Kita-Finanzierung in Bremen: Kirchen kündigen Stellenkürzungen an
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 22:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deWegen einer vom Senat beschlossenen Finanzreform sehen sich die evangelische und die katholische Kirche im Land Bremen zu personellen Einschnitten in ihren Kindertagesstätten gezwungen. Beide kirchlichen Träger kündigten an, Stellen beim Kita-Personal zu kürzen. Kündigungen von Mitarbeitenden werden dabei ausdrücklich nicht ausgeschlossen.
Hintergrund der Entwicklung ist die am Dienstag vom Bremer Senat beschlossene Reform zur Kita-Finanzierung. Diese sieht feste Erzieherquoten vor: Künftig werden 80 Prozent in Kindergärten sowie Horten und 65 Prozent in Krippen und alterserweiterten Gruppen bezahlt. Träger, die bislang eine Erzieherquote von über 80 Prozent aufwiesen, müssen infolgedessen ihre Personalkosten senken.
Kirchliche Träger unter erheblichem Anpassungsdruck
Zusammen betreiben die beiden Kirchen mehr als 5.000 Betreuungsplätze an rund 75 Standorten. Die Evangelische Kirche Bremen ist mit 64 Einrichtungen der zweitgrößte Kita-Anbieter im Bundesland. Ihr Leiter Carsten Schlepper wies darauf hin, dass es bisher Zusatzgelder für Förderkinder gegeben habe. Künftig werde die Finanzierung jedoch nur noch für tatsächlich angemeldete Kinder gewährt.
Beim Katholischen Gemeindeverband Bremen, der zwölf Kitas betreibt, sieht die Lage ähnlich angespannt aus. Geschäftsführer Christopher Peiler befürchtet aufgrund einer großen Finanzierungslücke Entlassungen unter den Angestellten.
Um Kündigungen möglichst zu vermeiden, planen die kirchlichen Träger, künftig verstärkt Erziehungs- und Pflegeassistenten einzusetzen. Diese Berufsgruppen verfügen über eine geringere Qualifikation und erhalten ein entsprechend niedrigeres Gehalt.
Die Reaktionen auf den Beschluss fallen im Land Bremen geteilt aus. Während die kirchlichen Institutionen vor den Folgen warnen, begrüßen andere Akteure wie die Awo Bremen und Fröbel Bremen die Neuregelung. Für den gesamten Umbau der Kita-Finanzierung ist ein Zeitraum von drei Jahren vorgesehen.
Der Bremer Senat hat die Reform zur Kita-Finanzierung beschlossen: Künftig werden 80 Prozent Erzieherquote in Kindergärten und Horten sowie 65 Prozent in Krippen bezahlt. Träger mit bisher höherer Quote müssen ihre Personalkosten senken — und stehen vor der Frage, wie sie das ohne Entlassungen schaffen. Der kostenlose Leitfaden zeigt die wichtigsten Stellschrauben. Praxis-Leitfaden zur Kita-Finanzreform jetzt anfordern
Bundesweiter Trend zu Einsparungen und Schließungen
Die Entwicklungen in Bremen reihen sich in einen bundesweiten Trend ein, bei dem Träger und Kommunen auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren. In Schleswig-Holstein warnt die Gewerkschaft ver.di Nord angesichts angekündigter Schließungen von Einrichtungen vor einer größeren Entwicklung.
Christian Wölm von ver.di Nord betonte, dass sinkende Kinderzahlen nicht zu einem Abbau von Arbeitsplätzen führen dürften, da die Finanzierung oft strikt an Belegungszahlen gekoppelt sei. Er forderte eine verbindliche Beschäftigungssicherung sowie ein gemeinsames Vorgehen von Politik, Trägern und Gewerkschaften. Auch Carsten Gutschmidt von der ver.di-Tarifkommission bei der AWO Schleswig-Holstein mahnte vor einem wachsenden Druck auf die Beschäftigten.
Gleichzeitig verändern demografische Verschiebungen die Kita-Landschaften in vielen Städten. In Lüdenscheid stehen derzeit wegen gesunkener Nachfrage rund 120 bis 130 Plätze leer, weshalb unter anderem Gruppen abgebaut und einzelne Einrichtungen mittelfristig geschlossen werden sollen.
Auch in Aalen sieht die kommunale Planung ab 2030 die Aufgabe mehrerer Kitas vor, da die Stadt bis dahin einen Nachfragerückgang von 15 Prozent und ein rechnerisches Überangebot von rund 300 Plätzen erwartet.
Wegfallende Zusatzgelder für Förderkinder, Finanzierung nur noch nach tatsächlich angemeldeten Kindern: Für Träger wird die Kalkulation enger, während der Umbau über drei Jahre läuft. Wer jetzt gegenüber Kommunen und Aufsicht argumentieren muss, findet im kostenlosen Leitfaden die passende Argumentationshilfe und eine Checkliste für die Personalplanung. Argumentationshilfe für Kita-Träger sichern
In Erlensee zeigte eine am 28. Oktober vorgestellte Potenzialanalyse Einsparmöglichkeiten von 1,12 Millionen Euro jährlich beim Kita-Defizit auf, unter anderem durch geänderte Betreuungsmodelle und reduzierte Öffnungszeiten.
Trotz punktueller Schließungen und Gruppenstreichungen sieht etwa die Agentur für Arbeit im Kreis Coesfeld weiterhin gute Berufsaussichten für Erzieher: Dort waren zuletzt mehr Fachkräfte tätig und offene Stellen gemeldet, während rund ein Fünftel des Personals in den kommenden fünf Jahren das Rentenalter von 65 Jahren erreicht.
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