Noch mal weniger Wohnungen genehmigt
18.02.2025 - 11:47:02Im vergangenen Jahr sind in Deutschland noch einmal weniger Wohnungen neu genehmigt worden. Die Zahl von 215.900 Wohnungen markiert einen Tiefpunkt in der Statistik seit dem Jahr 2010, als die Behörden nur fĂŒr 187.600 Einheiten grĂŒnes Licht gegeben hatten. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl im Jahr 2024 um 43.700 Wohnungsgenehmigungen oder 16,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt weiter berichtet.
VerbĂ€nde der Bau- und Immobilienwirtschaft verlangten erneut wirksame Subventionen und einfachere Bauvorschriften, um der vor allem in den BallungsrĂ€umen verbreiteten Wohnungsknappheit zu begegnen. Das SPD-gefĂŒhrte Bundesbauministerium sieht fĂŒr das laufende Jahr Anzeichen fĂŒr eine Trendwende. Zudem werde mit erhöhten Förderungen fĂŒr den sozialen Wohnungsbau die Baubranche stabilisiert. Aktuell wĂŒrden rund 40 Prozent der genehmigten Wohnungen öffentlich gefördert.Â
Noch viele Wohnungen in Bau
Laut Statistischem Bundesamt hat sich in der zweiten JahreshĂ€lfte der RĂŒckgang der Genehmigungen tatsĂ€chlich verlangsamt. Zudem lĂ€sst die Zahl der Genehmigungen nicht zwingend auf die Zahl neu fertiggestellter Wohnungen schlieĂen. Diese lag in den vergangenen Jahren nahezu konstant bei rund 300.000 Wohnungen pro Jahr. Die Differenz zu den Genehmigungen hĂ€ngt mit Verzögerungen und dem sogenannten BauĂŒberhang aus bereits genehmigten, aber nicht fertig gestellten Projekten zusammen. Davon gab es zum Jahresende 2023 knapp 827.000 StĂŒck. Laut Bundesregierung sind aktuell rund 390.000 Wohnungen in Bau.
Jahresziel wird erneut verfehlt
Es zeichnet sich dennoch ab, dass auch 2024 das von der Ampel-Koalition ausgegebene Jahresziel von 400.000 neuen Wohnungen verfehlt wird. FĂŒr das Jahr rechnet die Regierung mit einem RĂŒckgang auf 265.000 fertige Wohnungen, wĂ€hrend der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes noch einmal bis zu 40.000 Einheiten weniger veranschlagt. Die exakten Statistiken zu Fertigstellungen und BauĂŒberhang sollen aber erst im Mai vorliegen.
Privaten Bauherren wie auch Unternehmen hatten vor allem gestiegene Zinsen fĂŒr Immobilienkredite und höheren Baupreise zu schaffen gemacht. Inzwischen hat die EuropĂ€ische Zentralbank die Zinswende vollzogen, sodass die Kreditkosten ihre HöchststĂ€nde verlassen haben. Laut Bauindustrie lagen die Hypothekenzinsen mit langen Laufzeiten Ende des Jahres um 0,2 Prozentpunkte niedriger als zu Jahresbeginn.
Top-Thema nach der Wahl?
Der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen stellt fest: «Uns fehlen weiterhin hunderttausende Wohnungen. Wir bauen immer noch zu kompliziert und zu teuer. Wir fesseln unsere Handwerksbetriebe und Wohnungsunternehmen mit zig Formularen, AntrĂ€gen und Genehmigungsprozessen.» Der Wohnungsbau mĂŒsse daher von der neuen Bundesregierung zum Top-Thema erklĂ€rt werden.Â
Ăhnlich Ă€uĂert sich der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW. PrĂ€sident Axel Gedaschko erklĂ€rt laut Mitteilung: «Bezahlbarer Wohnraum wird immer knapper, die Folgen fĂŒr den sozialen Zusammenhalt in Deutschland sind gravierend. Die Politik darf diesen dramatischen Trend nicht lĂ€nger ignorieren. Die nĂ€chste Bundesregierung muss den Wohnungsbau endlich als oberste PrioritĂ€t behandeln â es geht um nichts Geringeres als die soziale StabilitĂ€t unseres Landes.»
Baugewerbe will Turbo
Als «Bau-Turbo» empfiehlt der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Baugewerbes, Felix Pakleppa, unter anderem einfachere und einheitliche Bau-Standards, entschlackte Landesbauordnungen sowie weniger scharfe Energievorschriften. Auch steuerlich mĂŒsse der Staat den Bauenden entgegenkommen.Â
Die Bauindustrie weist zudem auf rĂŒcklĂ€ufige Genehmigungen auch bei Nicht-WohngebĂ€uden hin. So sei das Volumen der veranschlagten Baukosten sowohl im Wirtschaftsbau als auch bei öffentlichen Bauten rĂŒcklĂ€ufig. Bund, LĂ€nder und Gemeinden dĂŒrften nicht am falschen Ende sparen, sondern mĂŒssten die Baubudgets aufzustocken, um den Investitionsstau nicht noch gröĂer werden zu lassen.





