LehrkrÀftemangel, Stellen

LehrkrÀftemangel 2026: 55.000 Stellen bundesweit unbesetzt

Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 12:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Deutschlands Schulen fehlen 2026 weiterhin 55.000 LehrkrĂ€fte, wĂ€hrend Prognosen sinkende SchĂŒlerzahlen und regionale Unterschiede beim Personalbedarf zeigen.

LehrkrĂ€ftemangel 2026: Regionale EngpĂ€sse trotz sinkender SchĂŒlerzahlen
Ein leerer, sonnendurchfluteter Klassenraum mit leeren Schultischen und einer leeren Tafel. Illustration mit AI erstellt.

Die personelle Situation an deutschen Schulen bleibt im Jahr 2026 von regionalen DisparitĂ€ten und unterschiedlichen Finanzierungsmodellen geprĂ€gt. WĂ€hrend in einigen BundeslĂ€ndern verstĂ€rkt auf Vertretungsmodelle fĂŒr Berufseinsteiger gesetzt wird, zeigen aktuelle Analysen langfristige Verschiebungen des Bedarfs durch demografische Entwicklungen auf.

Strategien zur Stellenbesetzung am Beispiel Bremen

Im Land Bremen wird der Einsatz von LehrkrĂ€ften im Vorbereitungsdienst zunehmend ĂŒber einen erweiterten Vertretungspool gesteuert. Wie aus Berichten von Ende August 2026 hervorgeht, erhalten Referendare dort verstĂ€rkt Vertretungsstellen anstelle von unmittelbaren Planstellen. Zu diesem Zweck wurde der Vertretungspool um knapp 200 Stellen ausgebaut, wofĂŒr der Senat Investitionen in Höhe von ĂŒber 20 Millionen Euro bereitstellt.

Nach Angaben der zustĂ€ndigen Behörde konnten alle LehrkrĂ€fte, die ihre Ausbildung bis zum 31. Juli 2026 abgeschlossen hatten, eine Anstellung finden. Ein deutlicher Bedarf besteht weiterhin in Bremerhaven, wo zuletzt ĂŒber 100 offene Stellen gemeldet wurden. Parallel dazu steht das Bildungsressort unter finanziellem Druck.

Bildungssenator Rackles (SPD) sieht sich mit einem Finanzloch von knapp 30 Millionen Euro fĂŒr das Jahr 2026 konfrontiert. Als Hauptursachen gelten steigende Kosten im Assistenzbereich, Tarifsteigerungen sowie der Ausbau der Ganztagsbetreuung. Zur Deckung des Defizits sind Umschichtungen und Einsparungen geplant, unter anderem in Höhe von 800.000 Euro bei der Kitaausstattung.

Demografische Prognosen und zukĂŒnftiger Personalbedarf

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Eine im August 2026 vorgelegte Studie der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) deutet darauf hin, dass ein RĂŒckgang der Geburtenzahlen den LehrkrĂ€ftemangel langfristig entschĂ€rfen könnte.

Die Berechnungen gehen davon aus, dass die SchĂŒlerzahl im Jahr 2030 um 450.000 bis 500.000 unter den bisherigen Prognosen der Kultusministerkonferenz liegen wird. FĂŒr das Jahr 2040 wird eine Gesamtzahl von 10 bis 10,2 Millionen SchĂŒlern erwartet, statt der zuvor kalkulierten 11,25 Millionen.

Trotz dieser Entlastung bleibt die aktuelle Lage angespannt. FĂŒr das Jahr 2026 wird ein bundesweiter Fehlbedarf von 55.000 LehrkrĂ€ften ausgewiesen. Ein rechnerischer Überschuss von etwa 6.000 KrĂ€ften wird erst fĂŒr das Jahr 2034 prognostiziert.

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Zudem weist die Analyse darauf hin, dass zusĂ€tzliche Bedarfe fĂŒr die Inklusion (29.600 Stellen), den Ganztagsausbau (5.000 bis 20.000 Stellen) und die BerĂŒcksichtigung der sozialen Lage (20.400 Stellen) die demografischen Gewinne teilweise neutralisieren könnten.

Regionale Besonderheiten und QualitÀtsaspekte

Die Situation in den BundeslÀndern zeigt deutliche Unterschiede in der Besoldung und der Qualifikationsstruktur:

  • Nordrhein-Westfalen: Seit dem 1. August 2026 sind das Eingangsamt und das erste Beförderungsamt in der Sekundarstufe I besoldungsgleich nach A13 eingestuft. Diese Umstellung verursacht Kosten von rund 900 Millionen Euro.
  • Berlin: Zum Schulstart im SpĂ€tsommer 2026 fehlten rund 500 LehrkrĂ€fte. Daten des Stifterverbands belegen, dass bundesweit jeder zweite Studierende im Lehramt als Vertretungskraft arbeitet; in Berlin sind dies 1.941 Personen. Problematisch wird bewertet, dass 95 Prozent dieser KrĂ€fte ohne Abschluss allein unterrichten und 9 Prozent sogar Klassenleitungen oder AbschlussprĂŒfungen ĂŒbernehmen.
  • Saarland: An Gemeinschaftsschulen wird ein hoher Anteil an fachfremdem Unterricht verzeichnet. Im Fach Mathematik werden 26,1 Prozent der Stunden (1.454 von 5.563 Wochenstunden) nicht von FachlehrkrĂ€ften erteilt. Im Fach Kunst liegt dieser Anteil bei zwei Dritteln, in Musik bei 42 Prozent.

ZusÀtzlich zu den schulischen EngpÀssen verdeutlichen Daten des dbb Beamtenbund und Tarifunion vom 27. August 2026 die allgemeine Personalknappheit im öffentlichen Dienst. Demnach fehlen dem Staat insgesamt 631.000 BeschÀftigte, wobei allein auf die Schulen 120.000 und auf Kitas 97.000 Stellen entfallen.

Um dem entgegenzuwirken, greifen Kommunen teils zu direkten Anreizen. So zahlt die Stadt Aken in Sachsen-Anhalt einen Willkommensbonus von 500 Euro fĂŒr neue LehrkrĂ€fte, wie am Beispiel der Grundschule „Werner Nolopp“ deutlich wurde.

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