Lohnabrechnung: Nur 4 Prozent nutzen KI produktiv trotz hoher Erwartungen
Veröffentlicht: 14.07.2026 um 22:50 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist gewaltig: Während 71 Prozent der Unternehmen positive Effekte durch KI in der Lohnabrechnung erwarten, nutzen gerade einmal 4 Prozent die Technologie bereits produktiv. Das zeigt eine Studie von IW Consult im Auftrag von SPS Germany.
Für die Untersuchung wurden 100 Unternehmen mit jeweils mehr als 1.700 Mitarbeitern befragt. Insgesamt setzen 28 Prozent der Firmen KI in der Payroll ein – aber meist nur in Pilot- oder Testphasen. Der produktive Betrieb bleibt die Ausnahme.
Veraltete Systeme bremsen die Digitalisierung
Die Gründe für den schleppenden Einsatz liegen auf der Hand: 48 Prozent der Unternehmen sehen einen erheblichen Modernisierungsbedarf bei ihren bestehenden Systemen. Hinzu kommt: 38 Prozent der befragten Großunternehmen haben bislang keine dedizierte Cloud-Strategie. Dabei gilt die Cloud als wesentliche Voraussetzung für die Integration moderner KI-Lösungen.
Der Druck zur Veränderung wächst jedoch. 51 Prozent der Unternehmen sehen den drohenden Wissensabfluss und den Personalmangel als zentrale Treiber für die KI-Einführung.
Vom Chatbot zum autonomen Agenten
Während die breite Umsetzung in der Payroll noch stockt, treiben Technologieanbieter die Entwicklung sogenannter „Agentic AI“ voran. Anders als herkömmliche KI-Systeme, die nur auf Anfragen reagieren, arbeiten agentische Systeme autonomer und erledigen komplexe Aufgaben ohne ständiges menschliches Eingreifen.
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Der HR- und Payroll-Anbieter SD Worx gab kürzlich bekannt, agentische KI in die Lohnabrechnungsprozesse zu integrieren. Ziel: hybride Teams aus Mensch und Maschine für effizientere Geschäftsprozesse. Auch Oracle stellte eine neue Entwicklungsumgebung für seine Fusion-Anwendungen vor. Über 1.000 KI-Agenten stünden bereits bereit – etwa für schnellere Finanzabschlüsse oder automatisiertes Forderungsmanagement.
Prognosen versprechen einen Sprung nach vorne
Branchenanalysen von Gartner deuten darauf hin, dass die KI-Adoption im HR-Bereich von 19 Prozent im Jahr 2023 auf bis zu 61 Prozent im Jahr 2025 steigen könnte. Experten von PwC gehen sogar noch weiter: KI-Agenten könnten künftig mehr als 50 Prozent der gesamten HR-Arbeit und bis zu 88 Prozent der administrativen Aufgaben übernehmen.
Doch der Weg dorthin ist steinig. Eine Untersuchung der Universität St. Gallen und Wavestone im Finanzsektor ergab: Noch kein befragtes Institut betreibt ein Multi-Agenten-System produktiv. Als Bremsfaktoren nennen die Studienautoren veraltete Legacy-Systeme und regulatorische Anforderungen wie den EU AI Act oder DORA.
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Outsourcing als Zwischenlösung
Etwa 25 Prozent der befragten Unternehmen nutzen bereits externe Dienstleister für die Lohnabrechnung. 83 Prozent der Outsourcing-Nutzer berichten von deutlichen Verbesserungen. Auf dem ServiceNow AI Summit in Zürich betonten Anwender wie die SBB oder Swisscom: Der Fokus müsse nun auf einer robusten Datenbasis und klaren Governance liegen. Nur so gelingt der Übergang von Pilotprojekten in den flächendeckenden Wirkbetrieb.
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