Reallöhne im ersten Quartal in Deutschland stark gestiegen
29.05.2024 - 10:39:39Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum legten die Nominallöhne um 6,4 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch berichtete. Da gleichzeitig die Verbraucherpreise nur um 2,5 Prozent kletterten, ergab sich ein Anstieg der Reallöhne um 3,8 Prozent. Das war der höchste Anstieg seit EinfĂŒhrung der Statistik im Jahr 2008.
Die nominalen Löhne waren nur im zweiten Quartal 2023 einmal stĂ€rker gestiegen als in dem aktuell beobachteten Zeitraum. GrĂŒnde dafĂŒr waren neben den tariflichen Lohnerhöhungen die vereinbarten InflationsausgleichsprĂ€mien, die vom Staat bis zu einer Höhe von 3000 Euro steuer- und abgabenfrei gestellt wurden. Ăberdurchschnittliche Steigerungen gab es dabei vor allem in Branchen mit einem starken Anteil des Ăffentlichen Dienstes. AuĂerdem profitierten BeschĂ€ftigte mit vergleichsweise geringen Einkommen am stĂ€rksten von der Entwicklung.
Die Reallöhne setzen die BruttogehĂ€lter in ein VerhĂ€ltnis zur Entwicklung der Verbraucherpreise. Seit dem Schlussquartal 2021 hatte die Inflation in Deutschland deutlich zugelegt und die Kaufkraft der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geschwĂ€cht. Die Reallöhne sanken deutlich. Seit der Jahresmitte 2023 steigen die Reallöhne bei zurĂŒckgehender Inflation nun wieder.
Die Reallöhne hĂ€tten die Verluste seit dem Beginn der Covid-Pandemie noch bei weitem nicht ausgeglichen, stellte der Ăkonom Sebastian Dullien vom gewerkschaftlichen Institut fĂŒr Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) fest. Daher habe auch der Privatkonsum noch nicht auf einen Erholungskurs eingeschwenkt. "Viele Deutsche scheinen nach dem groĂen Inflationsschock der vergangenen beiden Jahre erst einmal ihren Notgroschen wieder aufstocken zu wollen, bevor sie wieder mehr Geld ausgeben", folgerte der Wissenschaftler. Er rechne fĂŒr die kommenden Monate mit einem weiter robusten Zuwachs der Nominallöhne, der sich allerdings mit dem Wegfall der InflationsausgleichsprĂ€mien etwas abschwĂ€chen werde.

