Weiter Kritik aus LĂ€ndern und Medizin an Cannabis-Freigabe
16.02.2024 - 13:04:41(neu: Details9
BERLIN/HANNOVER (dpa-AFX) - Kurz vor der erwarteten Bundestags-Abstimmung ĂŒber eine kontrollierte Freigabe von Cannabis in Deutschland gibt es weiter Kritik aus den LĂ€ndern und der Medizin. Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) sagte der Deutschen Presse-Agentur in Hannover: "Der nun vorliegende Entwurf ist Murks, denn es ist ein schlechter Kompromiss." Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) rief Kanzler Olaf Scholz (SPD) noch zu einem Stopp der PlĂ€ne auf. Die BundesĂ€rztekammer warnte, mit der Freigabe werde eine Droge verharmlost, die abhĂ€ngig mache und zu schweren EntwicklungsschĂ€den fĂŒhren könne - gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
Der federfĂŒhrende Gesundheitsausschuss soll sich an diesem Mittwoch abschlieĂend mit den GesetzesplĂ€nen befassen, wie aus der Tagesordnung hervorgeht. Erwartet wird, dass in der kommenden Woche dann voraussichtlich auch der Bundestag darĂŒber abstimmt. Auf der vorlĂ€ufigen Tagesordnung des Plenums stand das Thema am Freitag noch nicht. Die Koalition hatte sich kĂŒrzlich auf Details verstĂ€ndigt. Eigenanbau und Besitz bestimmter Mengen sollen demnach fĂŒr VolljĂ€hrige ab 1. April erlaubt sein. Zum 1. Juli sollen Clubs zum gemeinsamen Anbau möglich werden. Cannabis soll im BetĂ€ubungsmittelgesetz von der Liste der verbotenen Stoffe gestrichen werden. Vorgesehen sind Regeln und Vorgaben.
Niedersachsens Innenministerin Behrens sagte, alle guten Hinweise seien fast vollstĂ€ndig ignoriert worden. "Daher kann man zumindest aus heutiger Sicht der Polizei sagen: Das Gesetz ist nicht praxistauglich." Das eigentliche Ziel, mit einer gesteuerten Abgabe Verbesserungen und Entlastungen zu erreichen, werde so in der Praxis fehlschlagen. Die bayerische Ministerin Gerlach sagte: "Die Bundesregierung darf die Warnungen auch von Ărzten sowie aus der Polizei und Justiz nicht lĂ€nger ignorieren." Der Kanzler mĂŒsse die Notbremse ziehen.
ĂrzteprĂ€sident Klaus Reinhardt sagte, die geplante Legalisierung sei nicht nur aus Ă€rztlicher Sicht abzulehnen, auch in der Ampel-Koalition gebe es Vorbehalte und gute Argumente gegen die Freigabe in der geplanten Form. "Hier geht es um eine wichtige gesellschaftliche Weichenstellung, bei der die Fraktionsdisziplin gegenĂŒber der persönlichen Verantwortung der Abgeordneten zurĂŒcktreten muss." Deshalb sei es richtig, wenn das Parlament ĂŒber das Gesetz in namentlicher Abstimmung entscheide. Die Union will das beantragen. Statt einer Legalisierung fordert die BundesĂ€rztekammer einen Ausbau von AufklĂ€rung und PrĂ€vention.

