ROUNDUPLetzter, Versuch

EU-Gipfel soll Einigung auf Ukraine-Hilfen bringen

Veröffentlicht am: 01.02.2024 um 07:35 Uhr | dpa.de

Kommt es zu einem Bruch mit unabsehbaren Folgen? Oder gibt es doch noch einen Kompromiss? Bei einem EU-Sondergipfel in BrĂŒssel soll an diesem Donnerstag ein letzter Versuch unternommen werden, den ungarischen Regierungschef Viktor Orban zu einer Zustimmung zu PlĂ€nen fĂŒr neue Ukraine-Hilfen zu bewegen.Über das Paket mit finanziellen UnterstĂŒtzungszusagen in Höhe von 50 Milliarden Euro fĂŒr die Zeit bis Ende 2027 hĂ€tte eigentlich bereits bei einem regulĂ€ren EU-Gipfel im vergangenen Dezember entschieden werden sollen.

Kommt es zu einem Bruch mit unabsehbaren Folgen? Oder gibt es doch noch einen Kompromiss? Bei einem EU-Sondergipfel in BrĂŒssel soll an diesem Donnerstag ein letzter Versuch unternommen werden, den ungarischen Regierungschef Viktor Orban zu einer Zustimmung zu PlĂ€nen fĂŒr neue Ukraine-Hilfen zu bewegen.

Über das Paket mit finanziellen UnterstĂŒtzungszusagen in Höhe von 50 Milliarden Euro fĂŒr die Zeit bis Ende 2027 hĂ€tte eigentlich bereits bei einem regulĂ€ren EU-Gipfel im vergangenen Dezember entschieden werden sollen. Damals legte Orban allerdings ein Veto ein und verhinderte damit eine Einigung.

Der Ungar hatte zuvor mehrfach die Sinnhaftigkeit der PlĂ€ne infrage gestellt und in diesem Zusammenhang auch darauf verwiesen, dass die EU aus seiner Sicht zu Unrecht fĂŒr sein Land vorgesehene Gelder aus dem Gemeinschaftshaushalt eingefroren hat.

Vor dem Gipfel sagte Orban nun in einem Interview des französischen Magazins "Le Point", Ungarn sei bereit, Teil einer Lösung zu sein. Voraussetzung sei allerdings, dass man jedes Jahr neu darĂŒber entscheide, ob man weiter Geld schicken wolle oder nicht.

Andere Mitgliedstaaten wie Deutschland lehnen dies jedoch ab. Ein Grund ist, dass sie der Ukraine langfristig UnterstĂŒtzung zusichern wollen. Zudem geht es auch darum, Ungarn Erpressungsmöglichkeiten zu nehmen. So werfen EU-Diplomaten Orban vor, er versuche, mithilfe einer Veto-Politik die wegen Rechtsstaatsbedenken eingefrorenen EU-Gelder freizupressen.

Orban weist dies zurĂŒck. Er verweist dabei auch auf die im Juni anstehenden Europawahlen. Jetzt fĂŒr die Ukraine 50 Milliarden Euro fĂŒr den Zeitraum bis Ende 2027 fest zuzusagen, könnte den BĂŒrgern seiner Meinung nach den Eindruck vermitteln, dass ihre Stimme keine Rolle spiele, argumentiert er mit Blick auf Kritiker von Ukraine-Hilfen.

Sollte bei den GesprĂ€chen mit Orban keine Lösung gefunden werden, wollen die anderen EU-Staaten im 26er-Kreis - also ohne Ungarn - handeln. Zugleich gilt es als wahrscheinlich, dass es dann Diskussionen ĂŒber mögliche Schritte zum Entzug von Ungarns Stimmrecht bei EU-Entscheidungen geben wĂŒrde.

Das dafĂŒr notwendige Artikel-7-Verfahren wegen mutmaßlicher Rechtsstaatsdefizite lĂ€uft bereits seit Jahren. Es wurde allerdings bislang nicht engagiert vorangetrieben - unter anderem in der Hoffnung auf ein Einlenken Orbans in Streitfragen.

Informationen ĂŒber GesprĂ€che bei einem von EU-RatsprĂ€sident Charles Michel organisierten Abendessen vor dem Sondergipfel gab es in der Nacht zunĂ€chst nicht. An ihm nahm nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur unter anderem Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) teil. Orban ließ sich am Abend in BrĂŒssel am Rande einer Protestaktion von Landwirten gegen die EU-Agrarpolitik filmen. Er sagte in einem auf der Internet-Plattform X geposteten Video, die Anliegen der Menschen auf der Straße wĂŒrden nicht ernst genommen. Es brauche neue politische FĂŒhrungspersönlichkeiten.

Weitere Themen des EU-Sondergipfels werden der Nahost-Konflikt und die EU-MilitĂ€rhilfen fĂŒr die Ukraine sein. Zu den MilitĂ€rhilfen hatte jĂŒngst Kanzler Scholz eine Debatte angeregt. Er kritisiert, dass andere große EU-LĂ€nder fĂŒr das laufende Jahr deutlich weniger Geld fĂŒr Waffen- und Munitionslieferungen eingeplant hĂ€tten als Deutschland. Dies gefĂ€hrdet seiner Meinung nach das Durchhaltevermögen der Ukraine im Abwehrkrieg gegen Russland.

Nach Angaben des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell kann die Ukraine in diesem Jahr auf europĂ€ische MilitĂ€rhilfen im Wert von mindestens 21 Milliarden Euro hoffen. Im Vergleich zu dem, was bislang geleistet wurde, wĂŒrde dies eine Beschleunigung der UnterstĂŒtzung bedeuten, erklĂ€rte der Spanier am Mittwoch nach einem informellen EU-Verteidigungsministertreffen in BrĂŒssel. In den vergangenen knapp zwei Jahren seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges habe der Wert der europĂ€ischen MilitĂ€rhilfen fĂŒr die Ukraine insgesamt rund 28 Milliarden Euro betragen. Sie umfassen Waffen, Munition und andere militĂ€rische AusrĂŒstung.

Borrell betonte zudem, dass die Zahl von 21 Milliarden Euro fĂŒr 2024 nicht auf RĂŒckmeldungen von allen 27 EU-Mitgliedstaaten beruhe. Sie könnte demnach weiter steigen. Welche EU-LĂ€nder bislang keine Daten gemeldet haben, sagte Borrell nicht.

Die Zahlensammlung soll auch Grundlage fĂŒr die von Scholz angeregte Diskussion bei dem EU-Sondergipfel sein. Scholz kritisiert, dass andere große EU-LĂ€nder fĂŒr das laufende Jahr deutlich weniger Geld fĂŒr Waffen- und Munitionslieferungen eingeplant hĂ€tten als Deutschland. Dies gefĂ€hrdet seiner Meinung nach das Durchhaltevermögen der Ukraine im Abwehrkrieg gegen Russland.

Die Bundesregierung hat nach eigenen Angaben fĂŒr 2024 rund 7,5 Milliarden Euro an Haushaltsmitteln fĂŒr Waffenlieferungen an die Ukraine eingeplant. Dies entspricht rein rechnerisch einem Anteil von mehr als einem Drittel an den bislang gemeldeten EU-Hilfen in Höhe von rund 21 Milliarden Euro.

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