Krabbenfischer melden 50 Prozent weniger Fang als 2025
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFanggebiete und Saisonverlauf
- Niedersachsens KĂŒstenfischer fingen 2025 fast doppelt so viele Krabben wie im Vorjahr.
- In Schleswig-Holstein gehen aktuell noch etwa 60 Krabbenkutter auf Fangfahrt.
- Bis kurz vor Weihnachten bleibt die Flotte unterwegs, bevor die Krabben in tiefere GewÀsser ziehen.
Krabbenfischer melden schwachen Herbst
Die Krabbenfischer an der deutschen NordseekĂŒste erleben nach der auĂergewöhnlich guten Vorsaison einen enttĂ€uschenden Herbst. In Schleswig-Holstein liegen die Fangmengen nach Angaben des Landesfischereiverbands etwa 50 Prozent oder mehr unter dem Vorjahresniveau.
Wittling setzt jungen Krabben zu
Besonders schwierig ist die Lage im Norden Niedersachsens, wo der Bereich nach EinschĂ€tzung der Landwirtschaftskammer in diesem Jahr nahezu ausfĂ€llt. Als wesentlicher Grund gilt das massenhafte Auftreten des Wittlings, eines natĂŒrlichen Fressfeinds der Krabbe.
Der Fisch habe die kleinen Krabben gefressen, die fĂŒr den weiteren Bestandsaufbau benötigt wĂŒrden, erklĂ€rte Jan Möller vom Landesfischereiverband Schleswig-Holstein. Auch in Gebieten Richtung Ostfriesische Inseln, Ems und in den angrenzenden Niederlanden fallen die FĂ€nge bislang besser aus, weil dort weniger Wittlinge vorkommen.
Herbstwetter erschwert die Fangfahrten
Die Fischer rechnen zudem mit schwierigeren Bedingungen durch wechselhaftes Herbstwetter und zunehmende StĂŒrme. Bis kurz vor Weihnachten bleiben die Kutter normalerweise im Einsatz; anschlieĂend ziehen sich die Krabben in tiefere GewĂ€sser zurĂŒck, sodass die Fangpause in der Regel bis Anfang MĂ€rz dauert.
Krabbenfleisch dĂŒrfte teurer werden
Die Erzeugerpreise sind im Herbst bereits gestiegen, was als Signal fĂŒr eine angespannte Fanglage gilt. Im FrĂŒhjahr waren die Preise im GroĂhandel noch deutlich niedriger, bei den Verbrauchern kam der RĂŒckgang allerdings kaum an.
Viele HĂ€ndler verlangen derzeit rund fĂŒnf Euro pro 100 Gramm Krabbenfleisch. Nach EinschĂ€tzung der Landwirtschaftskammer dĂŒrften die Preise noch etwas steigen, aber nicht extrem, sodass Verbraucher die VerĂ€nderung möglicherweise nur begrenzt bemerken.
Fischer hoffen auf bessere FĂ€nge
Bei den Fischern kommen nach Angaben des Landesfischereiverbands aktuell rund sechs Euro pro Kilogramm gefangener Krabben an. Seit Mai oder Juni hĂ€tten HĂ€ndler wegen der KaufzurĂŒckhaltung Schwierigkeiten gehabt, das Krabbenfleisch zu vermarkten; zugleich belasteten hohe Energiekosten die Betriebe.
Eine Direktvermarktung vom Kutter, wie sie etwa im BĂŒsumer Hafen betrieben wird, gilt nicht als grundsĂ€tzliche Lösung, weil sich gröĂere Fangmengen dort nicht vollstĂ€ndig absetzen lassen. Die Fischer hoffen, dass bis zum Saisonende gröĂere Tiere auftauchen und sich die Fanglage im kommenden Jahr verbessert.
Die schwache Krabbelsaison trifft eine KĂŒstenfischerei, deren ErtrĂ€ge stark von natĂŒrlichen Bestandsschwankungen, regionalen Bedingungen und dem Wetter abhĂ€ngen. Der dpa-Meldung zufolge gilt der Wittling in mehreren Fanggebieten als wesentlicher Faktor: Der Raubfisch frisst junge Krabben und kann dadurch den Nachwuchs beeintrĂ€chtigen.
Die Unterschiede zwischen den Regionen zeigen zugleich, dass die Entwicklung nicht ĂŒberall gleich verlĂ€uft. WĂ€hrend der Norden Niedersachsens besonders stark betroffen ist, fallen die FĂ€nge Richtung Ostfriesische Inseln, Ems und in den angrenzenden Niederlanden bislang besser aus. Weil sich Wittlinge bewegen, kann sich diese Verteilung im Saisonverlauf jedoch verĂ€ndern.
Preise und wirtschaftlicher Druck
FĂŒr Verbraucher dĂŒrfte der RĂŒckgang vor allem ĂŒber höhere Preise spĂŒrbar werden. Nach Angaben aus der Meldung kosten 100 Gramm Krabbenfleisch derzeit vielerorts rund fĂŒnf Euro; ein extremer Preisanstieg wird trotz der schwachen FĂ€nge nicht erwartet, weil auch die Nachfrage und die Vermarktung eine Rolle spielen.
FĂŒr die Fischer verschĂ€rfen niedrige Erzeugerpreise, hohe Energiekosten und die begrenzte AufnahmefĂ€higkeit des Direktverkaufs den Druck. Die gute Vorsaison 2025 wirkt bislang stabilisierend. Entscheidend bleibt, ob bis zum Saisonende gröĂere Krabben in die Netze gelangen und wie stark HerbststĂŒrme die Fangfahrten zusĂ€tzlich einschrĂ€nken.
