrolle: Diese Verstöße kosten Unternehmen Millionen – jetzt Ratgeber sichern

Im Raum steht eine Methode des Jailbreakers „Pliny“. Durch die Kombination verschiedener Techniken und die Zerlegung komplexer Themen soll er die Sicherheitsmechanismen der KI ausgehebelt haben. Die US-Regierung verlangte die Umsetzung der Zugangssperre innerhalb von 90 Minuten nach Zustellung der Anordnung.

Anthropic-Chef Dario Amodei widersprach der Darstellung der Behörden teilweise. Das Unternehmen bezeichnete die identifizierten Schwachstellen als relativ simpel und räumte nur partielle Risiken ein – vergleichbar mit anderen Modellen am Markt.

Vom Pentagon zum Präzedenzfall

Die aktuelle Sperrung ist der Höhepunkt eines schwelenden Konflikts zwischen Anthropic und der US-Administration. Bereits zuvor gab es Spannungen mit dem Pentagon: Anthropic weigerte sich, seine KI-Technologien für autonome Waffensysteme bereitzustellen. Die Regierung stufte das Unternehmen daraufhin zeitweise als Risiko für die Lieferkette ein. Im Februar ordnete sie zudem einen Ausstieg aus der Nutzung von Anthropic-Technologie an.

Digital-Experten Markus Beckedahl warnt nun vor einem gefährlichen Präzedenzfall und bemängelt fehlende Transparenz seitens der Behörden. Auch international gibt es Reaktionen: EU-Politiker Jordan Bardella und der britische Politiker Tom Tugendhat wiesen darauf hin, dass die Sperrung grundlegende Fragen zur digitalen Souveränität aufwerfe. Wie abhängig ist Europa von US-amerikanischer KI-Infrastruktur?

Die US-Regierung erwägt unterdessen ein permanentes Lizenzierungsregime für hochleistungsfähige KI-Systeme. Ziel: eine engmaschige Kontrolle über Export und Nutzung kritischer Technologien.

de | wirtschaft | 69541272 |