Harris hĂ€lt Trump fĂŒr Faschisten - Eskalation im Wahlkampf
24.10.2024 - 06:35:04Bei einer CNN-BĂŒrgerstunde im politisch besonders umkĂ€mpften Bundesstaat Pennsylvania bezeichnete die demokratische PrĂ€sidentschaftskandidatin ihren republikanischen Gegenkandidaten am Mittwochabend (Ortszeit) als eine Gefahr fĂŒr das Land. Der reagierte mit Spott.
Der Wahlkampf in den USA befindet sich in der Schlussphase: Am 5. November wird gewĂ€hlt. Umfragen sagen ein sehr enges Rennen voraus. Harris und Trump versuchen jetzt vor allem unentschlossene WĂ€hler zu ĂŒberzeugen und setzen dabei auf maximalen Kontrast und Provokation. Zu der Townhall hatte CNN registrierte WĂ€hler eingeladen, die angaben, noch unsicher zu sein, wen sie wĂ€hlen wollen. Trump hatte eine Einladung zu der Townhall nach Angaben des Senders ausgeschlagen.
"Halten Sie Donald Trump fĂŒr einen Faschisten?"
Trump sei "zunehmend instabil" und "ungeeignet fĂŒr das Amt", sagte Harris gleich zu Beginn der BĂŒrgerstunde. Ehemalige Mitarbeiter des Ex-PrĂ€sidenten und enge Vertraute hĂ€tten ausdrĂŒcklich darauf hingewiesen, dass Trump die Verfassung der Vereinigten Staaten verachte und nie wieder das Amt des PrĂ€sidenten der Vereinigten Staaten ausĂŒben sollte, sagte Harris. Moderator Anderson Cooper fragte die 60-JĂ€hrige: "Halten Sie Donald Trump fĂŒr einen Faschisten?" Harris antwortete ohne Zögern: "Ja, das tue ich."
Auslöser fĂŒr die Frage waren ĂuĂerungen von Trumps ehemaligem Stabschef John Kelly. Er sagte der "New York Times", Trump falle aus seiner Sicht "unter die allgemeine Definition eines Faschisten". Er verwies dabei auf die Beschreibung von Faschismus als einer extrem rechten, autoritĂ€ren und ultranationalistischen Ideologie, bei der es unter anderem einen diktatorischen AnfĂŒhrer und eine UnterdrĂŒckung der Opposition gebe.
Trump: "Harris merkt, dass sie verliert"
Harris sagte, Kelly habe mit seinen Aussagen ĂŒber Trump einen "Notruf an das amerikanische Volk abgesetzt", um darauf hinzuweisen, was passieren könnte, wenn dieser wieder ins WeiĂe Haus einziehe. Die Leute, die Trump "zurĂŒckhalten könnten", seien nun nicht mehr da. "Ich glaube, Donald Trump ist eine Gefahr fĂŒr das Wohlergehen und die Sicherheit Amerikas", sagte Harris.
Trump hatte dafĂŒr nur Spott ĂŒbrig. "Harris merkt, dass sie verliert, und zwar haushoch (...)", schrieb der 78-JĂ€hrige auf der Online-Plattform Truth Social. "Deshalb verschĂ€rft sie jetzt zunehmend ihre Rhetorik." Sie gehe schon so weit, ihn als Adolf Hitler zu bezeichnen. Harris sei selbst "eine Bedrohung fĂŒr die Demokratie und nicht geeignet, PrĂ€sidentin der Vereinigten Staaten zu werden", schrieb Trump.
Migration, Fracking, Abtreibung - Harris in der Offensive
Harris versuchte zugleich, Punkte bei unentschlossenen WĂ€hlern zu sammeln, indem sie die Probleme ansprach, bei denen viele Amerikaner Trump mehr zutrauen. "Ich werde nie zulassen, dass Amerika eine unsichere Grenze hat", sagte Harris. Trump und seine UnterstĂŒtzer behaupten, dass unter PrĂ€sident Joe Biden und Harris als seiner VizeprĂ€sidentin eine unkontrollierte Einwanderung in die USA eskaliert sei. Der Frage, ob sie wie Trump eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen wolle, wich Harris aus: "Ich will unsere Grenze stĂ€rken."
Auch versicherte Harris, dass sie die umstrittene Erdgas-Gewinnung durch Fracking - anders als von Trump behauptet - nicht verbieten werde. Fracking ist ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor im umkĂ€mpften Bundesstaat Pennsylvania, der mit seinen 19 Stimmen von Wahlleuten das Rennen um das WeiĂe Haus entscheiden könnte. FĂŒr den Sieg braucht man 270 Wahlleute.
Harris signalisierte, dass sie eine Ănderung der Abstimmungsregeln im US-Senat unterstĂŒtzen könnte, um das Recht auf Abtreibung per Gesetz zu verankern. "Ich denke, dass wir uns den Filibuster anschauen mĂŒssen", sagte Harris im Bezug auf die Vorgabe, dass im Senat eine Mehrheit von 60 der 100 Stimmen erforderlich ist, um sich hinziehende Debatten zu beenden. Mit den knappen Mehrheiten sorgt das seit Jahren dafĂŒr, dass zwischen den beiden Parteien umstrittene Entscheidungen nicht getroffen werden können.
Harris: "Ich bete jeden Tag"
Harris sagte wĂ€hrend der Townhall auch, dass sie tĂ€glich bete. "Ich bete jeden Tag, manchmal zweimal am Tag." Sie sei im Glauben an einen liebenden Gott erzogen worden und lebe ihren Glauben, indem sie ĂŒberlege, wie sie anderen helfen könne. Dieser Grundsatz leite auch ihre Arbeit.
Moderator Cooper hatte Harris auf einen Bericht angesprochen, wonach sie nach dem RĂŒckzug Joe Bidens aus dem PrĂ€sidentenrennen zunĂ€chst einen Pastor anrief. "Ich brauchte diese spirituelle Art von Verbindung. Ich brauchte diesen Rat. Ich brauchte ein Gebet", berichtete sie ĂŒber das GesprĂ€ch mit Pastor Amos Brown von ihrer Baptistengemeinde in San Francisco.
Auch Christen und Konservative sind eine wichtige WĂ€hlergruppe. Viele von ihnen fĂŒhlen sich mit dem Republikaner Trump verbunden. Nach Ende der Fragerunde sprach Harris mit ausgeschalteten Mikrofonen lĂ€nger mit einer Frau, deren Ehemann vor einem Jahr gestorben war. Danach machte sie eine Runde durch den Saal und unterhielt sich auch mit anderen Teilnehmern./trö/DP/zb

