LehrkrÀfte-Arbeitszeit: GEW dokumentiert 2 Millionen Stunden Mehrarbeit
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 23:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Berlin hat im August 2026 die Anwendung âLehrZeit!â eingefĂŒhrt. Mit diesem digitalen Werkzeug können LehrkrĂ€fte ihre tatsĂ€chliche Arbeitszeit sowie anfallende Ăberstunden systematisch dokumentieren.
Die kostenlose App steht GEW-Mitgliedern zur VerfĂŒgung, ermöglicht die Erfassung spezifischer Aufgabenbereiche und bietet eine Exportfunktion fĂŒr die gesammelten Daten unter BerĂŒcksichtigung hoher Sicherheitsstandards.
Konflikt um die gesetzliche Dokumentationspflicht
Der Start der App erfolgt vor dem Hintergrund einer anhaltenden politischen Debatte ĂŒber die Arbeitszeitkontrolle im Bildungssektor. Der GEW-Vorsitzende Gökhan AkgĂŒn warf dem Berliner Senat vor, der gesetzlichen Pflicht zur Arbeitszeiterfassung fĂŒr LehrkrĂ€fte nicht nachzukommen.
Trotz mehrfacher Aufforderungen der Gewerkschaft habe der Senat bisher kein verbindliches System zur Zeiterfassung geschaffen. Laut AkgĂŒn blieben derzeit Millionen geleisteter Arbeitsstunden unsichtbar, da eine systematische Dokumentation fehle.
Die GEW Berlin bereitet aufgrund der ausbleibenden staatlichen Initiative bereits Musterverfahren vor. Ziel ist es, die rechtliche KlĂ€rung der Erfassungspflicht herbeizufĂŒhren. FĂŒr RĂŒckfragen zur technischen Umsetzung und den HintergrĂŒnden der App steht Sven Dudkowiak bei der GEW Berlin als Ansprechpartner zur VerfĂŒgung.
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Wissenschaftliche Daten zur Belastungssituation
Die Notwendigkeit einer prĂ€zisen Erfassung wird durch aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse unterstrichen. Eine Studie der UniversitĂ€t Göttingen belegt, dass etwa zwei Drittel der Berliner LehrkrĂ€fte unbezahlte Mehrarbeit leisten. Im Durchschnitt fallen pro Vollzeitkraft wöchentlich 2,5 Ăberstunden an. Auf das gesamte Jahr gerechnet ergibt sich laut der Untersuchung eine unbezahlte Mehrarbeit von durchschnittlich 100 Stunden pro Lehrkraft.
Nach Berechnungen der GEW Berlin summieren sich diese Leistungen auf insgesamt etwa 2 Millionen Stunden Mehrarbeit pro Jahr im Berliner Schuldienst. Ein Drittel der PĂ€dagogen ĂŒberschreite zudem regelmĂ€Ăig die gesetzlich verankerte Höchstarbeitszeit von 48 Wochenstunden.
Divergierende Rechtsauffassungen der BundeslÀnder
Die Berliner Senatsverwaltung wies die Forderungen nach einer flĂ€chendeckenden EinfĂŒhrung der Zeiterfassung zurĂŒck. Die Behörde argumentierte, dass eine vollstĂ€ndige Erfassung fĂŒr LehrkrĂ€fte nicht erforderlich sei. Dabei beruft sich Berlin auf eine gemeinsame Rechtsauffassung fast aller BundeslĂ€nder.
Mit Ausnahme von Bremen vertreten die LÀnder die Position, dass LehrkrÀfte von der europarechtlichen Pflicht zur Arbeitszeiterfassung ausgenommen seien.
Bremen nimmt unter den BundeslĂ€ndern derzeit eine Sonderrolle ein. Als einziges Land startete Bremen im August 2026 ein Pilotprojekt zur digitalen Arbeitszeiterfassung an neun Schulen. Zum Einsatz kommt dort die Anwendung âUntis Arbeitszeitâ. Die Bremer Initiative stĂŒtzt sich auf das Urteil des Bundesarbeitsgerichts aus dem Jahr 2022. Erste belastbare Ergebnisse dieses Pilotversuchs werden fĂŒr das Jahr 2027 erwartet.
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Angespannte Personallage im Berliner Schuldienst
Die Debatte um die Arbeitsbelastung trifft auf eine schwierige personelle Situation an den Berliner Schulen. Von den insgesamt 3.678 Neueinstellungen fĂŒr das Schuljahr 2026/27 verfĂŒgen lediglich 773 Personen ĂŒber eine vollstĂ€ndige Ausbildung. Dies entspricht einer Quote von 21 Prozent.
An den staatlichen Schulen in Berlin sind insgesamt etwa 35.000 Lehrer tÀtig, von denen rund 20.000 in der GEW organisiert sind. Angesichts des hohen Anteils an Quereinsteigern und der statistisch belegten Mehrarbeit sieht die Gewerkschaft dringenden Handlungsbedarf bei der Transparenz der Arbeitsbelastung.
