Koalition, Steuerreform

Koalition ringt um Steuerreform: Milliardenloch belastet Verhandlungen

12.05.2026 - 05:33:16 | boerse-global.de

Die Koalition verhandelt über eine Einkommensteuerreform ab 2027, während Steuerschätzungen ein massives Loch von 87,5 Milliarden Euro offenbaren.

Koalition ringt um Steuerreform: Milliardenloch belastet Verhandlungen - Foto: ĂĽber boerse-global.de
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Am heutigen Dienstag treffen sich die Spitzen der Koalition zu einer entscheidenden Sitzung. Auf dem Tisch liegen ehrgeizige Pläne für eine Einkommensteuerreform ab 2027 – doch die Kassenlage ist düster. Aktuelle Steuerschätzungen offenbaren ein Loch von 87,5 Milliarden Euro für die kommenden fünf Jahre.

Zwei Modelle fĂĽr die groĂźe Steuerreform

Die Koalition ringt um die richtige Balance. Ein Vorschlag, den forschungsnahe Institute unterstützen, sieht einen Grundfreibetrag von 13.400 Euro vor. Der Spitzensteuersatz soll demnach auf 49 Prozent steigen – und das bereits ab einem Jahreseinkommen von 90.000 Euro. Die Union kontert mit einem eigenen Modell: 45 Prozent Spitzensteuersatz, aber erst ab 125.000 Euro.

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Kanzler Merz hat klare Grenzen gezogen. Höhere Steuern für Unternehmen kommen für ihn nicht infrage. Andere Länderchefs zeigen sich dagegen offen für eine stärkere Belastung von Spitzenverdienern – allerdings erst ab Einkommen jenseits der 300.000-Euro-Marke.

Handwerk warnt vor Belastung der Mitte

Der Widerstand aus der Wirtschaft ist massiv. Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), schlägt Alarm. Drei Viertel aller Handwerksbetriebe seien als Personengesellschaften organisiert. Sie würden von möglichen Unternehmenssteuererleichterungen ausgeschlossen – und gleichzeitig durch höhere Einkommensteuersätze stärker belastet.

„Das ist ein fatales Signal", warnt Dittrich. Die Politik riskiere, Leistungsbereitschaft zu bestrafen. Viele Beschäftigte könnten den Eindruck gewinnen, dass sich Mehrarbeit finanziell nicht mehr lohne.

Steuerschätzung trübt die Stimmung

Die Verhandler sitzen auf einem Berg schlechter Nachrichten. Die Mai-Steuerschätzung fiel ernüchternd aus: Für das laufende Jahr 2026 müssen Bund, Länder und Gemeinden mit 17,8 Milliarden Euro weniger Steuereinnahmen kalkulieren als erwartet. Über fünf Jahre summiert sich das Minus auf 87,5 Milliarden Euro.

Hinzu kommt ein politischer Dämpfer: Der Bundesrat blockierte kürzlich eine geplante steuerfreie Prämie von bis zu 1.000 Euro. Die Regierung sucht nun nach alternativen Wegen, um Entlastungen zu ermöglichen.

Neue Regeln fĂĽr die E-Rechnung

Trotz der angespannten Lage arbeitet die Verwaltung weiter an Detailfragen. Das Bundesfinanzministerium (BMF) hat am 11. Mai neue FAQ zur elektronischen Rechnung veröffentlicht. Bauunternehmen dürfen künftig Pauschalbeträge für bestimmte Gewerke im strukturierten Teil der E-Rechnung angeben. Die detaillierte Leistungsbeschreibung kann als Anhang folgen.

Die Pflicht zur E-Rechnung gilt bereits seit dem 1. Januar 2025. Die neuen Regelungen stellen sicher, dass auch Abschlagszahlungen bis 2027 und darüber hinaus sauber dokumentiert werden können.

Internationale Steuerpolitik: Vietnam und Ă–sterreich gehen andere Wege

Während Deutschland noch diskutiert, handeln andere Länder. Vietnam hat die Steuerfreigrenze für Kleinstunternehmen drastisch angehoben. Seit Jahresbeginn 2026 liegt die Schwelle bei umgerechnet rund 38.000 Euro Jahresumsatz. Rund 3,6 bis 3,8 Millionen Händler profitieren davon. 60 bis 70 Prozent aller Kleinstbetriebe sind nun von der Umsatz- und Einkommensteuer befreit.

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In Österreich tobt derweil ein Streit um die Körperschaftsteuer. Geplant ist eine Anhebung auf 24 Prozent für Gewinne über eine Million Euro. Kritiker wettern, dass dies vor allem Familienunternehmen treffe – nicht die internationalen Konzerne. Die Stimmung ist gereizt: Nur 48 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Lage als gut, 17 Prozent denken über eine Verlagerung ins Ausland nach.

Steueralltag 2026: Was fĂĽr BĂĽrger gilt

Die Diskussion um die große Reform überlagert die aktuelle Realität. Für das Steuerjahr 2026 greift der Spitzensteuersatz von 42 Prozent bereits ab einem zu versteuernden Einkommen von 69.879 Euro. Steuerexperten weisen darauf hin, dass es sich um den Betrag nach Abzügen handelt – nicht um das Bruttogehalt. Der Durchschnittssteuersatz für jemanden an dieser Schwelle liegt bei rund 26 Prozent.

Für Studierende gilt ein Grundfreibetrag von 12.348 Euro. Wer in der Ausbildung ist, kann Kosten als Werbungskosten absetzen – ohne Obergrenze. Das kann zu Verlustvorträgen führen, die später in gutverdienenden Jahren Entlastung bringen.

Wichtige Frist: Die Steuererklärung für 2025 muss bis zum 31. Juli 2026 abgegeben werden. Wer freiwillig eine Erklärung einreicht, hat vier Jahre Zeit – die Abgabe für 2022 ist also noch bis Ende 2026 möglich.

Ausblick: Wohin steuert die Steuerpolitik?

Die heutigen Beschlüsse der Koalition werden die Richtung für die kommenden Jahre vorgeben. Die Regierung muss bis 2027 eine Reform liefern, die die versprochene Entlastung der Mittelschicht bringt – ohne den angeschlagenen Haushalt weiter zu belasten.

International bleibt die globale Mindeststeuer (Pillar 2) der OECD auf der Agenda. Im Mai 2026 erschien ein neues Umsetzungspaket, das die Harmonisierung der Systeme vorantreiben soll.

Ein Hoffnungsschimmer: 2025 gab es in Deutschland fast 395.000 neue Vollzeit-Selbstständige. Ob dieser Gründungsschwung anhält, wird sich unter anderem bei den bayerischen „Gründungstagen" vom 19. bis 21. Mai zeigen. Die anhaltende Unzufriedenheit mit Bürokratie und fehlender Förderung spricht jedoch dafür, dass die Steuerreform das zentrale wirtschaftspolitische Thema bleibt.

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