LKA Niedersachsen: XR-Lab macht Tatorte als digitale Zwillinge begehbar
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen setzt bei der Aufklärung schwerer Straftaten auf computergestützte Rekonstruktionen. Im Kriminaltechnischen Institut (KTI) in Hannover hat die Behörde ein neues XR-Lab vorgestellt, das reale Tatorte als digitale Zwillinge abbildet.
Die virtuelle Umgebung fungiert als zentrale Arbeits- und Analyseplattform, auf der Laserscans, Photogrammetrie, klassische Spurensicherungsdaten, Befunde und Daten vernetzter Geräte zeitlich wie auch räumlich miteinander verknüpft werden.
Virtuelle Tatortbegehung und Verknüpfung digitaler Spuren
Das System ermöglicht es Ermittlungsteams, Tatorte selbst Monate nach einem Ereignis detailliert als 3D-Modell virtuell zu begehen. Einzelne Spuren lassen sich direkt am jeweiligen Fundort im Modell abrufen, während der mutmaßliche Tathergang anhand einer integrierten Zeitleiste Schritt für Schritt überprüft werden kann.
Neben physischen Spuren bezieht die Umgebung auch digitale Informationen mit ein: Daten aus Mobiltelefonen sowie Angaben von vernetzten Sensoren, darunter Tür- oder Bewegungsmelder, lassen sich in die Simulation integrieren.
Zur Erfassung der realen Schauplätze kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz. Stationäre Laserscanner dienen der detaillierten Dokumentation spurenreicher Bereiche, während mobile Rucksack-Scanner größere Flächen erfassen.
Zur technischen Ausstattung des Labors gehören neben einer speziellen XR-Fläche ein Motion-Capture-System sowie Laserscanner und eine Photogrammetrie-Kamera, die für den Zentralen Kriminaldienst Hannover bereitgestellt werden.
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Projektentwicklung im Dezernat für IT-Forensik
Die Entwicklung des Projekts erfolgte in weniger als einem Jahr ab dem offiziellen Start. Ein Kernteam aus Polizeibeamten, Medientechnikern und IT-Fachleuten setzte die zentralen Funktionen innerhalb weniger Monate um. Angesiedelt ist das neue XR-Lab im Dezernat 54 des LKA Niedersachsen, das für forensische Medientechnik und IT-Forensik zuständig ist.
Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens informierte sich bei einem Pressetermin im KTI direkt vor Ort über das System. LKA-Präsident Thorsten Massinger bezeichnete die Einrichtung des Labors als Meilenstein für die Kriminaltechnik. Die Gesamtkosten für das Projekt bezifferte Massinger auf etwa 600.000 Euro.
Echtbetrieb und geplante Ausweitung
Nach Angaben des LKA-Präsidenten befindet sich die Technik seit kurzem im Echtbetrieb. Das Verfahren ist nicht für jedes Routineverfahren vorgesehen, soll künftig jedoch regelmäßig bei schweren Gewalttaten zum Einsatz kommen. Erste Rückmeldungen aus Ermittlerkreisen fielen demnach positiv aus.
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Perspektivisch beabsichtigt das LKA, die Technik für die gesamte Polizei in Niedersachsen zugänglich zu machen und das Angebot als festen landesweiten Service zu etablieren. Konkrete Angaben zu einem verbindlichen Zeitplan oder den ersten Einsatzverfahren für den flächendeckenden Rollout gibt es bislang noch nicht.
Mehr zum Thema bei Süddeutsche Zeitung: „Kriminalitätsbekämpfung - LKA macht Tatorte mit Datenbrille erneut begehbar - Panorama“
