Lieferkettenkontrolle: 29% der Firmen melden VerstöĂe im LkSG
Veröffentlicht am: 02.06.2026 um 22:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie erste umfassende Auswertung der Berichte zum deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) offenbart ein differenziertes Bild. Das UN Global Compact Netzwerk Deutschland hat sĂ€mtliche 313 Meldungen analysiert, die beim Bundesamt fĂŒr Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fĂŒr den Berichtszeitraum 2023/2024 eingereicht wurden.
Die Untersuchung wertete rund 42.000 Datenpunkte von 254 Unternehmen aus. Das Ergebnis: Zwischen 97 und 98 Prozent der Firmen haben die geforderten Risikomanagementsysteme, GrundsatzerklÀrungen und internen Beschwerdeverfahren implementiert. Die administrative Umsetzung scheint auf den ersten Blick vorbildlich.
Compliance-Experten warnen: So viele Unternehmen haben das Hinweisgeberschutzgesetz noch immer falsch umgesetzt. Dieser gratis Praxisleitfaden hilft HR- und Datenschutzverantwortlichen, BuĂgelder zu vermeiden und interne Meldestellen rechtssicher zu organisieren. Praxisleitfaden zum HinSchG kostenlos herunterladen
Tiefe der Kontrolle variiert stark
Doch der Blick unter die OberflĂ€che zeigt Unterschiede. Rund 62 Prozent der befragten Unternehmen konnten konkrete Risiken bei ihren direkten Zulieferern identifizieren. Immerhin 29 Prozent der berichtspflichtigen Firmen meldeten mindestens einen VerstoĂ im Berichtszeitraum â das Gesetz deckt also tatsĂ€chlich MissstĂ€nde auf.
Die internen Beschwerdeverfahren haben sich als zentrales Instrument zur Erkennung von Risiken bei indirekten Lieferanten erwiesen. Zwar haben 98 Prozent der Unternehmen solche Mechanismen eingerichtet, doch das UN Global Compact Netzwerk sieht Nachholbedarf bei der QualitĂ€tssicherung: Nur 16 Prozent der Firmen ĂŒberprĂŒfen derzeit die Wirksamkeit ihrer Beschwerdeverfahren.
Lieferketten-EngpĂ€sse kehren zurĂŒck
Die Ergebnisse zur Compliance kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die deutsche Industrie erneut unter Materialknappheit leidet. Aktuelle Daten des Ifo-Instituts zeigen, dass im Mai 2026 rund 15,9 Prozent der Industrieunternehmen EngpĂ€sse bei Vorprodukten meldeten. Ein deutlicher Anstieg gegenĂŒber Januar 2026, als lediglich 5,8 Prozent der Firmen solche EngpĂ€sse verzeichneten.
Besonders betroffen ist die Chemiebranche: 31,2 Prozent der Unternehmen berichten von Lieferproblemen. Auch die Gummi- und Kunststoffindustrie (23,7 Prozent) sowie die Elektrobranche (etwa jedes vierte Unternehmen) kĂ€mpfen mit EngpĂ€ssen. Die Automobilindustrie zeigt sich dagegen stabil â nur zehn Prozent der Firmen meldeten im Mai Probleme.
Krisenvorsorge: GroĂunternehmen besser aufgestellt
Eine separate Studie der Freien UniversitĂ€t Berlin, der Helmut-Schmidt-UniversitĂ€t und des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) untersuchte die allgemeine Resilienz deutscher Firmen. Auf Basis einer Befragung von 1.224 Unternehmen zwischen MĂ€rz 2025 und Januar 2026 identifizierten die Forscher Cyberangriffe, IT-AusfĂ€lle und Lieferkettenunterbrechungen als die gröĂten operativen Risiken.
91 Prozent der Unternehmen haben zwar IT-SicherheitsmaĂnahmen umgesetzt, doch die Studie deutet auf eine Stagnation hin. Nur 17 Prozent der gröĂten befragten Firmen planen weitere Sicherheitsvorkehrungen. GroĂe Unternehmen sind generell besser vorbereitet als kleine und mittlere Betriebe â und lĂ€ndliche Firmen zeigen oft ein höheres Risikobewusstsein als ihre stĂ€dtischen Pendants.
IT-Sicherheit stĂ€rken ohne teure Investitionen: So schĂŒtzen clevere Unternehmer ihre Firma vor Cyberangriffen. Dieses Gratis-E-Book enthĂŒllt, wie Sie SicherheitslĂŒcken schlieĂen und gleichzeitig neue gesetzliche Anforderungen wie KI-Regulierungen proaktiv erfĂŒllen. Gratis-E-Book zur IT-Sicherheit sichern
Persönliche Haftung fĂŒr Manager rĂŒckt nĂ€her
Diese Erkenntnisse fallen in eine Phase verschĂ€rfter Regulierung. Seit Dezember 2025 gilt das NIS2-Umsetzungsgesetz, das Manager bei VersĂ€umnissen in der Cybersicherheit persönlich haftbar machen kann. Ein Weckruf fĂŒr viele FĂŒhrungsetagen.
Die Insolvenzzahlen des ersten Quartals 2026 zeigen indes eine positive Entwicklung: Die AntrĂ€ge von Unternehmen mit ĂŒber zehn Millionen Euro Umsatz gingen im Vergleich zum Vorquartal um 35 Prozent zurĂŒck. Trotz dieser Entspannung bleibt die Investitionsbereitschaft verhalten: 42 Prozent der Industrieunternehmen planen, ihre Investitionen fĂŒr den Rest des Jahres 2026 zu reduzieren.
