Koalition, Krankschreibung

Koalition beschließt 34-Punkte-Paket: Krankschreibung ab Tag eins Pflicht

Veröffentlicht: 07.07.2026 um 14:20 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Das neue Regierungsprogramm sieht verschärfte AU-Pflicht, flexiblere Befristungen und höhere Steuern für Spitzenverdiener vor.

Koalitionspläne: Strengere Regeln bei Krankschreibung und Kündigung
Koalition - Ein Stapel deutscher Rechtsdokumente oder Verträge mit einem Stift darauf, der Arbeitsrechtsreformen und politische Änderungen symbolisiert. 07.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das Paket umfasst 34 Maßnahmen in den Bereichen Arbeitsrecht, Steuern und Altersvorsorge. Ziel ist es, die deutsche Wirtschaft zu stabilisieren und wettbewerbsfähiger zu machen.

Doch schon jetzt zeichnet sich heftige Kritik ab. Wirtschaftsverbände und Mediziner zweifeln an der praktischen Umsetzung der Pläne.

Krankschreibung: Strengere Regeln ab dem ersten Tag

Ein besonders umstrittener Punkt ist die Neuregelung des Krankenstandes. Die telefonische Krankschreibung soll abgeschafft werden. Stattdessen ist eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) bereits ab dem ersten Krankheitstag Pflicht.

Bundeskanzler Friedrich Merz begründet den Schritt mit dem Ziel, den Krankenstand deutlich zu senken. Doch innerhalb der Koalition regt sich Widerstand. Vertreter des CDU-Arbeitnehmerflügels und der SPD-Generalsekretär fordern flexiblere betriebliche Lösungen – etwa durch Tarifverträge.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) schlägt Alarm: Die Neuregelung könnte jährlich zu mindestens 30 Millionen zusätzlichen Praxisbesuchen führen. Gesundheitsministerin Warken will gegenzusteuern und setzt auf den Ausbau digitaler Angebote wie Videosprechstunden.

Mehr Flexibilität beim Kündigungsschutz

Das Paket sieht eine deutliche Ausweitung der Befristungsmöglichkeiten vor. Sachgrundlose Befristungen sollen künftig bis zu 48 Monate möglich sein, mit bis zu sechs Verlängerungen. Diese Regelung ist bis Ende 2030 befristet. Ab 2027 entfällt zudem das Schriftformerfordernis bei Befristungen.

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Eine weitere Neuerung betrifft Hochverdiener mit einem Jahreseinkommen ab rund 177.450 Euro. Für sie sollen die Hürden für Kündigungen sinken – allerdings nur bei neuen Verträgen ab Januar 2027.

Parallel plant die Regierung steuerliche Anreize für Abfindungen. Ein Forscher des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) spricht von einer weltweiten Neuheit: Je schneller ein Arbeitnehmer einen neuen Job findet, desto höher fällt die Steuerbegünstigung aus.

Steuern und Rente: Entlastung für viele, höhere Belastung für Spitzenverdiener

Zum 1. Januar 2027 treten steuerliche Änderungen in Kraft. Geplant sind Anhebungen des Grundfreibetrags, des Kinderfreibetrags und des Kindergeldes. Das Entlastungsvolumen liegt bei rund 10 Milliarden Euro jährlich.

Gleichzeitig wird die sogenannte Reichensteuer verschärft. Ab einem Einkommen von 250.000 Euro steigt der Steuersatz auf 45 Prozent, ab 280.000 Euro auf 47 Prozent.

In der Rentenpolitik setzt die Koalition auf eine Kapitalrente. Zudem wird das Rentenalter künftig an die Lebenserwartung gekoppelt – faktisch eine Anhebung über 67 Jahre hinaus. Die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren soll entfallen.

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Gemischte Reaktionen aus Wirtschaft und Wissenschaft

Arbeitgeberverbände begrüßen die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisiert dagegen eine zunehmende Verunsicherung der Beschäftigten.

Der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) bewertet das Paket als politischen Erfolg, bezweifelt aber, dass es als echter Wachstumsmotor taugt. Die Gefahr: Steuerliche Entlastungen könnten durch die Inflation aufgezehrt werden.

Kritik gibt es auch an der Finanzierung. Der Haushaltsentwurf für 2027 sieht eine Neuverschuldung von 200 Milliarden Euro vor. Gleichzeitig sind Kürzungen beim Kinderzuschlag und im Klima- und Transformationsfonds geplant. Wirtschaftsvertreter bemängeln zudem, dass strukturelle Probleme wie hohe Sozialabgaben nicht ausreichend angegangen werden.

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