Krankenstand, Fehlzeiten

Krankenstand: 17 Tage Fehlzeiten 2025 belasten Mittelstand

26.06.2026 - 18:21:50 | boerse-global.de

Steigende Fehlzeiten und geplante GKV-Reform setzen Unternehmen unter Druck. Experten fordern mehr Steuerfinanzierung und PrÀvention.

Krankenstand und Reform: Doppelbelastung fĂŒr den deutschen Mittelstand
Krankenstand - Mitarbeiter in einem modernen BĂŒro, die auf ein Tablet mit Finanzgrafiken blicken, was betriebliche Krankenversicherung und finanzielle Belastung symbolisiert. 26.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Immer mehr BeschÀftigte fallen krankheitsbedingt aus, gleichzeitig plant die Regierung eine Reform der gesetzlichen Krankenversicherung. Kleine und mittlere Unternehmen geraten dabei doppelt unter Druck: steigende BeitrÀge und höhere Fehlzeiten.

Die PlĂ€ne der Ampel-Regierung sehen tiefgreifende Änderungen vor. Die Beitragsbemessungsgrenze und die Versicherungspflichtgrenze sollen um jeweils 3.600 Euro pro Jahr steigen. Das trifft vor allem Gutverdiener und deren Arbeitgeber.

Mittelstand schlÀgt Alarm

Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Koblenz kritisiert die PlÀne scharf. Dr. Karlheinz Sonnenberg und weitere Vorstandsmitglieder warnen vor einer GefÀhrdung des dualen Systems aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung.

Die MIT fordert stattdessen eine stĂ€rkere Steuerfinanzierung fĂŒr versicherungsfremde Leistungen – besonders fĂŒr die Gesundheitskosten von BĂŒrgergeldempfĂ€ngern. Auch die KAB WĂŒrzburg und das Haus der Krebs-Selbsthilfe unterstĂŒtzen diesen Ansatz.

Krankenstand auf Rekordniveau

Der Druck auf Unternehmen wÀchst aber nicht nur durch höhere BeitrÀge. Die Fehlzeiten steigen rasant. Zwischen Januar und November 2025 fehlten BeschÀftigte im Schnitt 17 Tage. 2021 waren es noch 13 Tage.

Besonders alarmierend: Psychische Störungen waren 2024 die dritthĂ€ufigste Ursache fĂŒr Krankschreibungen. Das machte das 11. PrĂ€ventionsforum der Nationalen PrĂ€ventionskonferenz (NPK) am 23. Juni 2026 in Berlin deutlich.

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Als Haupttreiber gilt die Digitalisierung. Sie verursacht Technostress und belastet die mentale Gesundheit der Mitarbeiter. Die Ergebnisse des Forums fließen nun in die nationale PrĂ€ventionsstrategie ein.

Krankmeldungen: Ein wachsendes Problem

Doch nicht jeder Ausfall ist wirklich krankheitsbedingt. Eine Studie der Pronova BKK zeigt: 60 Prozent der Befragten haben sich schon einmal krank gemeldet, obwohl sie arbeitsfĂ€hig waren. Eine Yougov-Erhebung bestĂ€tigt das Bild – mehr als jeder Vierte gab bereits falsche GrĂŒnde an.

PrÀvention lohnt sich

Trotz aller Herausforderungen gibt es auch gute Nachrichten. Eine Studie des BSI vom Februar 2026 beziffert den möglichen ProduktivitÀtsgewinn durch eine bessere Vertrauenskultur auf 30,5 Milliarden Euro pro Jahr. 22,1 Milliarden Euro entfallen allein auf die Vermeidung psychisch bedingter AusfÀlle.

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Gleichzeitig erweitert sich der Schutz fĂŒr Arbeitnehmer. Das Bundeskabinett beschloss Ende Mai 2026, Parkinson-Erkrankungen durch Pestizide in die Berufskrankheiten-Liste aufzunehmen. 2024 gab es 90.749 Verdachtsanzeigen, von denen 26.821 anerkannt wurden.

Neue Wege in der Pflegeversicherung

Auch die Pflegeversicherung sucht neue Finanzierungsmodelle. Andreas Storm, chef der DAK-Gesundheit, schlĂ€gt einen Kapitalstock vor, der in Aktien und Anleihen investiert. Ab 2028 soll ein paritĂ€tisch finanzierter Beitragszuschlag von 0,1 Prozent kommen, der bis 2031 auf 0,4 Prozent steigt. Das wĂŒrde jĂ€hrlich rund 8 Milliarden Euro bringen.

Ergo schluckt DKV

Im Markt der privaten Krankenversicherer zeichnet sich eine Konsolidierung ab. Die Ergo kĂŒndigte an, die Marke DKV im dritten Quartal 2027 vom Markt zu nehmen. Der drittgrĂ¶ĂŸte private Krankenversicherer mit rund 652.000 Vollversicherten und 3,7 Millionen ZusatzvertrĂ€gen soll kĂŒnftig unter der Kernmarke Ergo laufen. Grund: Kosteneinsparungen und der verstĂ€rkte Einsatz von KĂŒnstlicher Intelligenz.

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