Kirchenkrise, Millionen

Kirchenkrise: 1,2 Millionen Mitglieder verloren, Reformen erzwungen

Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 08:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kirchen in Deutschland reagieren auf sinkende Mitgliederzahlen mit Verwaltungsfusionen, Baustopps und Immobilienverkäufen. Ein Gericht stärkt ihre Autonomie bei Erbbaurechten.

Kirchenreformen: Fusionen, Baustopps und Mitgliederschwund
Nahaufnahme von amtlich aussehenden, historischen deutschen Kirchendokumenten und Formularen auf einem Holzschreibtisch. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Verwaltungsstrukturen werden gestrafft, Immobilien verkauft und Bauprojekte gestoppt.

Fusionen und neue Führung

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland hat Anfang 2023 ihre Verwaltung neu aufgestellt. Aus den drei Kirchenkreisen Arnstadt-Ilmenau, Gotha und Waltershausen-Ohrdruf entstand der neue Evangelische Kirchenkreis Gotha. Er betreut über 22.000 Gemeindemitglieder in 51 Kirchengemeinden. Die Leitung übernahmen die Superintendenten Friedemann Witting und Elke Rosenthal sowie die stellvertretende Superintendentin Anne-Katrin Kummer.

Auch personell gibt es Veränderungen. Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens wählte im Juli Gunda Röstel zur Synodalpräsidentin. Ihre Schwerpunkte: die Umsetzung von Anerkennungsrichtlinien zu sexuellem Missbrauch und der Reformprozess „Kirche im Wandel“. Dieser soll neue Formen kirchlichen Lebens und administrative Anpassungen bringen.

Baustopp und Kirchenverkauf

Der finanzielle Druck ist enorm. Die Evangelische Landeskirche Sachsen verhängte für die zweite Jahreshälfte 2023 einen zweijährigen Baustopp. Sinkende Mitgliederzahlen und weniger Kirchensteuern und Denkmalmittel sind die Gründe. Ausnahmen gibt es nur für bereits genehmigte Projekte, unaufschiebbare Notmaßnahmen und den laufenden Unterhalt.

Im Bistum Passau steht die Profanierung einer Kirche bevor. Die 1975 erbaute Nebenkirche Christi Himmelfahrt wird am 26. Juli 2023 aus dem kirchlichen Gebrauch genommen. Jährliche Sanierungskosten von rund 20.000 Euro und sinkende Besucherzahlen gaben den Ausschlag. In dem Gebäude soll künftig eine Psychotherapie-Praxis entstehen.

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Gericht stärkt kirchliche Autonomie

Ein wichtiger Aspekt der Vermögensverwaltung ist das Erbbaurecht. Das Landgericht Flensburg bestätigte die Autonomie der Kirche bei Verkaufszustimmungen (Az. 3 O 18/19). Ein Erbpächter hatte geklagt, nachdem die Kirchengemeinde dem Verkauf seines Erbbaurechts für über eine Million Euro nicht zugestimmt hatte.

Die Kammer wies die Schadensersatzklage ab. Das Selbstverwaltungsrecht der Kirche überwiege. Bei der Vergabe oder dem Transfer von Erbbaurechten dürfe die Kirche die Kirchenmitgliedschaft der Erwerber als Kriterium berücksichtigen.

In Köln laufen ähnliche Verhandlungen. Die Evangelische Gemeinde verhandelt exklusiv mit dem Verein „Kölner Initiativenhaus für Menschenrechte und Demokratie“ sowie privaten Investoren über die Erbpacht für die Lutherkirche. Eine Entscheidung über die künftige Nutzung – sozialer Wohnungsbau und ein Begegnungsort sind im Gespräch – wird bis Oktober erwartet.

1,2 Millionen Mitglieder verloren

Die Zahlen erklären den Handlungsdruck. 2022 verloren die evangelische und die katholische Kirche in Deutschland zusammen rund 1,2 Millionen Mitglieder.

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Die EKD verzeichnete einen Rückgang auf 17,4 Millionen Mitglieder (Vorjahr: 18 Millionen) bei etwa 350.000 Austritten. Die katholische Kirche zählte noch 19,2 Millionen Mitglieder (Vorjahr: 19,8 Millionen) bei 307.000 Austritten.

Die Verwaltungen müssen konsolidieren. Während die Caritas Würzburg bereits Mitte Juli personelle Neubesetzungen für den Diözesanpastoralrat vornahm, setzen andere auf digitale Angebote. In Weimar wird ab November an digitalen Prototypen gearbeitet, um kulturelle Inhalte während der Sanierung von Goethes Wohnhaus zugänglich zu machen.

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