Lieferketten-Compliance: Kennzahlen steigen 52%, Emissionen klafften auseinander
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 22:16 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Software-Anbieter fusionieren, neue Daten-Initiativen entstehen. Doch Studien zeigen: Die Berichterstattung klafft weit auseinander mit der tatsächlichen Klimawirkung.
Software-Riesen kaufen sich Kompetenz zusammen
Assent Inc. aus Ottawa übernimmt den Reutlinger Spezialisten iPoint. Ziel ist eine Plattform, die Compliance-Daten mit Produktlebenszyklus-Informationen verknüpft. Kunden sollen künftig Zugriff auf ein globales Lieferantennetzwerk bekommen – inklusive detaillierter CO2-Berechnungen auf Produktebene.
Der digitale Datenaustausch weitet sich parallel nach Asien aus. Über die Infrastruktur von Cofinity-X startete ein Pilotprojekt in Südkorea. Beteiligt sind unter anderem KG Mobility und LG Electronics VS. Erstmals tauschen mehrere Lieferketten-Stufen standardisierte CO2-Daten aus – konzentriert auf Komponenten eines bestimmten Fahrzeugmodells.
Mehr Daten, weniger Wirkung?
Eine Studie der LMU München und der Universität Köln zeigt eine paradoxe Entwicklung. Die Forscher analysierten rund 9.000 Nachhaltigkeitsberichte der 600 größten börsennotierten Unternehmen Europas aus den Jahren 2014 bis 2023. Ergebnis: Die Zahl der Nachhaltigkeitskennzahlen stieg um 52,4 Prozent.
Die direkten Treibhausgasemissionen sanken zwar. Doch die gemeldeten indirekten Emissionen in den Lieferketten (Scope 3) verfünffachten sich im selben Zeitraum. Die Studienautoren führen das vor allem auf eine verbesserte Erfassung zurück – ein Beleg für die Komplexität der Emissionskontrolle in verzweigten Zuliefernetzwerken.
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Auch sozial zeigt sich ein gemischtes Bild: Der Frauenanteil im Topmanagement stieg um 9,2 Prozentpunkte. Gleichzeitig verzwölffachte sich die Lohnschere zwischen Führungsebene und Belegschaft.
In Österreich zeigt das aktuelle CSRD-Barometer einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft eine leichte Straffung der Berichte – von durchschnittlich 123 auf 112 Seiten. Fast alle analysierten Berichte (98 Prozent) wurden bereits extern geprüft.
Europas Kampf um Rohstoffe
Die Sicherung nachhaltiger Lieferketten wird zur Frage der Rohstoffsouveränität. Die neue europäische Partnerschaft RAMP (Raw Materials for the Green and Digital Transition) soll mit über 50 Partnern aus 33 Ländern die Wiederverwertung mineralischer Rohstoffe sichern. Der Bedarf ist enorm: Branchenanalysten erwarten, dass die Lithium-Nachfrage bis 2050 um 470 bis 800 Prozent steigen könnte.
China dominiert den Markt: Es kontrolliert rund 90 Prozent der Raffinerie seltener Erden und 70 Prozent der Lithium-Raffinerie. Die EU setzt daher auf Diversifizierung und strategische Vorräte. Wolfram-Bestände wurden als erste gemeinsame Vorräte kritischer Rohstoffe ausgewählt – 80 Prozent der weltweiten Förderung liegen in chinesischer Hand.
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Wie ernst Behörden Nachhaltigkeitsstandards nehmen, zeigt ein aktuelles Beispiel aus dem Kanton Bern. Dort stoppte die öffentliche Verwaltung eine geplante Software-Beschaffung. Der Grund: Der Anbieter erfüllte die geforderten Standards zur Lohngleichheit nicht. Soziale Kriterien werden zunehmend zum Ausschlusskriterium in Bieterverfahren.
Die EU verschärft zudem ihre Handelspolitik aus politischen Gründen: Gegen den Sudan wurde ein Gold-Embargo verhängt. Ziel ist, die Finanzierung des dortigen Bürgerkriegs zu unterbinden. Das Verbot umfasst Kauf, Einfuhr und Export von Hilfsstoffen für die Goldgewinnung wie Quecksilber und Zyanid.
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