HÀlfte, BeschÀftigten

Etwa die HÀlfte der BeschÀftigten mit Tarifvertrag

21.03.2025 - 09:06:42

Knapp die HÀlfte der BeschÀftigten in Deutschland arbeitet in einem Betrieb, in dem ein Branchen- oder Firmentarifvertrag gilt.

Mit 49 Prozent aller BeschÀftigten in einem tarifgebundenen Betrieb blieb die Tarifbindung im Jahr 2024 im Vergleich zu den Vorjahren konstant, wie das Statistische Bundesamt ermittelt hat.

Allerdings war die Quote frĂŒher deutlich höher: Bis Mitte der 1990er Jahre wurden nach Angaben des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung etwa 85 Prozent aller BeschĂ€ftigten nach einem Tarifvertrag bezahlt, den Gewerkschaften und ArbeitgeberverbĂ€nde ausgehandelt hatten.

Tarifbindung in einigen Branchen deutlich unterdurchschnittlich

Je nach Branche gibt es auch in der jĂŒngsten amtlichen Statistik deutliche Unterschiede: Die höchsten Tarifbindungsquoten stellen die Wiesbadener Statistiker erneut mit 100 Prozent im Öffentlichen Dienst, bei der Verteidigung und den Sozialversicherungen fest. Überdurchschnittlich ist der Wert auch in der Energieversorgung (84 Prozent), im Bereich Erziehung (80 Prozent) sowie bei Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (72 Prozent).

Der Wirtschaftsbereich mit der geringsten Tarifbindung im Jahr 2024 war Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei (11 Prozent). Vergleichsweise geringe Quoten gab es auch in den Bereichen Kunst, Unterhaltung und Erholung (20 Prozent), GrundstĂŒcks- und Wohnungswesen (22 Prozent) sowie im Gastgewerbe (23 Prozent).

Im Vergleich der BundeslÀnder war der Statistik zufolge im vergangenen Jahr die Tarifbindung in Bremen (56 Prozent) am höchsten. Die geringste Tarifbindung wies demnach das Land Sachsen (42 Prozent) aus.

"Schlechtere Arbeitsbedingungen ohne Tarifvertrag"

Dass in vielen Dienstleistungsbranchen wie Handel oder Gastgewerbe nur noch eine Minderheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von einem Tarifvertrag profitieren, sieht WSI-Tarifexperte Thorsten Schulten mit Sorge: "Ohne TarifvertrÀge verdienen die BeschÀftigten deutlich weniger, arbeiten erheblich lÀnger und haben insgesamt schlechtere Arbeitsbedingungen."

Eine im April 2024 veröffentlichte WSI-Studie kam zu dem Schluss, dass VollzeitbeschĂ€ftigte in tariflosen Betrieben im Mittel wöchentlich 53 Minuten lĂ€nger arbeiten und trotzdem gut 10 Prozent weniger verdienen als BeschĂ€ftigte in Betrieben mit Tarifbindung. Von einer kĂŒnftigen Bundesregierung fordert WSI-Forscher Schulten gesetzliche Regelungen fĂŒr mehr Tarifbindung.

@ dpa.de