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Körperliche Arbeit und Digitalisierung: Beschäftigte haben 20 Prozent mehr Fehltage

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 00:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Unternehmen und öffentliche Stellen verlagern Prävention in den Arbeitsalltag; Studien zeigen zugleich erhöhte Fehlzeiten in digitalisierten Berufen.

Betriebliche Gesundheitsangebote: Vorsorge erreicht Beschäftigte direkt am Arbeitsplatz
Eine helle, moderne Industriehalle mit viel Tageslicht, die eine saubere und strukturierte Arbeitsumgebung zeigt. Illustration mit AI erstellt.

Immer mehr Unternehmen und staatliche Institutionen verlegen präventive Gesundheitsleistungen und Informationsangebote unmittelbar in das berufliche Umfeld. Ziel dieser Maßnahmen ist es, Hürden für die Beschäftigten abzubauen und die gesundheitliche Versorgung nachhaltig zu verbessern.

Die Ansätze reichen von Vor-Ort-Vorsorgeuntersuchungen und Aktionstagen in Fertigungshallen bis hin zu strukturellen Förderprogrammen für kleine Betriebe und altersgerechten Unterstützungsangeboten.

Aktionstage und Gesundheitsangebote direkt in der Produktion

Um Belegschaften im laufenden Arbeitsalltag zu erreichen, organisieren Arbeitgeber Angebote direkt in den Betriebsstätten. Die Firma Alberts etwa funktionierte ihre Presserei am Standort Herscheid für einen Tag zu einem Gesundheitszentrum um.

An sechs Themenständen erhielten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Auskunft über ergonomische Arbeitsbedingungen, das betriebliche Eingliederungsmanagement sowie Bewegung, Vorsorge und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ergänzt wurde das Programm durch Entspannungsübungen und Fitnesswettbewerbe.

In Italien veranstaltete die Reale Group in Turin zum Auftakt der Fachmesse Terra Madre-Salone del Gusto einen betrieblichen Aktionstag rund um Prävention und gesunde Ernährung.

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Neben Ernährungsberatung konnten Beschäftigte an einem Testgerät des Partners Technogym Parameter wie Muskelmasse und Grundumsatz ermitteln. Ergänzend betreibt die Gruppe das Online-Magazin „Vivireale“ sowie das Portal „Reale Wellbeing“, das Themen wie mentale Gesundheit und Pflege bündelt.

Staatliche Initiativen setzen auf Vor-Ort-Screenings

Auch staatliche Akteure bringen medizinische Prävention direkt in die Betriebe. In der Region Mu?la startete das türkische Gesundheitsministerium das Pilotprojekt „Sa?l???m ?? Yerinde“.

Bei Einsätzen in Kraftwerken in Milas sowie Hotelbetrieben in Bodrum wurden rund 1.000 Erwerbstätige erreicht. Das medizinische Angebot umfasste Beratungen zum Rauchstopp, physiotherapeutische Hilfen sowie Vorsorgeuntersuchungen wie Mammografie-, HPV- und GGK-Krebs-Screenings samt direkter Weiterüberweisung bei Auffälligkeiten.

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In Österreich organisierte die Wiener Gesundheitsförderung im Rahmen des geförderten Pilotprojekts „Gesunde Grätzel-Betriebe“ eine Aktionswoche im Stuwerviertel, an der sich 17 Unternehmen beteiligten. Für Beschäftigte standen unter anderem Ernährungsberatungen, Bewegungsimpulse und Schulter-Nacken-Massagen bereit.

Auf europäischer Ebene unterstützt Slowenien kleine und mittlere Betriebe: Ein durch den Europäischen Sozialfonds Plus und den Staat kofinanziertes Projekt von NIJZ und KIMDPŠ richtet sich primär an Firmen mit 10 bis 49 Beschäftigten. 50 Betriebe erhalten dabei vertiefte Unterstützung über Pilot-Risikobewertungen direkt am Arbeitsplatz.

Demografie, Chroniker-Programme und Arbeitsbelastung

Die Angebote adressieren oft spezifische demografische und gesundheitliche Herausforderungen. Die Organisation HABIT, die beim Wiener Gesundheitspreis mit dem zweiten Platz und 1.500 Euro Preisgeld in der Kategorie Organisationen ausgezeichnet wurde, setzt auf ein durch den Fonds Gesundes Österreich gefördertes Übergangsmanagement für Beschäftigte ab 50 Jahren.

Neben arbeitsmedizinischer und physiotherapeutischer Begleitung umfasst dies Beratung zu Altersteilzeit und Pensionierung. Laut HABIT verdoppelte sich im ersten Halbjahr 2026 der Anteil der Bewerbungen von Personen ab 50 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2024.

Einen medikamentösen Schwerpunkt wählte die Bank of America in den USA. Wie Konzernchef Brian Moynihan gegenüber CNBC darlegte, belaufen sich die jährlichen Ausgaben der Bank für GLP-1-Präparate wie Ozempic und Wegovy für rund 211.000 Angestellte auf über 250 Millionen US-Dollar, was rund 13 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben von mehr als zwei Milliarden US-Dollar entspricht. Verbunden wird die Übernahme der Kosten mit verpflichtendem Gesundheitscoaching.

Untersuchungen unterstreichen den Bedarf an passgenauen Konzepten: Eine gemeinsam Studie des ifo-Instituts, des IAB und der Universität Konstanz ermittelte, dass Beschäftigte mit überwiegend körperlicher Tätigkeit in stark digitalisierten Umgebungen im Schnitt rund 20 Prozent mehr Fehltage aufweisen. Gezielte Schulungen und unterstützende Führung tragen laut den Forschern dazu bei, diese zusätzlichen Belastungen abzumildern.

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