Konsumklima: Deutsche sparen wegen hoher Energiepreise deutlich mehr
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 08:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Deutschen halten angesichts hoher Energiepreise und geopolitischer Unsicherheit ihr Geld zusammen: Die Sparneigung ist im September kräftig gestiegen, während Einkommenserwartungen und Anschaffungsneigung nachgaben.
Energiepreise drücken Erwartungen
Das Konsumklima erhielt der monatlichen Erhebung des Nürnberger Instituts für Marktentscheidungen (NIM) und der GfK zufolge einen herben Dämpfer. Die Einkommenserwartungen sanken auf den niedrigsten Wert seit April. Eine Mehrheit der Haushalte rechnet damit, dass die hohen Energiekosten ihre Kaufkraft verringern.
„Folglich sind sie skeptischer, was die künftigen Einkommensaussichten für die nächsten zwölf Monate betrifft“, sagte NIM-Konsumexperte Rolf Bürkl.
Sparneigung auf Rekordniveau
Die Sparneigung stieg sprunghaft auf einen Wert, wie er seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr gemessen worden ist. Die Konsumforscher führen das vor allem auf die Verunsicherung durch hohe Energiepreise und die allgemeine Wirtschaftslage zurück.
Besonders ausgeprägt ist der Anstieg demnach in finanziell besser ausgestatteten Haushalten. Sie versuchten offenbar, bereits entstandene Kaufkraftverluste durch zusätzliche Rücklagen auszugleichen.
Konjunkturerwartungen verbessern sich
Die Erwartungen zur allgemeinen Konjunkturentwicklung legten dagegen den fünften Monat in Folge zu. Dazu könnten auch verbesserte Wachstumsprognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute beigetragen haben.
Für die Analyse wurden im Auftrag der EU-Kommission zwischen dem 3. und 14. September 2026 insgesamt 2.000 Verbraucherinnen und Verbraucher befragt.
Energiepreise treffen die Kaufkraft
Die aktuelle Konsumzurückhaltung fällt in eine Phase, in der höhere Energiepreise die Haushaltsbudgets unmittelbar belasten. Steigende Kosten für Gas, Strom, Heizöl und Kraftstoffe verringern den Spielraum für größere Anschaffungen, besonders bei Haushalten mit niedrigem oder mittlerem Einkommen. Zugleich verstärkt die unsichere geopolitische Lage die Vorsicht bei finanziellen Entscheidungen.
Widersprüchliche Signale der Wirtschaft
Das Bild der deutschen Wirtschaft ist nicht einheitlich. Führende Forschungsinstitute erwarten für 2026 inzwischen ein Wachstum von 1,3 Prozent, nachdem sie im Frühjahr noch 0,6 Prozent prognostiziert hatten. Die Erholung stütze sich unter anderem auf höhere Exporte und eine stärkere industrielle Wertschöpfung, bleibe wegen hoher Energiepreise und struktureller Probleme jedoch anfällig.
Folgen für Handel und Verbraucher
Für den Einzelhandel bedeutet eine steigende Sparneigung zunächst weniger Nachfrage nach Waren, die nicht dringend benötigt werden. Das kann die konjunkturelle Erholung bremsen, weil der private Konsum ein wichtiger Bestandteil der Wirtschaftsleistung ist. Für Verbraucher wird entscheidend sein, wie dauerhaft die Energiepreise hoch bleiben und ob Einkommen, Beschäftigung und staatliche Entlastungen die Kaufkraft stabilisieren. Die Studie zeigt dabei vor allem die Stimmung und Erwartungen der Haushalte; sie misst nicht unmittelbar deren tatsächliche Ausgaben.
