Krisenübungen, Kliniken

Krisenübungen in Kliniken: Baden-Württemberg investiert 5,2 Millionen Euro

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 21:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Länder drängen auf einen Gesetzentwurf; Baden-Württemberg investiert 5,2 Millionen Euro in Klinikübungen zur Krisenvorsorge.

Gesundheitskrisen: Länder verlangen raschen Gesetzentwurf zur Vorsorge
Ein leerer, heller Krankenhausflur mit minimalistischer Architektur und natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) der Länder hat das Bundesgesundheitsministerium dazu aufgefordert, den Entwurf für das geplante Gesundheitssicherstellungsgesetz (GeSiG) zeitnah vorzulegen.

Unter dem Vorsitz des niedersächsischen Gesundheitsministers Andreas Philippi streben die Länder an, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und das gesamte Versorgungssystem widerstandsfähiger gegen Krisen, Sabotageakte und hybride Bedrohungen zu machen. Der Gesetzentwurf wird derzeit unter Beteiligung des Innen- und des Verteidigungsministeriums abgestimmt.

Resilienz im Gesundheitswesen und zivil-militärische Koordination

Ein wesentlicher Schwerpunkt der Forderungen liegt auf der Sicherung kritischer Lieferketten für Arzneimittel, Verbandsstoffe und medizinische Geräte. Zudem mahnt die GMK einen verstärkten Schutz der kritischen Infrastruktur vor Cyberangriffen an.

Neben technologischen Schutzmaßnahmen sieht die Initiative Schulungen für medizinisches Personal und Pflegekräfte vor, die sich auf Krisenmanagement und Triage-Entscheidungen konzentrieren. Ein weiterer Kernpunkt ist die Verbesserung der zivil-militärische Koordination im Ernstfall.

Ergänzend dazu legte die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) bereits im Sommer 2026 ein Impulspapier vor, das eine handlungsfähige psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) im Bevölkerungsschutz thematisiert. BPtK-Präsidentin Dr. Andrea Benecke forderte in diesem Zusammenhang die Wiederaufnahme eines Konsensus-Prozesses sowie die Einrichtung eines Runden Tisches bei der Bundesregierung.

Zu den identifizierten Defiziten gehören mangelnde Vernetzung an den Schnittstellen der Versorgungsebenen sowie fehlende krisenfeste Konzepte. Die BPtK schlägt unter anderem Sonderbedarfszulassungen, die Verankerung der PSNV in Katastrophenschutzgesetzen sowie den Aufbau von Community Resilience Hubs vor.

Herausforderungen in der Nutztierhaltung und industriellen Sicherheit

Auch außerhalb des unmittelbaren Gesundheitswesens wächst der Druck zur Krisenvorsorge. Der Bundesverband Rind und Schwein (BRS) forderte eine umfassende Absicherung der Wertschöpfungskette in der Nutztierhaltung, insbesondere im Hinblick auf Energie- und Futtermittelversorgung sowie die Logistik.

Stephan Schneider, stellvertretender Geschäftsführer des BRS, unterstrich die Dringlichkeit klarer Notfallpläne und warnte davor, Zuständigkeiten erst im Krisenfall zu klären. Bei längerfristigen Stromausfällen drohten massive Einschränkungen in der Schlachtung und Mischfutterproduktion, weshalb funktionsfähige Notstromaggregate und belastbare Kommunikationswege essenziell seien.

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Die Bedeutung der Anlagensicherheit wurde zudem bei einer Jubiläumsveranstaltung des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUK NRW) Ende September hervorgehoben. In Nordrhein-Westfalen existieren mehr als 600 Betriebsbereiche mit gefährlichen Stoffen, was eine hohe Dichte an Störfallpotenzialen im Vergleich zum EU-Durchschnitt darstellt.

Praktische Umsetzung und Investitionen in den Ländern

Einige Bundesländer haben bereits konkrete Maßnahmen eingeleitet. Baden-Württemberg stellt 5,2 Mio. Euro für Krisenübungen in Krankenhäusern bereit. Ziel ist es, in jedem geförderten Stadt- oder Landkreis bis Ende 2027 eine erste und bis Ende Oktober 2028 eine zweite Übung durchzuführen.

Die Szenarien umfassen einen Massenanfall von Verletzten, IT-Ausfälle, Stromausfälle sowie Hitzewellen. Flankierend dazu werden seit Mai 2026 Kurse zur chirurgischen Versorgung in Terrorlagen finanziert.

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In Brandenburg befasst sich eine Enquete-Kommission des Landtags in Fachgesprächen mit den Strukturen des Krisenmanagements. Experten wie Prof. Dr. Martin Löffelholz und Prof. Dr. Stefan Stieglitz erörterten dabei Koordinierungsmechanismen und die ressortübergreifende Kommunikation in Gesundheitskrisen. Ein zweiter Schwerpunkt lag auf der Interoperabilität digitaler Meldewege zwischen Gesundheitsämtern und Kliniken.

Digitale Resilienz und gesetzlicher Rahmen

Das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) sieht im Bereich der digitalen Resilienz erheblichen Nachholbedarf. Vorstandssprecherin Melanie Sack empfahl der Bundesregierung, digitale Sicherheit als strategische Führungsaufgabe wahrzunehmen und einen nationalen Chief Resilience Officer im Kanzleramt zu etablieren.

Zwar ist das KRITIS-Dachgesetz in Deutschland seit dem 17.03.2026 in Kraft, jedoch stehen wichtige Verordnungen zur Definition von Schwellenwerten und Anlagenkategorien noch aus.

Aktuelle Daten der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) aus dem Barometer Arbeitswelt 2026 unterstreichen die Relevanz der Prävention. Im Jahr 2025 wurden in Deutschland 730.598 meldepflichtige Arbeitsunfälle registriert, was einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr darstellt.

Dennoch sehen sich laut einer Umfrage nur rund ein Drittel der Unternehmen auf Stromausfälle oder Störungen in den Lieferketten gut vorbereitet. Während Cyberangriffe zunehmend als Risiko wahrgenommen werden, bleibt die psychische Belastung mit 60 Prozent die am häufigsten erwartete künftige Herausforderung am Arbeitsplatz.

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