Deutsche Industrie sammelt deutlich mehr AuftrÀge ein
06.02.2025 - 09:01:42Die angeschlagene deutsche Industrie hat Ende vergangenen Jahres ĂŒberraschend viele neue AuftrĂ€ge erhalten. Im Dezember legten die Bestellungen gemessen am Vormonat um 6,9 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Die Behörde sprach von einer «Stabilisierungstendenz in der zweiten JahreshĂ€lfte», nachdem der Trend seit 2021 nach unten zeige.Â
Das krĂ€ftige Auftragsplus im Dezember geht demnach wesentlich auf deutlich mehr Bestellungen im Bereich Flugzeuge, Schiffe, ZĂŒge und MilitĂ€rfahrzeuge zurĂŒck (plus 55,5 Prozent). Aber auch im Maschinenbau legten die AuftrĂ€ge krĂ€ftig zu um 8,6 Prozent. In der Autoindustrie ging es dagegen abwĂ€rts (minus 3,2 Prozent). Ohne BerĂŒcksichtigung von GroĂauftrĂ€gen wĂ€ren die Bestellungen zum Vormonat insgesamt allerdings nur um 2,2 Prozent gestiegen.
«Deutsche Industrie stabilisiert sich»
Der Lichtblick fĂŒr den fĂŒr die deutsche Wirtschaft wichtigen Industriesektor folgte nach zwei RĂŒckschlĂ€gen in Folge. Im November waren die Bestellungen noch um 5,2 Prozent und im Oktober um 1,5 Prozent gesunken. Der lĂ€ngerfristige Vergleich bleibt aber trĂŒb: Im Gesamtjahr 2024 sammelten die Betriebe im Verarbeitenden Gewerbe laut Statistischem Bundesamt 3,0 Prozent weniger AuftrĂ€ge ein als im Jahr zuvor.Â
Ăkonomen sehen in den Dezember-Zahlen ein Hoffnungszeichen. «Die deutsche Industrie fasst langsam Tritt», sagte Michael Herzum, Leiter Volkswirtschaft beim Fondsanbieter Union Investment. Die Talfahrt scheine gestoppt. «Die verbesserte Auftragslage sollte in den kommenden Monaten positiv auf die Industrieproduktion durchschlagen.»Â
Keine Trendwende, aber Bodenbildung
Die angeschlagene Industrie ist einer der wesentlichen GrĂŒnde fĂŒr die KonjunkturschwĂ€che in Deutschland. 2024 schrumpfte Europas gröĂte Volkswirtschaft das zweite Jahr in Folge. Zuletzt hatte die Bundesregierung ihre Prognose fĂŒr 2025 deutlich gesenkt. Demnach erwartet sie nur ein Mini-Wachstum von 0,3 Prozent - im Herbst hatte die Regierung noch mit einem Plus des Bruttoinlandsprodukts von 1,1 Prozent gerechnet.Â
Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, sprach von einem erfreulichen Auftragsplus zum Jahresende. «Doch der Gesamtblick auf das zurĂŒckliegende Jahr ist ernĂŒchternd â zu einem Trendwechsel kam es nicht.» Zumindest zeichne sich eine Bodenbildung ab.





