Krankschreibung, Restaurants

Krankschreibung: Restaurants und Urlaub sind arbeitsrechtlich zulÀssig

Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 06:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Rechtlich sind AktivitĂ€ten wĂ€hrend der ArbeitsunfĂ€higkeit nicht pauschal verboten. Zugleich wird ĂŒber frĂŒhere Attestpflichten und Telefon-AUs beraten.

Krankschreibung: Welche AktivitÀten erlaubt sind und was sich Àndern soll
Ein Stethoskop auf einem Notizbuch auf einem hellen Schreibtisch vor einem Fenster. Illustration mit AI erstellt.

Wer aufgrund einer Erkrankung arbeitsunfĂ€hig geschrieben ist, unterliegt keinem generellen Hausarrest. Aktuelle rechtliche EinschĂ€tzungen von Ende August 2026 verdeutlichen, dass erkrankte Arbeitnehmer grundsĂ€tzlich alle AktivitĂ€ten verfolgen dĂŒrfen, die den Heilungsprozess nicht verzögern oder aktiv fördern.

Ein Fachanwalt fĂŒr Arbeitsrecht wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Besuche von Restaurants, Festivals oder sogar Urlaubsreisen unter bestimmten UmstĂ€nden zulĂ€ssig sind, sofern sie der Genesung dienlich sind.

ZulÀssige AktivitÀten und medizinische Notwendigkeit

Die rechtliche Bewertung einer TĂ€tigkeit wĂ€hrend der Krankschreibung hĂ€ngt maßgeblich vom jeweiligen Krankheitsbild ab. WĂ€hrend bei einem Bandscheibenvorfall eine lĂ€ngere Reise die Heilung beeintrĂ€chtigen und somit rechtlich riskant sein kann, bewerten Juristen dies bei psychischen Beschwerden oft anders. Hier könne ein Ortswechsel oder eine soziale AktivitĂ€t die Genesung sogar fördern.

Ein aktuelles Beispiel aus der internationalen Rechtsprechung unterstreicht diesen Spielraum. Das spanische Gericht TSJ Murcia erklĂ€rte im Februar 2026 die KĂŒndigung einer Kellnerin fĂŒr nichtig. Der Arbeitgeber hatte ihr gekĂŒndigt, nachdem sie wĂ€hrend einer Krankschreibung wegen Diabetes zwei GlĂ€ser Wein getrunken hatte, und argumentierte mit einer GefĂ€hrdung der Genesung.

Das Gericht wies dies zurĂŒck und sprach der Frau 24.000 Euro immateriellen Schadensersatz zu. Auch nach deutscher Rechtslage ist der Konsum von Alkohol wĂ€hrend einer Krankschreibung nicht automatisch ein KĂŒndigungsgrund, und eine Überwachung von Mitarbeitern durch den Arbeitgeber ist nur bei einem konkreten Verdacht auf Missbrauch zulĂ€ssig.

Politische Debatte um die Attestpflicht ab dem ersten Tag

Parallel zur rechtlichen Einordnung wird auf politischer Ebene eine VerschĂ€rfung der Regeln diskutiert. Die Koalition plant, eine Attestpflicht bereits ab dem ersten Krankheitstag einzufĂŒhren und im Gegenzug die telefonische Krankschreibung abzuschaffen.

Arbeitsministerin BĂ€rbel Bas (SPD) Ă€ußerte jedoch Ende August 2026 deutliche Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieser PlĂ€ne. Sie warnte davor, dass eine solche Verpflichtung zu lĂ€ngeren Ausfallzeiten fĂŒhren könnte, da Patienten bei einem Arztbesuch eher fĂŒr einen lĂ€ngeren Zeitraum krankgeschrieben wĂŒrden als bei einer kurzzeitigen Genesung ohne Attest.

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Bas knĂŒpft ihre Zustimmung zu der Reform an Bedingungen wie eine Termingarantie fĂŒr FachĂ€rzte sowie Verbesserungen bei der Schlaganfallvorsorge. Zudem kritisierte sie die KomplexitĂ€t der geplanten Regelung, die bereits rund 95 Ausnahmen vorsehe.

WĂ€hrend die Union am Koalitionsplan festhĂ€lt, bezeichnete die AOK-Chefin Carola Reimann die Vorhaben als unsinnig. Auch ÄrzteprĂ€sident Reinhardt lehnt die VerschĂ€rfung ab und plĂ€diert fĂŒr den Erhalt der telefonischen Krankschreibung.

Wirtschaftliche Dimension und formale Anforderungen

Hintergrund der Debatte sind die massiv gestiegenen Kosten fĂŒr die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Nach Daten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) gaben Unternehmen im Jahr 2025 eine Rekordsumme von 85,6 Milliarden Euro fĂŒr die Entgeltfortzahlung aus. Damit haben sich diese Kosten innerhalb von 15 Jahren mehr als verdoppelt.

Laut einer Analyse machten die Kosten fĂŒr Lohnfortzahlung im Jahr 2025 rund 2 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus, verglichen mit etwa 1 Prozent im Jahr 2010. Der Krankenstand lag im Zeitraum von Januar bis November 2025 laut Techniker Krankenkasse bei durchschnittlich 18,6 Tagen.

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FĂŒr Arbeitnehmer gelten bei einer Erkrankung klare formale Regeln. Die Krankmeldung muss unverzĂŒglich erfolgen. Die gesetzliche Grundregel sieht die Vorlage einer Ă€rztlichen ArbeitsunfĂ€higkeitsbescheinigung (AU) nach drei Kalendertagen vor, wobei Arbeitgeber diese auch frĂŒher verlangen können.

Seit 2023 wird die eAU direkt ĂŒbermittelt. Eine telefonische Krankschreibung ist aktuell fĂŒr maximal fĂŒnf Tage bei bekannten Patienten möglich, wĂ€hrend Videosprechstunden je nach Patientenstatus zwischen drei und sieben Tage abdecken dĂŒrfen.

Eine RĂŒckdatierung des Attests ist auf maximal drei Tage begrenzt. Tritt eine Erkrankung wĂ€hrend des Urlaubs auf, mĂŒssen Arbeitnehmer dies melden und eine AU vorlegen, um die Urlaubstage gutgeschrieben zu bekommen.

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