Kündigungsschutz: IfW-Präsident fordert dänisches Flexibilität-Modell
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 22:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Am 18. August 2026 hat Moritz Schularick, der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel), einen weitreichenden Vorschlag zur Reform des deutschen Arbeitsmarktes vorgelegt.
Im Zentrum seiner Initiative steht die Forderung, den geltenden Kündigungsschutz abzuschaffen oder massiv zu lockern. Ziel dieser Maßnahme sei es, die Mobilität auf dem Arbeitsmarkt deutlich zu erhöhen und das System an moderne wirtschaftliche Gegebenheiten anzupassen.
Neuausrichtung des Arbeitsmarktes nach dänischem Vorbild
Zur Begründung seiner Initiative führte Schularick an, dass die derzeitige Ausgestaltung des deutschen Arbeitsmarktes veraltet sei. Die bestehenden Regelungen seien in ihren Grundzügen auf die Strukturen der 1960er und 1970er Jahre ausgelegt und entsprächen nicht mehr den heutigen Anforderungen an Flexibilität und Dynamik.
Als konkrete Alternative zum aktuellen Kündigungsschutz schlug der IfW-Präsident eine Orientierung am dänischen Modell vor. Anstelle der bisherigen gesetzlichen Hürden bei Entlassungen solle eine einheitliche Kündigungsfrist von drei Monaten treten. Um die soziale Absicherung der Arbeitnehmer dennoch zu gewährleisten, sieht der Vorschlag eine Anpassung des Arbeitslosengeldes vor.
Nach einer Kündigung sollen Betroffene für einen Zeitraum von 12 Monaten Anspruch auf Leistungen in Höhe von 80 Prozent ihres letzten Gehalts haben. Durch diese Kombination aus hoher Flexibilität für Unternehmen und einer starken finanziellen Absicherung für Individuen solle der Übergang zwischen verschiedenen Beschäftigungsverhältnissen erleichtert werden.
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Steuerliche Umschichtung zur Entlastung von Einkommen
Flankiert wird die arbeitsmarktpolitische Forderung durch einen Vorschlag zur Umgestaltung des Steuersystems, den Schularick bereits am 17. August 2026 sowie erneut im Rahmen der aktuellen Debatte am 18. August 2026 thematisierte. Er plädiert für eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von derzeit 19 Prozent auf 22 Prozent.
Dieser Anstieg um 3 Prozentpunkte soll laut Schularick dazu dienen, den finanziellen Spielraum für eine Senkung der Einkommensteuer sowie der Sozialabgaben zu schaffen.
Durch die Verlagerung der Steuerlast vom Faktor Arbeit hin zum Konsum verspricht sich der Ökonom eine Entlastung der Erwerbstätigen und eine Steigerung der Leistungsanreize. Die Reform ziele darauf ab, die hohen Abgaben auf Arbeitseinkommen zu reduzieren und somit die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu stärken.
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Historischer Kontext und politische Vorbehalte
Die Debatte um eine Anpassung der Mehrwertsteuer ist in der politischen Landschaft Berlins nicht neu. Bereits im Frühjahr des Jahres hatten die Fraktionen von Union und SPD eine mögliche Erhöhung der Mehrwertsteuer geprüft. Die Pläne wurden jedoch zum damaligen Zeitpunkt wieder verworfen.
Als Gründe für die Ablehnung im Frühjahr nannten die politischen Akteure vor allem die herrschende Inflation sowie das damit verbundene Risiko von Protesten in der Bevölkerung. Die Befürchtung, eine zusätzliche Belastung der Verbraucher könne die konjunukturelle Erholung gefährden oder sozialen Unfrieden stiften, wog schwerer als die potenziellen fiskalischen Vorteile.
Schularicks Vorstoß bringt diese Diskussion nun unter dem Vorzeichen einer umfassenden Strukturreform erneut auf die Agenda, wobei der Fokus verstärkt auf der Kopplung mit dem Kündigungsschutz liegt.
