IfW: Klimaschutz stÀrkt Europas Sicherheit
02.04.2025 - 10:41:43"Klimapolitik ist keine konkurrierende PrioritĂ€t zur Verteidigung - sie ist ihre strategische ErgĂ€nzung", sagte Joschka Wanner, Professor an der UniversitĂ€t WĂŒrzburg und Mitautor des Kiel Policy Briefs "Die sicherheitspolitische Dividende von Klimapolitik".
Der Analyse zufolge spĂŒlt jeder Euro, den Europa weniger fĂŒr Ăl ausgibt, 13 Cent weniger in die russische Kriegskasse und nimmt so den Druck auf europĂ€ische Verteidigungsausgaben. Diese könnten mit jedem eingesparten Ăl-Euro um 37 Cent sinken.
Berechnungen gelten fĂŒr gegenwĂ€rtige Situation
Grundlage der Berechnung sei der Einfluss des weltweiten Ălverbrauchs auf Russlands Kriegskasse. Der Wirkmechanismus entfaltet sich nach Angaben des IfW wie folgt: Eine geringere Ălnachfrage in der EU senkt den Weltmarktpreis, ein Teil des Wertverlusts trifft Russland.
Die Autoren weisen in ihrem Papier darauf hin, dass die Berechnungen vor allem fĂŒr die gegenwĂ€rtige Situation eines geopolitisch aggressiven Russlands gelten. Sollte diese Aggression zurĂŒckgehen, und Russland seine Ăleinnahmen nicht mehr im gleichen Umfang ins MilitĂ€r investieren wie jetzt, sinke auch die sicherheitspolitische Dividende klimaschĂŒtzender MaĂnahmen.
Tempolimit brÀchte Sicherheitsdividende von zwei Milliarden
Mit der EinfĂŒhrung eines Tempolimits auf deutschen Autobahnen lieĂen sich der Analyse zufolge bis 2030 nicht nur die Freisetzung von rund 33 Millionen Tonnen CO2 vermeiden. Die geringere Ălnachfrage entsprĂ€che auch einer sicherheitspolitischen Dividende von rund zwei Milliarden Euro, die nicht in einen Verteidigungshaushalt flieĂen mĂŒssten, heiĂt es.
Und wenn die EU den Automobilherstellern nicht, wie jetzt vorgesehen, mehr Zeit gÀbe, ihre CO2-Flottengrenzwerte einzuhalten, entsprÀche dies demnach einer sicherheitspolitischen Dividende von etwa drei Milliarden Euro.
Studie: Höherer CO2-Preis gerechtfertigt
Die Autoren empfehlen aus geopolitischen GrĂŒnden einen CO2-Preis von mindestens etwa 60 Euro pro Tonne. Der Preis wird fĂŒr Emissionen aus der Verbrennung von Benzin, Diesel, Heizöl und Gas fĂ€llig. Er wirkt fĂŒr Verbraucher wie eine Steuer und liegt bei 55 Euro pro ausgestoĂener Tonne Kohlendioxid (CO2).
Ein höherer CO2-Preis wĂ€re aus Sicht des Instituts strategisch genauso gerechtfertigt wie die Ausweitung des EU-Emissionshandels auf Ăl im GebĂ€ude- und Verkehrssektor. Im europĂ€ischen Emissionshandel wird die Menge der zugeteilten Emissionsberechtigungen jĂ€hrlich gesenkt, um die Emissionen schrittweise immer stĂ€rker zu begrenzen.
"Schon aus Eigeninteresse sollte die EU signifikante Steuern auf Ăl und Gas erheben - oder die Nachfrage nach Ăl und Gas mit anderen MaĂnahmen senken", sagte Wanner. "Wer Emissionen senkt, schĂŒtzt nicht nur das Klima, sondern stĂ€rkt auch Europas Sicherheit."

