Krankschreibung, Tag

Krankschreibung: AU ab sofort vom ersten Tag erforderlich

02.07.2026 - 16:31:49 | boerse-global.de

Union und SPD einigen sich auf 34 Maßnahmen, darunter die Pflicht zur ärztlichen AU ab Tag eins und höhere Steuern für Spitzenverdiener.

Koalition beschließt Reformpaket: Neue Regeln für Krankschreibung und Steuern
Krankschreibung - Eine Hand hält eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, im Hintergrund verschwommen ein Arztpraxis oder Regierungsgebäude. 02.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Es bringt tiefgreifende Änderungen im Arbeitsrecht, der Steuerpolitik und der sozialen Sicherung.

Krankschreibung ab dem ersten Tag – telefonische AU fällt weg

Die wohl umstrittenste Neuerung: Beschäftigte müssen künftig schon ab dem ersten Krankheitstag eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen. Bisher reichte diese in der Regel ab dem vierten Tag. Betriebe können aber von der Regelung abweichen.

Gleichzeitig kippt die Koalition die telefonische Krankschreibung. Die während der Pandemie eingeführte und später verstetigte Regelung wird abgeschafft. Patienten müssen für eine AU künftig persönlich in die Praxis kommen. Außerdem sind härtere Strafen für vorgetäuschte Arbeitsunfähigkeiten geplant.

Kanzler Merz begründet den Schritt mit einem zu hohen Krankenstand. Dieser werde zunehmend zum Wettbewerbsnachteil für die deutsche Wirtschaft.

Steuern: Entlastung für Familien, höhere Sätze für Spitzenverdiener

Das Paket sieht ab 2027 jährliche Entlastungen bei der Einkommensteuer von insgesamt zehn Milliarden Euro vor. Ein Modellhaushalt mit zwei Erwachsenen, zwei Kindern und 60.000 Euro Einkommen soll bis zu 600 Euro sparen.

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Die sogenannte Reichensteuer steigt dagegen: Ab 250.000 Euro Einkommen werden 45 Prozent fällig, ab 280.000 Euro sogar 47 Prozent. Der Grundfreibetrag klettert bis 2028 schrittweise auf 12.900 Euro, das Kindergeld auf 272 Euro.

Arbeitsmarkt und Rente: Befristungen werden erleichtert

Im Arbeitsrecht lockert die Koalition die Regeln: Die sachgrundlose Befristung von Arbeitsverträgen soll künftig bis zu 48 Monate möglich sein. Spitzenverdiener ab der 1,75-fachen Beitragsbemessungsgrenze verlieren den Kündigungsschutz.

Bei der Rente setzt die Koalition die Empfehlungen der Rentenkommission bis Ende 2026 um. Ab 2028 kommt eine neue Kapitalsäule mit einem Beitragsanteil von zwei Prozent. Das Renteneintrittsalter steigt ab 2041 auf 67,5 Jahre.

Im Wohnungsbau plant die Koalition den Aufbau einer staatlichen Baugesellschaft – weitere Verstaatlichungen im Wohnungssektor lehnt sie ab.

Scharfe Kritik von Ärzten, Verbänden und Opposition

Die Verschärfungen bei der Krankschreibung sorgen für massiven Gegenwind. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hält die Pläne für wenig zielführend. KBV-Chef Gassen kritisiert, Patienten für rein administrative Vorgänge in die Praxen zu drängen.

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Der Hausärzteverband warnt vor einer kompletten Überlastung der Praxen. Die AOK spricht von reiner Symbolpolitik. Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Grimm-Benne wirft der Koalition vor, Beschäftigte unter Generalverdacht zu stellen.

Grüne und Linke weisen darauf hin, dass der Wegfall der telefonischen Krankschreibung das Infektionsrisiko in Wartezimmern erhöht. Verdi spricht von einer neuen Misstrauenskultur gegenüber Arbeitnehmern.

Unterstützung kommt von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Sie begrüßt die Maßnahmen zur Senkung des Krankenstandes ausdrücklich. Die Rentenreform und die steuerlichen Entlastungen bewerten selbst kritische Stimmen wie der Bund der Steuerzahler als teilweise unzureichend oder als Etikettenschwindel.

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