GESAMT-ROUNDUP, Scholz

GESAMT-ROUNDUP: Scholz legt sich wegen Grönland mit Trump an

08.01.2025 - 18:09:38

Knapp zwei Wochen vor der Vereidigung Donald Trumps als US-PrÀsident ist Bundeskanzler Olaf Scholz erstmals auf Konfrontationskurs zu dem Republikaner gegangen.

Nach den Gedankenspielen Trumps zu einer territorialen Ausbreitung der USA erinnerte Scholz ihn auf offener BĂŒhne an die Unverletzlichkeit von Grenzen. "Grenzen dĂŒrfen nicht mit Gewalt verschoben werden", sagte er ohne Trump ausdrĂŒcklich zu erwĂ€hnen. Das Prinzip der Unverletzlichkeit gelte fĂŒr jedes Land, egal ob es im Osten oder im Westen liege.

Trump hatte wiederholt Begehrlichkeiten mit Blick auf das zum dĂ€nischen Königreich zĂ€hlende Grönland geĂ€ußert. Auch auf Kanada hatte er zuletzt immer wieder öffentlich geschielt und das Nachbarland im Norden als möglichen "51. Bundesstaat" der USA beschrieben.

Scholz telefoniert mit DÀnemarks MinisterprÀsidentin zu Grönland

Bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Florida hatte Trump mit Blick auf Grönland auch den Einsatz militÀrischer Mittel nicht ausgeschlossen. Scholz telefonierte daraufhin am Mittwoch mit EU-RatsprÀsident António Costa, der dÀnischen MinisterprÀsidentin Mette Frederiksen und dem polnischen MinisterprÀsidenten Donald Tusk. Auch mit Nato-GeneralsekretÀr Mark Rutte und dem französischen PrÀsidenten Emmanuel Macron war er in Kontakt. Die weitgehend eisbedeckte Insel Grönland ist ein autonomes Territorium DÀnemarks und gehört damit zu einem Land, das wie die USA und Kanada Nato-Mitglied ist.

"Ein gewisses UnverstĂ€ndnis" ĂŒber Äußerungen aus den USA

Scholz sagte in einem kurzfristig anberaumten Presse-Statement, in seinen GesprĂ€chen mit den europĂ€ischen Partnern habe es "ein gewisses UnverstĂ€ndnis" ĂŒber gewisse Äußerungen aus den USA gegeben. Er nannte Trump aber nicht beim Namen. Das Prinzip der Unverletzlichkeit von Grenzen zĂ€hle zum Kernbestand dessen, "was wir westliche Werte nennen". Scholz: "Daran kann und daran darf es kein RĂŒtteln geben."

Scholz hatte seit der US-Wahl 5. November kritische Äußerungen zum Wahlsieger Trump zunĂ€chst vermieden und seinen Willen zur konstruktiven Zusammenarbeit erklĂ€rt. Nach seinen beiden Telefonaten mit dem kĂŒnftigen US-PrĂ€sidenten betonte er, dass er vor allem in der Ukraine-Politik eine gemeinsame Linie sehe. Jetzt gibt es den ersten Ärger zwischen den beiden.

Auch aus Frankreich kamen harsche Töne Richtung USA wegen Grönland. Die französische Regierungssprecherin Sophie Primas sagte, es handele sich dabei um "eine Form von Imperialismus". "Mehr denn je mĂŒssen wir uns, gemeinsam mit unseren europĂ€ischen Partnern, bewusst sein, eine Form der NaivitĂ€t ĂŒberwinden, uns schĂŒtzen und aufrĂŒsten."

Trump fordert FĂŒnf-Prozent-Ziel der Nato

Auf eine weitere aufsehenerregende Äußerung Trumps auf der Pressekonferenz in Mar-a-Lago in Florida ging Scholz nicht ein. Der US-PrĂ€sident hatte die Nato-BĂŒndnispartner auch dazu aufgefordert, kĂŒnftig fĂŒnf Prozent des Bruttoinlandsprodukts fĂŒr Verteidigung auszugeben. "Sie können es sich alle leisten", sagte er.

Die Nato-Staaten hatten sich 2014 zum Ziel gesetzt, zwei Prozent des BIP in die Verteidigung zu investieren. Angesichts der russischen Bedrohung wird in der Nato schon seit lĂ€ngerem ĂŒber eine Anhebung des Ziels diskutiert, aber eher auf Werte zwischen 2,5 und 3,5 Prozent.

Bundesregierung verweist auf Nato-Verfahren

Deutschland hat im vergangenen Jahr erstmals die zwei Prozent erreicht und liegt nach der jĂŒngsten Nato-Statistik vom Juni bei 2,12 Prozent. Scholz' Sprecher Steffen Hebestreit reagierte auf die Forderung nach fĂŒnf Prozent zurĂŒckhaltend. "Es gibt dazu ein eingespieltes Verfahren auf Ebene der Nato und dieses Verfahren, das lĂ€uft gerade", sagte er. "Wenn dann die Ergebnisse vorliegen, beugt man sich politisch darĂŒber und dann bewertet man sie und zieht die nötigen SchlĂŒsse."

Gemeint ist der stĂ€ndig laufende Verteidigungsplanungsprozess der Nato, in dem das BĂŒndnis feststellt, was an Waffensystemen, AusrĂŒstung oder Truppen notwendig ist, um die VerteidigungsfĂ€higkeit sicherzustellen. Hebestreit sagte, man nehme den Vorschlag Trumps zur Kenntnis und stimme sich eng mit den VerbĂŒndeten ab. "Das wird sich auch mit der Administration von Donald Trump fortsetzen."

@ dpa.de