Klimaneutralität, Allianz-Studie

Klimaneutralität: Allianz sieht Deutschland erst 2051 am Ziel

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Allianz warnt vor einer verfehlten Klimaneutralität 2050, obwohl erneuerbare Energien weltweit erstmals vor Kohle liegen. Besonders China und die USA prägen die globale Emissionsbilanz.

Globale Emissionen bleiben ungleich verteilt

  • Die Allianz untersuchte Energiedaten aus 64 Staaten mit einem Großteil der weltweiten Treibhausgasemissionen.
  • China verursacht laut Studie 30 Prozent des globalen Ausstoßes, die USA folgen mit elf Prozent.
  • 2025 lag der weltweite Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung bei 33,5 Prozent und damit über Kohle mit 33,2 Prozent.
Ein Kohlekraftwerk in der westchinesischen Provinz Gansu. Die Volksrepublik ist mit einem Anteil von etwa 30 Prozent weltgrößter Emittent von Treibhausgasen. (Symbolbild) - Bild: Johannes Neudecker/dpa

Allianz sieht Klimaneutralität weltweit erst 2064

Die Welt, Deutschland und Europa werden nach Berechnungen der Allianz bei unverändertem Tempo ihre Ziele für Klimaneutralität bis 2050 verfehlen. Der Versicherer erwartet die Klimaneutralität weltweit erst 2064, in der EU 2057 und in Deutschland 2051.

1,5-Grad-Ziel gilt als praktisch unerreichbar

Die Allianz veröffentlichte ihren „Green Transition Tracker“ zum zweiten Mal. Er basiert auf Daten zur Energieerzeugung in 64 Staaten, die den Großteil der weltweiten Treibhausgasemissionen verursachen.

Das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, ist der Studie zufolge praktisch nicht mehr erreichbar. Unter den deutschsprachigen Ländern liegt die Schweiz vorn, Deutschland folgt vor Österreich.

China bleibt größter Emittent

China verursacht laut Allianz 30 Prozent des weltweiten Treibhausgasausstoßes. Die USA folgen mit elf Prozent.

Im Ranking belegt Luxemburg den ersten Platz, die Schweiz Rang acht, Deutschland Rang zwölf und Österreich Rang 19. Die EU verursacht sechs Prozent der globalen Emissionen und führt bei deren Reduktion, allerdings hat sich das Tempo verlangsamt.

56 Staaten senken Emissionen

Trotz politischer Widerstände sieht die Studie Fortschritte beim Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle. In 56 der 64 untersuchten Staaten gingen die Emissionen weiter zurück.

2025 überholten erneuerbare Energien bei der weltweiten Stromerzeugung erstmals die Kohle. Ihr Anteil lag bei 33,5 Prozent, Kohle kam auf 33,2 Prozent.

Ökonomische Anreize treiben den Umbau

Als einen Treiber nennt die Allianz gestiegene Öl- und Gaspreise infolge des Iran-Kriegs. Sie hätten den fossilen Energieverbrauch gedämpft und den Absatz von Elektroautos sowie Solaranlagen erhöht. Für dieses Jahr erwartet die Studie einen möglichen Rückgang der CO2-Emissionen um 0,5 Prozent.

Aserbaidschan und Iran bilden die Schlusslichter des Rankings. Dort habe sich beim Klimaschutz bislang nichts Messbares getan.

Versicherer beobachten steigende Schäden

Die Allianz verweist auf den langfristigen Zusammenhang zwischen steigenden Durchschnittstemperaturen und zunehmenden Schäden durch Unwetter und Überschwemmungen. Die Entwicklung verlaufe nicht jedes Jahr linear, zeige aber über längere Zeit einen steigenden Trend.

Die Allianz-Projektion steht in einem internationalen Umfeld, in dem das 1,5-Grad-Ziel zunehmend als kaum noch erreichbar gilt. Aktuelle Klimabilanzen verweisen zugleich darauf, dass die derzeitige Politik auf eine deutlich höhere Erwärmung zusteuert und die Folgen bereits heute spürbar sind.

Für die Einordnung der Allianz-Zahlen ist entscheidend, dass Klimaneutralität nicht nur vom Ausbau erneuerbarer Energien abhängt. Fortschritte bei Solar- und Windkraft müssen mit einem dauerhaft sinkenden Verbrauch fossiler Energien, dem Umbau von Verkehr und Industrie sowie verlässlichen politischen Rahmenbedingungen einhergehen. Dass 56 der 64 untersuchten Staaten ihre Emissionen weiter reduziert haben, zeigt Fortschritte, ändert aber nichts an der zu langsamen Gesamtdynamik.

Deutschland zwischen Fortschritt und Zielverfehlung

Deutschland liegt im Allianz-Ranking auf Platz zwölf und damit vor Österreich, aber hinter der Schweiz. Die Studie legt nahe, dass das Land sein eigenes Ziel der Klimaneutralität bis 2050 beim derzeitigen Tempo verfehlen würde. Für Bürger und Unternehmen bedeutet das vor allem wachsenden Anpassungsdruck: Investitionen in Energieversorgung, Gebäude, Netze und Schutz vor Hitze oder Überschwemmungen müssen parallel zum Emissionsabbau erfolgen.

Der globale Wandel bleibt zudem stark von großen Emittenten abhängig. China verursacht laut Studie 30 Prozent des weltweiten Ausstoßes, die USA elf Prozent. Der erstmalige Vorsprung erneuerbarer Energien vor Kohle bei der Stromerzeugung ist deshalb ein wichtiges Signal, reicht allein aber nicht aus, solange fossile Energien in anderen Sektoren und Regionen weiter dominieren.

Focus: „1,5-Grad-Ziel kaum noch erreichbar: Experte warnt vor Folgen“ (04.11.2026)

Der Beitrag ordnet die Allianz-Prognose in die internationale Debatte über das 1,5-Grad-Ziel ein und verweist auf eine erwartete Erwärmung von 2,8 Grad bei der derzeitigen Klimapolitik. Anders als die Allianz-Studie konzentriert sich der Artikel stärker auf gesundheitliche Folgen, Anpassung und die bevorstehende Weltklimakonferenz.

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