Kraftwerksausschreibung: CSU will zweite Runde verschieben
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 19:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSFörderung und Zeitplan der KraftwerksplÀne
- Die erste Ausschreibung betraf ZuschlĂ€ge fĂŒr Gaskraftwerke nach dem Strom-Versorgungssicherheits- und KapazitĂ€tsgesetz.
- In den ersten beiden Ausschreibungsrunden sollen jeweils 4,5 Gigawatt gefördert werden.
- FĂŒr Mai 2027 ist eine weitere Ausschreibung ĂŒber 2 Gigawatt vorgesehen, an der auch Speicher teilnehmen können.
CSU fordert Ănderungen an Kraftwerkskriterien
Die CSU will die Kriterien fĂŒr die zweite Ausschreibungsrunde fĂŒr neue KraftwerkskapazitĂ€ten Ă€ndern. Die Runde mĂŒsse verschoben werden, bis die Ausschreibungsbedingungen angepasst seien, sagte Andreas Lenz, energiepolitischer Sprecher der Unionsfraktion.
GrĂŒne unterstĂŒtzen Forderung nach Stopp
Auch Michael Kellner, energiepolitischer Sprecher der GrĂŒnen-Bundestagsfraktion, forderte einen kurzfristigen Stopp der nĂ€chsten Ausschreibung. Nach Informationen des Handelsblatts intervenierte der bayerische MinisterprĂ€sident Markus Söder bereits in Berlin.
Leag erhÀlt mehrere ZuschlÀge
Die Ergebnisse der ersten Auktion hatten bei vielen Energiekonzernen sowie im Bundeswirtschaftsministerium und bei der Bundesnetzagentur fĂŒr EnttĂ€uschung gesorgt. Fast alle FörderzuschlĂ€ge gingen an RWE und Leag.
Die Leag plant demnach keine neuen Gaskraftwerke, sondern will bestehende Kohlekraftwerke zu sogenannten Fuel-Switch-Anlagen umrĂŒsten. Diese Anlagen gelten typischerweise als weniger effizient und verbrauchen mehr Gas als moderne Gaskraftwerke.
Juristische PrĂŒfung ermöglichte ZuschlĂ€ge
Politische Entscheider sollen sich vor der Bekanntgabe intensiv damit befasst haben, wie ZuschlĂ€ge fĂŒr sechs Leag-Fuel-Switch-Anlagen verhindert werden könnten. Eine interne juristische PrĂŒfung bei der Bundesnetzagentur kam nach den vorliegenden Informationen jedoch zu dem Ergebnis, dass die Gebote zulĂ€ssig waren.
Auch RWE und Uniper hatten demnach geprĂŒft, sich mit alten Kohlekraftwerken zu beteiligen. Beide Unternehmen verzichteten in der ersten Runde darauf.
Weitere Verfahren sind bereits geplant
Am Dienstag wurden die ZuschlĂ€ge fĂŒr Gaskraftwerke im Rahmen des Strom-Versorgungssicherheits- und KapazitĂ€tsgesetzes bekannt gegeben. In den ersten beiden Runden sollen jeweils 4,5 Gigawatt gefördert werden.
FĂŒr Mai 2027 ist eine weitere Ausschreibung ĂŒber 2 Gigawatt geplant, an der auch Speicher teilnehmen können. Weitere KapazitĂ€tsausschreibungen sollen im Dezember 2027 und Oktober 2029 folgen; ab 2032 plant das Wirtschaftsministerium einen umfassenden KapazitĂ€tsmarkt.
Die geplante zweite Ausschreibungsrunde steht im Spannungsfeld zwischen Versorgungssicherheit, Klimaschutz und der wirtschaftlichen Nutzung bestehender Kraftwerksstandorte. Die erste Runde zeigte, dass Förderregeln nicht nur ĂŒber die Menge neuer Leistung entscheiden, sondern auch darĂŒber, welche Technologie und welche Betreiber zum Zuge kommen.
Fuel-Switch-Projekte können den Ăbergang von Kohle zu Gas an bestehenden Standorten erleichtern und damit regionale ArbeitsplĂ€tze sowie NetzanschlĂŒsse erhalten. Sie sind jedoch nicht automatisch gleich effizient wie neu errichtete Gaskraftwerke. FĂŒr Stromkunden und Steuerzahler ist deshalb entscheidend, ob die Förderung tatsĂ€chlich zusĂ€tzliche gesicherte Leistung schafft oder vor allem ohnehin geplante Umbauten finanziert.
Regeln entscheiden ĂŒber Technologiemix
Die weiteren Ausschreibungen sollen schrittweise auch Speicher und andere FlexibilitĂ€tsoptionen einbeziehen. Das könnte den Wettbewerb verbreitern, verlangt aber Kriterien, die Leistung, Abrufbarkeit, Emissionen, Kosten und Netzstandorte gemeinsam bewerten. Eine Verschiebung der zweiten Runde wĂŒrde diese politische und rechtliche Debatte unmittelbar in die Umsetzung des Kraftwerksausbaus verlĂ€ngern.
FĂŒr die Energiewirtschaft erhöht sich dadurch die Planungsunsicherheit. Zugleich steht die Bundesregierung unter Druck, ausreichend steuerbare KapazitĂ€ten fĂŒr Zeiten mit wenig Wind- und Solarstrom bereitzustellen, ohne langfristig eine fossile ĂberkapazitĂ€t zu subventionieren. Die fĂŒr 2027 und 2029 vorgesehenen weiteren Verfahren sowie der geplante KapazitĂ€tsmarkt ab 2032 machen die Ausgestaltung der zweiten Runde zu einem Signal fĂŒr die gesamte kĂŒnftige Förderarchitektur.
tagesschau: âVier Kraftwerke in JĂ€nschwalde werden auf Gas umgerĂŒstetâ (04.11.2026)
Der Beitrag bestĂ€tigt die ZuschlĂ€ge fĂŒr die Leag und konkretisiert den regionalen Schwerpunkt der UmrĂŒstung in JĂ€nschwalde. Im Mittelpunkt stehen dort die Projekte und ihre Bedeutung fĂŒr Brandenburg; die politische Forderung nach einer Ănderung der nĂ€chsten Ausschreibung wird nicht vertieft.
rbb24: âWas bedeutet ein neues Gaskraftwerk in JĂ€nschwalde?â (04.11.2026)
Der Artikel beleuchtet die Folgen der geförderten UmrĂŒstung fĂŒr den Standort und die BeschĂ€ftigten. Damit setzt er einen anderen Schwerpunkt als die politische Debatte ĂŒber die Ausschreibungskriterien, bestĂ€tigt aber den regionalen Bezug der Leag-Projekte.
Gemeinsam ist den BeitrĂ€gen der Fokus auf die bewilligten Leag-Vorhaben in Brandenburg. Unterschiede liegen vor allem zwischen der regionalen Perspektive auf Standort und BeschĂ€ftigung sowie der bundespolitischen Frage, ob die Förderbedingungen der nĂ€chsten Runde geĂ€ndert werden mĂŒssen.
