Jahren, Wort

Nach fast vier Jahren: Das letzte Wort im VW-Dieselprozess

15.05.2025 - 12:35:14

LĂ€sst sich die strafrechtliche Verantwortung fĂŒr die VW-DieselaffĂ€re fast zehn Jahre nach dem Auffliegen des Skandals noch klĂ€ren? Im großen Braunschweiger Betrugsprozess steht ein Urteil kurz bevor.

Nach fast vier Jahren mit mehr als 170 Prozesstagen steht der Betrugsprozess zur VW-DieselaffĂ€re vor dem Ende. FĂŒr diesen Freitag (16. Mai) ist Zeit fĂŒr Schlussworte der Angeklagten, wie ein Sprecher des Landgerichts Braunschweig sagte. Ob alle vier frĂŒheren Manager und Ingenieure des Wolfsburger Autobauers davon Gebrauch machen werden, ist noch unklar. 

In den vergangenen Tagen hatten Staatsanwaltschaft und Verteidigung in mehrstĂŒndigen PlĂ€doyers ihre Sicht nach dem außergewöhnlichen Prozess zu einem der grĂ¶ĂŸten deutschen Industrieskandale dargelegt. Die Strafverfolger forderten dabei drei Haftstrafen und einmal BewĂ€hrung. Die Verteidigung dagegen plĂ€dierte auf drei FreisprĂŒche und eine Verwarnung. 

Prozess voller GegensÀtze 

Von dieser gegensĂ€tzlichen Sichtweise war der Prozess vor der Braunschweiger Wirtschaftsstrafkammer von Beginn an geprĂ€gt: Es steht Aussage gegen Aussage. Ingenieure, die die Abschalteinrichtung vorgeschlagen haben sollen, sagen sinngemĂ€ĂŸ: Wir haben Bedenken geĂ€ußert und vor Konsequenzen gewarnt. Die Vorgesetzten entgegnen: Es sei ĂŒber Probleme gesprochen worden, nie aber ĂŒber ungesetzliches Handeln. 

Im September 2015 war in den USA bekanntgeworden, dass VW in großem Maßstab ein TĂ€uschungsprogramm eingesetzt hatte, das Abgastests erkannte und nur dann die volle Reinigung der Emissionen aktivierte. Der Skandal wurde weltweit als «Dieselgate» bekannt und stĂŒrzte Volkswagen in eine tiefe Krise, deren Aufarbeitung den Konzern lĂ€ngst mehr als 30 Milliarden Euro kostete. 

SchlĂŒsselfigur Winterkorn fehlt 

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft sind die Angeklagten in dem seit September 2021 andauernden Prozess des Betrugs ĂŒberfĂŒhrt. Dagegen wehren sich die vier MĂ€nner vehement, sehen sich eher als Bauernopfer und kritisierten von Beginn an, dass mit Ex-Vorstandschef Martin Winterkorn eine SchlĂŒsselfigur fehlt. Der Komplex gegen 77-JĂ€hrigen war aus gesundheitlichen GrĂŒnden abgetrennt worden. Das Urteil im aktuellen Prozess könnte nach der derzeitigen Planung am Montag, dem 26. Mai, fallen.

@ dpa.de