Lohntransparenz, Deutschland

Lohntransparenz: Deutschland verpasst EU-Frist am 7. Juni

29.05.2026 - 21:30:15 | boerse-global.de

Das Finanzministerium legt Reformen vor: Opt-in bei Umsatzsteuergruppen, Krypto-Datenaustausch ab 2027 und verpasste EU-Frist bei Lohntransparenz.

Lohntransparenz: Deutschland verpasst EU-Frist am 7. Juni - Foto: über boerse-global.de
Lohntransparenz: Deutschland verpasst EU-Frist am 7. Juni - Foto: über boerse-global.de

Das Bundesfinanzministerium hat den Entwurf des Jahressteuergesetzes 2026 vorgelegt – ein Paket mit weitreichenden Reformen. Zeitgleich beschloss das Kabinett den automatischen Austausch von Kryptotransaktionsdaten. Und Deutschland verpasst die Frist zur Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie.

Jahressteuergesetz 2026: Umbau der Umsatzsteuergruppen

Am 28. Mai 2026 veröffentlichte das Finanzministerium den Referentenentwurf für das Jahressteuergesetz 2026. Kernstück ist die grundlegende Neustrukturierung der Umsatzsteuergruppen. Künftig soll ein Opt-in-System gelten: Die Rechtsfolgen einer Organschaft treten nur auf formellen Antrag ein. Die alten Regeln bleiben bis Ende 2028 in Kraft, das neue System startet am 1. Januar 2029. Anträge sind bereits ab dem 1. Juli 2028 möglich.

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Der Entwurf enthält weitere wichtige Änderungen für Unternehmen und Forschung:

  • Zinssätze: Der Steuerzins nach der Abgabenordnung steigt auf 3,6 Prozent pro Jahr
  • Forschungszulage: Der Höchstbetrag wird auf 25 Millionen Euro angehoben
  • Kapitalertragsteuer: Ab 2027 gilt eine Freigrenze von 100.000 Euro

Der Bundesrat soll den Entwurf am 1. Juli 2026 prüfen. Stellungnahmen sind bis zum 12. Juni möglich.

Krypto: Automatischer Datenaustausch ab 2027

Parallel dazu gab das Bundeskabinett am 28. Mai grünes Licht für den automatischen Austausch von Kryptotransaktionsdaten. Damit setzt Deutschland den OECD-Rahmen für Krypto-Assets (CARF) und die EU-Richtlinie DAC8 um.

Kryptodienstleister müssen bereits 2026 mit der Datenerfassung beginnen. Der erste Austausch zwischen den internationalen Steuerbehörden ist für den 30. September 2027 geplant. Die USA beteiligen sich vorerst nicht an diesem Austausch.

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Für deutsche Steuerzahler gilt weiterhin: Gewinne aus Kryptowährungen sind nach einer Haltedauer von über einem Jahr steuerfrei. Bei kürzeren Haltefristen liegt die Freigrenze bei 1.000 Euro pro Jahr.

EU-Lohntransparenz: Deutschland verpasst Frist

Deutschland wird die Frist zur Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie am 7. Juni 2026 reißen. Die Bundesregierung rechnet nun mit einem Inkrafttreten des nationalen Gesetzes Anfang 2027. Die zentralen Pflichten für Unternehmen – Berichtspflichten und das individuelle Auskunftsrecht – werden voraussichtlich erst ab Juni 2028 verbindlich.

Die Regierung begründet die Verzögerung mit dem Bürokratieabbau und dem Wunsch nach Planungssicherheit für die Wirtschaft. Kritiker verweisen auf die anhaltende Lohnlücke von 16 Prozent – das sind rund 4,24 Euro pro Stunde. Während private Unternehmen aufgeschoben werden, gelten die Richtlinien für den öffentlichen Dienst bereits ab der ursprünglichen Juni-Frist.

Weitere Neuerungen ab Juni 2026

Mehrere Gesetzesänderungen treten im Juni in Kraft:

  • Energy Sharing: Ab 1. Juni erleichtern neue Regeln die gemeinsame Nutzung von lokal erzeugtem Solarstrom
  • Verbraucherschutz: Ein digitaler Widerrufsbutton für Online-Verträge wird am 19. Juni Pflicht. Patienten erhalten ab demselben Datum Anspruch auf eine kostenlose Kopie ihrer Krankenakte
  • Treibstoffpreise: Die befristete Steuerentlastung von rund 17 Cent pro Liter läuft am 30. Juni aus
  • Rente und Verkehr: Die Renten steigen am 1. Juli um 4,24 Prozent. Das vergünstigte Deutschlandticket für Auszubildende kostet ab Juli 37,80 Euro, der Vorverkauf startet im Juni

Zudem wurde im Mai 2026 das Neunte Gesetz zur Änderung des Steuerberatungsgesetzes erneut eingebracht. Es verzichtet auf die umstrittene Steuerfreistellung von Prämien, enthält aber Änderungen des Berufsrechts und setzt einen Mindesthebesatz für die Gewerbesteuer von 280 Prozent fest. Die zweite und dritte Lesung im Bundestag sind für den 12. Juni 2026 geplant.

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