EuropÀischer, Mediengipfel

16. EuropÀischer Mediengipfel in Lech am Arlberg: Europa im Fokus globaler Herausforderungen

08.12.2024 - 13:42:03

Lech am Arlberg - Der 16. EuropĂ€ische Mediengipfel brachte hochkarĂ€tige Expert:innen, Journalist:innen und EntscheidungstrĂ€ger:innen zusammen, um die drĂ€ngendsten geopolitischen, wirtschaftlichen und medialen Themen unserer Zeit zu diskutieren. Über drei Tage hinweg standen Herausforderungen wie der Aufstieg globaler Blöcke, die Zukunft des Journalismus und Europas Rolle in einer sich wandelnden Welt im Mittelpunkt.

Mit der Frage „Erfindet sich die EU neu? Oder ist es eher so, dass der Kontinent zerbröselt?“ eröffnete Ivo Mijnssen, PrĂ€sident der Auslandspresse in Wien, den EuropĂ€ischen Mediengipfel. Internationale Expert:innen wie der Ex-Mossad-Agent Ram Igra und der MilitĂ€rexperte Franz-Stefan Gady beleuchteten geopolitische Konflikte, darunter die Konflikte im Nahen Osten. Igra betonte, dass „das Ende eines Krieges immer politisch und nie militĂ€risch“ sei. Auch die RĂŒckkehr Donald Trumps ins Weiße Haus und ihre Auswirkungen auf Europa wurden intensiv diskutiert. Politologe Ivan Krastev warnte vor einer geopolitischen Zerreißprobe fĂŒr Europa, wĂ€hrend China-Experte Chaoting Cheng auf die wachsenden Spannungen zwischen China und den USA hinwies.

Die Zukunft des Journalismus war ein weiteres zentrales Thema. Ex-ORF-Korrespondent Tim Cupal mahnte zur prĂ€zisen Berichterstattung, um Pauschalisierungen und Vorurteile zu vermeiden. Susanne Glass (BR) erklĂ€rte, dass Journalist:innen zunehmend selbst zur Zielscheibe wĂŒrden und sprach von einem drohenden „Zerfall der Demokratie“.

Europas Herausforderungen im Superwahljahr 2024

Der zweite Tag stand im Zeichen globaler Machtverschiebungen und Europas medialer IdentitĂ€t. In der Diskussion „Trump gewinnt - verliert Europa?“ forderte Othmar Karas (Erster VizeprĂ€sident des europĂ€ischen Parlaments a.D.) mehr europĂ€ische EigenstĂ€ndigkeit. Hannelore Veit (Ex-ORF-Korrespondentin) betonte Trumps Verhandlungsgeschick: „Er ist ein Dealmaker und ein Opportunist.“ Die wirtschaftliche Perspektive Europas stand im Fokus einer Diskussion mit dem designierten österreichischen Nationalbank-Gouverneur Martin Kocher und dem Starökonomen Gabriel Felbermayr. Kocher erklĂ€rte: „Einige externe Faktoren wie den Ukrainekrieg können wir nicht beeinflussen, aber in Österreich selbst mĂŒssen wir nicht lĂ€nger jede Firma vor dem Konkurs retten.“ Felbermayr Ă€ußerte sich optimistisch ĂŒber die Industrieentwicklung: „In der Industrie sind die Erwartungen besser als die aktuelle Lage.“ Zugleich warnte er vor den Risiken von Vermögensteuern, da Kapital in LĂ€nder mit geringerer Steuerlast abwandern könnte.

Europas digitale WettbewerbsfÀhigkeit

Der Autor Thomas Ramge betonte, dass Europas Zukunft von gezielten Investitionen statt ĂŒbermĂ€ĂŸiger Regulierung abhĂ€nge. Barbara Thaler (WK-PrĂ€sidentin Tirol) hob hervor: „Der innere Antrieb, sich fĂŒr Nachhaltigkeit und Innovation einzusetzen, ist der beste Motor fĂŒr unsere Zukunft.“ Herbert Tanner (Leiter Softwareentwicklung Digitale Industrie bei Siemens) ergĂ€nzte, dass technologische Fortschritte oft durch negative Schlagzeilen ĂŒberschattet wĂŒrden.

Gesellschaftliche Herausforderungen: Islamischer Extremismus

Die gesellschaftliche Dimension europĂ€ischer Sicherheit beleuchtete die Frauenrechtlerin Seyran Ate?. In einem GesprĂ€ch mit Alexandra Föderl-Schmid (SĂŒddeutsche Zeitung) warnte sie vor dem wachsenden islamischen Extremismus in Europa. Sie betonte, dass Europa endlich aufwachen mĂŒsse und die RealitĂ€t eines erheblichen islamistischen Problems akzeptieren sollte. „Die Gemeinden wurden nach den großen FlĂŒchtlingsströmen alleingelassen, und jetzt stehen wir vor einer Herausforderung, die uns zu ĂŒberfordern droht“, so Ate?.

Magnus Brunner ĂŒber die EU-Sicherheitsstrategie

In der von Meret Baumann (NZZ) und Tim Cupal (ehemaliger ORF-Korrespondent in BrĂŒssel) gefĂŒhrten Pressestunde mit EU-Kommissar Magnus Brunner standen die Herausforderungen der EuropĂ€ischen Union im Fokus. Brisant ist fĂŒr Brunner dabei unter anderem das Migrationsthema: „Wir mĂŒssen uns wappnen.” Weitere FlĂŒchtlingsströme, etwa aus dem Libanon, seien abzusehen. Sicherheitsideen seien in einer Strategie enthalten, die er in 100 Tagen vorlegen wolle. „Menschen mĂŒssen wieder das GefĂŒhl bekommen, dass wir die Kontrolle darĂŒber haben, was in Europa passiert”, so Brunner.

„Wir mĂŒssen ĂŒber Integration reden“

Trotz zentraler Bedeutung der Integrations-Thematik, auch fĂŒr Wahlen, wĂŒrden verhĂ€rtete Fronten die Lösungsfindung erschweren, so Ilkay Idiskut (Lehrerin & Protagonistin im aktuellen Dokumentarfilm „Favoriten“). 45 Prozent der Schulkinder in Wien könnten sprachlich dem Unterricht nicht folgen, so Idiskut. Es sei eine Zahl, die man ernst nehmen mĂŒsse. Die Lösung sei Durchmischung. „Weil es diese Durchmischung heute so nicht gibt, kann ich auch in einem tĂŒrkischen Supermarkt einkaufen und brauche gar nicht die deutsche Sprache”, so Idiskut. FĂŒr Coquelin sei Integration mit Perspektivenwechsel gleichzusetzen. Der sei nicht nur ethnisch sinnvoll, sondern auch nach Aspekten wie dem Gehalt.

Über den EuropĂ€ischen Mediengipfel Lech am Arlberg

Seit dem GrĂŒndungsjahr 2007 bildet der EuropĂ€ische Mediengipfel in Lech am Arlberg einen außergewöhnlichen Rahmen fĂŒr Diskussionen, in denen ungefilterte Einblicke und fundierte Ausblicke in die anhaltend turbulente Welt der Medien, die europĂ€ische Politik und die wirtschaftlichen, wie gesellschaftspolitischen ZusammenhĂ€nge der europĂ€ischen LebensrealitĂ€t geboten werden. Der von Beginn an unter der Schirmherrschaft des österreichischen Außenministeriums stehende EuropĂ€ische Mediengipfel - von der Kommunikationsagentur ProMedia Kommunikation initiiert und seither federfĂŒhrend mit Lech ZĂŒrs Tourismus GmbH und dem Verband der Auslandspresse in Wien organisiert - wird von der Gemeinde Lech und dem Land Vorarlberg unterstĂŒtzt. Weitere Partner sind die Lebensraum Tirol Gruppe mit der Tirol Werbung und der Standortagentur Tirol, die Industriellenvereinigung Tirol und Siemens. Die "Medienakademie" wird ermöglicht und unterstĂŒtzt durch die Wirtschaftskammer Österreich, die APA - Austria Presse Agentur und die Moser Holding.

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