Logistik-Krise in NRW: 1.490 offene Fahrerposten trotz Konjunktureinbruch
11.06.2026 - 01:39:31 | boerse-global.de
Die Logistikbranche in Nordrhein-Westfalen steckt in einem Dilemma: Nie waren mehr Stellen für Fahrer ausgeschrieben – doch die Geschäftserwartungen brechen ein.
Allein im Raum Köln suchen Unternehmen wie ALDI, METRO und XPO händeringend nach Personal. Rund 1.490 offene Positionen verzeichneten Online-Portale am 10. Juni für NRW. Bundesweit waren es 15.552 Stellen für Kraftfahrer. Die Gehälter? Im Raum Köln locken Stundenlöhne zwischen 17,50 und 19,00 Euro. Im Fernverkehr sind sogar Nettogehälter von bis zu 3.200 Euro drin.
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Wirtschaftliche Stimmung kippt
Doch die hohe Nachfrage täuscht. Der ELVIS-Report für das erste Quartal 2026 zeichnet ein düsteres Bild. Die Geschäftserwartungen für April brachen um 35,4 Prozent gegenüber dem Vormonat ein – nahe am historischen Tief der Corona-Pandemie. Hauptgrund: explodierende Dieselpreise. Im April lagen sie 41,3 Prozent über dem Vorjahresniveau. Grund dafür ist der Konflikt im Iran.
Die Fahrzeugauslastung ist zwar hoch, aber das verdeckt nur die tiefergehende Krise.
Infrastruktur wird zur Geduldsprobe
Wer in NRW auf die Straße muss, braucht Nerven. Seit dem 10. Juni gilt auf der A4 bei Köln ein Fahrverbot für Lkw über 7,5 Tonnen – Richtung Olpe zwischen Klettenberg und Eifeltor. Grund: Schäden an der Eifeltor-Brücke, bekannt seit April 2025. Spediteure kritisieren die kurzfristige Ankündigung. Im Sommer kommen Markierungsarbeiten und eine Schrankenanlage für Gewichtskontrollen hinzu.
Noch ärgerlicher: die Vollsperrung der A40 im Ruhrgebiet. Seit dem 9. Juni wird zwischen Mülheim-Heißen und Mülheim-Winkhausen nach Blindgängern gesucht. Zehn Tage lang. Die Strecke? Normalerweise 20 Kilometer – jetzt 40 Kilometer Umweg. Täglich nutzen 80.000 bis 90.000 Fahrzeuge die Route.
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Wasserstoff-Lkw und neue Hallen
Trotz der Misere investiert die Branche in die Zukunft. Dachser bekommt als erstes Unternehmen weltweit drei Wasserstoff-Lkw der nächsten Generation von Daimler Truck. Der erste geht Ende Dezember 2026 in Karlsruhe in Betrieb. Die Reichweite: über 1.000 Kilometer. Angetrieben werden sie mit Flüssigwasserstoff.
Auch die Logistikflächen wachsen. In Viersen-Mackenstein vermietete Aconlog eine Halle mit über 6.800 Quadratmetern an Sunday Natural Logistics. Fertigstellung: zweites Quartal 2026. Eine zweite Einheit mit rund 9.140 Quadratmetern ist noch frei.
