Lindt & Sprüngli entlässt Konzernchef Lechner
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 07:53 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFührungswechsel bei Lindt & Sprüngli
- Dieter Weisskopf übernimmt in Kilchberg mit sofortiger Wirkung interimistisch die Konzernleitung.
- Adalbert Lechner war seit Anfang 2022 Konzernchef und insgesamt 33 Jahre für das Unternehmen tätig.
- Ein dauerhafter Nachfolger soll im zweiten Quartal 2027 ernannt werden.
- In Deutschland folgt Ali Kulein als Länderchef auf Michal Spiller.
Lindt & Sprüngli wechselt Konzernführung
Der Schweizer Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli trennt sich nach zwei Umsatzwarnungen innerhalb eines Jahres von Konzernchef Adalbert Lechner. Der Verwaltungsrat setzt den früheren Konzernchef Dieter Weisskopf mit sofortiger Wirkung als Interimschef ein.
Weisskopf übernimmt bis 2027
Der 71-jährige Weisskopf war viele Jahre Finanzchef und hatte den Konzern bereits bis 2022 geleitet. Außerdem gehört er dem Verwaltungsrat an; ein dauerhafter Nachfolger soll im zweiten Quartal 2027 ernannt werden.
Der Verwaltungsrat begründete den Schritt mit dem Bedarf nach einer neuen operativen Führung. Sie solle Lindt & Sprüngli zu beständigem, starkem Wachstum zurückführen und die weltweiten Marktchancen besser ausschöpfen.
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Preiserhöhungen drücken auf den Absatz
Der Konzern kämpft seit Monaten mit Absatzproblemen. Wegen stark gestiegener Kakaopreise erhöhte Lindt & Sprüngli seine Verkaufspreise im ersten Halbjahr 2026 durchschnittlich um 11,8 Prozent; gleichzeitig gingen die verkauften Mengen deutlich zurück.
Besonders in Deutschland, der Schweiz und Großbritannien reagierten die Konsumenten empfindlicher als erwartet. Lindt begann deshalb im Sommer, einzelne Produkte wieder günstiger anzubieten, und setzt zusätzlich auf kleinere Packungen.
Umsatzziel erneut gesenkt
Ende September senkte Lindt & Sprüngli seine Umsatzprognose für 2026 zum zweiten Mal. Statt eines ursprünglich erwarteten organischen Wachstums von 6 bis 8 Prozent rechnet der Konzern nun mit 0 bis 2 Prozent.
Neben den hohen Preisen belastete die sommerliche Hitze in Europa das Geschäft. Die Prognosesenkung löste an der Börse einen Kurssturz aus.
Führungswechsel auch in Deutschland
Weisskopf will vor allem das Europageschäft wieder auf Wachstumskurs bringen. Zugleich sollen die Investitionen in die Marken erhöht und die Profitabilität verbessert werden; in Nordamerika und Asien läuft das Geschäft deutlich besser.
Auch in Deutschland wechselt die Führung. Länderchef Michal Spiller verlässt das Unternehmen nach 23 Jahren, sein Nachfolger wird der bisherige Österreich-Chef Ali Kulein.
Der Führungswechsel fällt in eine Phase, in der Lindt & Sprüngli gleichzeitig mit Kosten- und Nachfrageproblemen umgehen muss. Der starke Anstieg der Kakaopreise hat die Herstellung verteuert und den Konzern zu deutlichen Preiserhöhungen gezwungen. Die im ersten Halbjahr 2026 durchschnittlich um 11,8 Prozent angehobenen Preise belasteten den Absatz besonders in wichtigen europäischen Märkten.
Damit verschiebt sich die zentrale Aufgabe der neuen Führung: Sie muss nicht nur die Marge schützen, sondern auch Käufer zurückgewinnen. Günstigere Einzelprodukte und kleinere Packungen sind kurzfristige Reaktionen auf die Preissensibilität. Sie können den Zugang zu den Marken erleichtern, verringern aber zugleich den Spielraum, die gestiegenen Rohstoffkosten vollständig weiterzugeben.
Europageschäft im Mittelpunkt
Die regionale Entwicklung macht die Herausforderung deutlich. Während Nordamerika und Asien laut Unternehmensangaben besser laufen, bremsen Deutschland, die Schweiz und Großbritannien das Wachstum. Die sommerliche Hitze in Europa verschärfte die Absatzprobleme zusätzlich, weil warme Witterung den Verkauf von Schokolade beeinträchtigen kann.
Mit Dieter Weisskopf übernimmt ein früherer Konzernchef und langjähriger Finanzchef die operative Verantwortung. Seine Übergangslösung soll Stabilität schaffen, bis im zweiten Quartal 2027 ein dauerhafter Nachfolger gefunden wird. Für Beschäftigte, Handel und Kundschaft wird entscheidend sein, ob Lindt die Preise, Packungsgrößen und Markeninvestitionen so austariert, dass die Nachfrage wieder anzieht, ohne die Profitabilität weiter zu schwächen.
