Feiertage abschaffen? Konjunkturforscher sind skeptisch
20.06.2025 - 09:38:23Die Forscher fanden dabei "keine Belege dafĂŒr, dass die Abschaffung von Feiertagen die Wirtschaftsleistung erhöht", wie das Institut fĂŒr Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung mitteilte.
FĂŒr die Studie haben die Experten sechs konkrete FĂ€lle untersucht, in denen in Deutschland oder in einzelnen BundeslĂ€ndern in den vergangenen 30 Jahren arbeitsfreie Feiertage gestrichen oder neu eingefĂŒhrt wurden.
IMK: Gleichung "Weniger Feiertage mehr Wachstum" zu simpel
"In gut der HÀlfte der FÀlle entwickelte sich die Wirtschaft sogar danach in jenen BundeslÀndern besser, in denen arbeitsfreie Feiertage beibehalten wurden oder neu hinzukamen", berichtete das IMK. "Die Gleichung: Wenn Feiertage wegfallen, steigt das Wachstum, geht offensichtlich nicht auf. Denn sie ist zu simpel und wird einer modernen Arbeitsgesellschaft nicht gerecht", teilte IMK-Direktor Sebastian Dullien mit.
Die Abschaffung von einem oder mehreren Feiertagen zur Erhöhung der Wirtschaftsleistung wird seit einigen Monaten verstÀrkt diskutiert. Vorgeschlagen hat dies etwa der PrÀsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Peter Adrian.
Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat eine Rechnung aufgestellt, wonach ein zusÀtzlicher Arbeitstag das Bruttoinlandsprodukt um 5 bis 8,6 Milliarden Euro steigern könnte.
Auch die "Wirtschaftsweise" Monika Schnitzer hatte die Abschaffung eines Feiertages in Deutschland zu Finanzierung der Krisenlasten befĂŒrwortet. "Die Streichung eines Feiertages fĂ€nde ich als Symbol genau richtig", sagte die Ăkonomin und Chefin des SachverstĂ€ndigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Im MĂ€rz hatte der PrĂ€sident des MĂŒnchener Ifo-Instituts, Clemens Fuest, fĂŒr die Streichung eines Feiertages plĂ€diert, um "das Arbeitsangebot der Menschen zu steigern".
IMK-Forscher untersuchten sechs "Realexperimente"
Das IMK untersuchte unter anderem, wie sich die Abschaffung des BuĂ- und Bettages in allen BundeslĂ€ndern auĂer Sachsen ab dem Jahr 1995 auswirkte. Entgegen der einfachen Gleichung: Weniger Feiertage Mehr Wirtschaftsleistung habe sich das Bruttoinlandsprodukt 1995 in Sachsen aber stĂ€rker entwickelt als im Rest Deutschlands, so die Forscher.
"Nominal wuchs die Wirtschaftsleistung im Bundesschnitt um 3,4 Prozent, im ostdeutschen Freistaat dagegen um 9,7 Prozent." Das BIP in Sachsen sei damit auch stĂ€rker als in den angrenzenden BundeslĂ€ndern Sachsen-Anhalt und ThĂŒringen gewachsen - obwohl diese den Feiertag gestrichen hatten.
Senkt geringere Erholungszeit die ProduktivitÀt?
Die gesamtwirtschaftliche Produktion gehe nicht nur auf die Zahl der Arbeitsstunden zurĂŒck - auch ProduktivitĂ€t und Innovation spielten eine wichtige Rolle, so das IMK. "Denkbar ist, dass die Beobachtung fehlender positiver Wachstumseffekte einer geringeren Zahl an Feiertagen darauf zurĂŒckgeht, dass die geringere Erholungszeit die ProduktivitĂ€t senkt", schreiben die Autoren.
Möglich sei auch, dass stark belastete ErwerbstĂ€tige als Reaktion auf eine Feiertagsstreichung ihr Arbeitsangebot an anderer Stelle zurĂŒckfahren, etwa durch die Verringerung der Arbeitszeit in Teilzeitstellen. So hĂ€tten wĂ€hrend der Pandemie PflegekrĂ€fte als Reaktion auf die hohe Belastung ihre Arbeitszeit verringert.

