Lenzing-Krise: Faserhersteller baut 2000 Arbeitsplätze ab
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 03:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der oberösterreichische Faserhersteller Lenzing hat am 28. Juli 2026 einen weitreichenden Umbau des Unternehmens bekannt gegeben. Im Zuge einer strategischen Neuausrichtung plant der Konzern den Abbau von rund 2000 Arbeitsplätzen, was mehr als ein Viertel der gesamten Belegschaft entspricht. Neben massiven Personalkürzungen sieht das Programm die Schließung und den Verkauf mehrerer Produktionsstandorte in Europa und Asien vor.
Werksschließungen in Österreich und England
Ein zentraler Bestandteil der Restrukturierung ist die geplante Schließung des Werks im burgenländischen Heiligenkreuz. Der Betrieb soll dort bis Ende 2026 eingestellt werden, wovon 285 Mitarbeiter unmittelbar betroffen sind. Das Land Burgenland kündigte bereits an, den Standort Heiligenkreuz unterstützen zu wollen. Parallel dazu beginnt laut Unternehmensführung die Suche nach einem Käufer für das Werk umgehend.
Auch international reduziert Lenzing seine Kapazitäten deutlich. Das Werk in Grimsby, England, soll bis Ende 2027 geschlossen werden. Davon sind 230 Beschäftigte betroffen. Für beide Standorte – Heiligenkreuz und Grimsby – wird ein Verkauf angestrebt. Zudem befindet sich der Veräußerungsprozess für das Werk in Indonesien bereits im laufenden Betrieb.
Einsparungen in der Verwaltung und strategischer Fokus
Zusätzlich zu den Produktionsstandorten gerät die Verwaltung unter massiven Kostendruck. Bis Ende 2027 sollen in diesem Bereich insgesamt 600 Stellen wegfallen. Ein Teil dieser Maßnahme wurde bereits umgesetzt: 267 Verwaltungsstellen wurden gestrichen, was zu Einsparungen in Höhe von 25 Mio. Euro führte.
Hintergrund dieser Einschnitte ist eine grundlegende Neuausrichtung des Produktportfolios. Lenzing plant, den Fokus künftig verstärkt auf Vliesstoffe zu legen. Der Umsatzanteil dieses Bereichs soll von derzeit 26 % auf 30 % steigen. Im Gegenzug wird der Anteil von Textilien am Gesamtumsatz von aktuell 45 % auf 30 % reduziert. Mittelfristig strebt das Unternehmen eine Ebitda-Marge von 20–25 % an.
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Kapitalerhöhung und finanzielle Absicherung
Um die Restrukturierung finanziell zu unterlegen, hat Lenzing eine Kapitalerhöhung von bis zu 300 Mio. Euro angekündigt. Hierzu wurde eine außerordentliche Hauptversammlung für den 25. August 2026 einberufen. Unterstützung erhält der Konzern zudem von seinen Hauptaktionären: Die B&C-Gruppe, die 37,25 % der Anteile hält, und Suzano mit einem Anteil von 15 % stellen ein Refinanzierungspaket von insgesamt bis zu 600 Mio. Euro bereit.
Die wirtschaftliche Lage bleibt jedoch vorerst angespannt. Für das Jahr 2026 erwartet das Unternehmen Wertminderungen von bis zu 150 Mio. Euro sowie zusätzliche Restrukturierungskosten von bis zu 40 Mio. Euro. Als Hauptgründe für die Krise nennt Lenzing die anhaltend hohen Energiepreise, die starke Konkurrenz aus dem asiatischen Raum sowie die Belastungen durch den Handelskonflikt mit US-Zöllen.
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Reaktion am Kapitalmarkt und der Unternehmensführung
Die Ankündigung löste am Aktienmarkt heftige Reaktionen aus. Die Aktie von Lenzing verzeichnete am 28. Juli 2026 einen massiven Kurseinbruch. Zeitweise verlor das Papier 19 % an Wert und notierte zuletzt mit einem Minus von 18 % bei rund 20 Euro.
CEO Kasperkovitz räumte ein, dass die Nachricht über den massiven Stellenabbau schockierend gewesen sei, verteidigte jedoch die Notwendigkeit der Maßnahmen zur langfristigen Sicherung des Unternehmens. Der Umbau ist die Reaktion auf ein Marktumfeld, das durch globale Handelskonflikte und strukturelle Kostennachteile in Europa geprägt ist.
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