LEAG bietet 3 Gigawatt aus Braunkohle-Umbauten an
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 16:44 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSLEAG plant mehrere Kraftwerksvarianten
- Die Bundesnetzagentur will am Dienstag die voraussichtlichen Zuschläge der ersten Ausschreibung bekannt geben.
- Für Boxberg und Jänschwalde bietet die LEAG Umrüstungen mit rund 3 Gigawatt Leistung an.
- Weitere Gebote über rund 2 Gigawatt betreffen Neubauten in Leipheim, Lippendorf und Schwarze Pumpe.
LEAG bietet Umrüstung von Braunkohlekraftwerken an
Die LEAG könnte bei der Ausschreibung der Bundesnetzagentur für neue gesicherte Kraftwerkskapazitäten zu den Gewinnern gehören. Das Unternehmen hat nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Gebote für die Umrüstung bestehender Braunkohlekraftwerke auf Gas eingereicht.
Die Behörde will am Dienstag bekannt geben, wer voraussichtlich staatliche Milliardenhilfen für Kraftwerke erhält, die über längere Zeit Strom liefern können.
Gebote für fünf ostdeutsche Standorte
Nach Angaben von Leif Timmermann, Vorstand der Energiesparte EPH des tschechischen LEAG-Eigentümers EP-Gruppe, soll die Umrüstung mehr als 30 Prozent günstiger sein als der Neubau entsprechender Gaskraftwerkskapazitäten. Die Angebote betreffen Anlagen mit rund 3 Gigawatt Leistung an den Standorten Boxberg und Jänschwalde.
Zusätzlich reichte EPH Gebote über rund 2 Gigawatt für neue Kraftwerke in Leipheim, Lippendorf und Schwarze Pumpe ein. Umgerüstete Kohlekraftwerke gelten im Vergleich zu neuen Gaskraftwerken allerdings als weniger klimaschonend.
Ausschreibung soll Dunkelflauten abfedern
In der ersten Runde geht es um insgesamt 4,5 Gigawatt. Eine weitere Ausschreibung über ebenfalls 4,5 Gigawatt soll folgen. Die Kraftwerke sollen einspringen, wenn Wind- und Solaranlagen wegen einer sogenannten Dunkelflaute nur wenig Strom erzeugen.
Finanziert werden soll die Förderung über eine neue Umlage auf die Stromrechnung. Eigentlich ist vorgesehen, dass die Mittel in neue Gaskraftwerke fließen. Sollte die LEAG mit umgerüsteten Braunkohleanlagen zum Zuge kommen, erwarten Brancheninsider langwierige juristische Auseinandersetzungen.
Standorte stehen vor dem Kohleausstieg
Die Gewerkschaft IGBCE begrüßte die Pläne als mögliche Perspektive für die Kraftwerksstandorte. Das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde soll Ende 2028 vom Netz gehen, in Boxberg werden 2029 die ersten Blöcke abgeschaltet.
Die Ausschreibung der Bundesnetzagentur soll zusätzliche gesicherte Stromerzeugung fördern. Gemeint sind Kraftwerke, die bei geringer Wind- und Solarproduktion einspringen können und damit die Versorgung in sogenannten Dunkelflauten stabilisieren.
Der Ansatz steht zugleich im Spannungsfeld zwischen Versorgungssicherheit, Kosten und Klimaschutz. Neue Gaskraftwerke lassen sich flexibel einsetzen, verursachen aber hohe Investitionskosten und bleiben von fossilem Erdgas abhängig. Eine Umrüstung bestehender Braunkohleanlagen kann nach den Angaben der LEAG günstiger sein, weil Teile der Infrastruktur weiter genutzt werden.
Streit um Kosten und Klimaziele
Für Verbraucher ist entscheidend, wie die staatliche Förderung und die angekündigte Umlage auf die Stromrechnung ausgestaltet werden. Ein kostengünstigeres Angebot könnte den Finanzierungsbedarf senken, zugleich aber neue rechtliche und klimapolitische Konflikte auslösen, wenn die Ausschreibung eigentlich den Bau neuer Gaskraftwerke bezweckt.
Für die Lausitz haben die Pläne eine zusätzliche strukturpolitische Bedeutung. Jänschwalde soll Ende 2028 vom Netz gehen, in Boxberg beginnt die Abschaltung von Blöcken 2029. Eine Umrüstung könnte daher Arbeitsplätze und industrielle Infrastruktur länger an den Standorten halten, würde den Kohleausstieg aber nicht automatisch durch eine vollständig klimaneutrale Lösung ersetzen.
