Logistik-KI, Gartner

Logistik-KI: Gartner prognostiziert 80% Automatisierung bis 2028

Veröffentlicht am: 03.06.2026 um 10:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Logistik und Bau setzen zunehmend auf KI-gestützte Sicherheitssysteme, um Unfälle zu verhindern und Diebstähle zu bekämpfen.

Logistik-KI: Gartner prognostiziert 80% Automatisierung bis 2028 Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de
Logistik-KI: Gartner prognostiziert 80% Automatisierung bis 2028 Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Besonders die Logistikbranche und die Bauwirtschaft setzen zunehmend auf automatisierte Sicherheitssysteme, um Arbeitsunfälle zu verhindern und Diebstähle einzudämmen. Von autonomen Fahrzeugen im Lager bis zu KI-gestützten Überwachungskameras auf der Baustelle – die Digitalisierung hält Einzug in die Hallen und auf die Plätze.

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Smarte Kameras schützen Mitarbeiter in Hannover

Am Standort Hannover hat der Logistiker Schnellecke Logistics ein neuartiges Kamerasystem installiert. Entwickelt wurde es von der firma Sentics. Mehr als 160 Sensorkameras erschaffen ein digitales Abbild der Lagerhalle – einen sogenannten digitalen Zwilling. Das System erkennt Gefahrensituationen in Echtzeit und greift aktiv ein: Es bremst Fahrzeuge automatisch ab oder gibt Warnungen aus. Zudem dokumentiert die Technik den Lkw-Verkehr und liefert Daten für betriebliche Verbesserungen.

Ähnlich automatisiert arbeitet Rhenus Warehousing Solutions am Standort Neu Wulmstorf. Auf einer Fläche von 52.000 Quadratmetern sind dort 15 fahrerlose Transportsysteme im Einsatz. Die Gabelstapler arbeiten im Drei-Schicht-Betrieb bis zu 22 Stunden am Tag. Sie navigieren ohne Bodenmarkierungen und kehren selbstständig zu ihren Ladestationen zurück. Das Unternehmen betont, dass der Robotereinsatz zu keinen Entlassungen geführt habe.

Die Marktforscher von Gartner prognostizieren einen massiven Wandel: Bis 2028 sollen 80 Prozent aller Lager und Verteilzentren auf Automatisierung setzen. Branchenexperten von SEEBURGER warnen jedoch: Das volle Potenzial entfalte sich nur bei nahtloser Integration aller Systeme und Datenpartner. Sonst drohten manuelle Verzögerungen in fragmentierten Lieferketten.

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Baugewerbe leidet unter Diebstahlwelle

Sicherheit bleibt ein drängendes Thema für deutsche Unternehmen. 2024 gab es bundesweit 1,94 Millionen Diebstähle. Besonders betroffen ist die Bauwirtschaft: 80 Prozent der Bauleiter berichten von mindestens einem Diebstahl pro Jahr. Die Wiedereinführung von Grenzkontrollen bindet zudem Polizeikräfte, die an anderer Stelle fehlen.

Die Firma LivEye GmbH reagiert mit mobilen Videoüberwachungssystemen. Diese sind mit einer KI ausgestattet, die ungewöhnliche Bewegungsmuster erkennt. Bei Alarm wird rund um die Uhr eine Leitstelle informiert.

In den USA hat Sitemetric eine KI-Kameraplattform für Baustellen gestartet. Sie überwacht die Einhaltung von Schutzausrüstungsvorschriften, erkennt Stürze und unbefugte Zutritte. Die Plattform wird bereits von über einer Million Arbeitern in 40 Bundesstaaten genutzt.

Speziallösungen für Paletten, Pakete und Brandschutz

Neben der allgemeinen Sicherheit entstehen immer spezifischere Lösungen für logistische Engpässe:

  • Palettenprüfung: Die Breeze Innovations GmbH hat Anfang Juni ihr System „breeze-PAVE" vorgestellt. Eine Multisensorik prüft über 1.000 Paletten pro Stunde. Laser- und 3D-Messungen klassifizieren die Qualität oder identifizieren Schäden.
  • Paketbearbeitung: Vor dem Hintergrund verschärfter Zollkontrollen auf Schwarzarbeit im Paketsektor bietet AMETRAS vision GmbH ein „Pick-by-Light"-System an. LED-Streifen synchronisieren Paketinformationen mit der Bewegung auf Förderbändern. Das soll Wartezeiten verkürzen und die Sortierung verbessern.
  • Brandschutz: Auf der Messe INTERSCHUTZ 2026 in Hannover präsentierte Raythink Technology Wärmebildlösungen, die Rauch und Feuer aus über 15 Kilometern Entfernung erkennen. Siemens stellte seine Brandmelder „Sinteso Nova" vor, die per IoT vernetzt sind und Fernwartung sowie vorausschauende Wartung ermöglichen. Ebenfalls im Juni 2026 brachte Axis Communications eine explosionsgeschützte 4K-Kamera für Gefahrenbereiche auf den Markt.

Berlins Rathäuser und Bahnhöfe unter KI-Beobachtung

Auch die öffentliche Infrastruktur entdeckt die KI für Sicherheitsaufgaben. In Berlin plant die Stadtverwaltung einen Test mit KI-gestützter Videoüberwachung an öffentlichen Orten wie dem Roten Rathaus und dem Kottbusser Tor. Das Jüdische Museum hat Interesse angemeldet. Die Technik stellt Personen als Strichmännchen dar, um die Privatsphäre zu schützen, erkennt aber gefährliches Verhalten. Eine Entscheidung über die Auftragsvergabe wird für Herbst 2026 erwartet.

In Japan, wo 2024 insgesamt 20.320 Suizide registriert wurden, testet das Unternehmen Asilla ein ähnliches System an rund 40 Standorten, darunter Bahnhöfe. Die KI analysiert Körperhaltung und Bewegungsmuster und alarmiert Sicherheitspersonal bei Risiken.

Finanzielle Risiken im Blick

Um die Kosten solcher Technologien zu managen, setzt Jungheinrich AG auf eine neue Methode: die sogenannte Cyber Risk Quantification (CRQ). Zusammen mit Deloitte Deutschland ließ der Chief Information Security Officer Tim Sattler bereits 2024 eine Analyse erstellen, die Cyberrisiken in finanzielle Kennzahlen übersetzt. Ziel ist es, dem Vorstand den Return on Investment von Sicherheitsausgaben klar darzustellen.

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