Lufthansa-Tarifkonflikt, Schlichtungen

Lufthansa-Tarifkonflikt: Drei Schlichtungen enden ohne Einigung

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 23:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Mediation läuft bis zum 15. November 2026 weiter; bei einem Scheitern könnte sich der Arbeitskampf ab 2027 verschärfen.
Ein leerer, modern gestalteter Flughafengang bei Dämmerung mit Blick auf ein dunkles Rollfeld. Illustration mit AI erstellt.

Im Tarifkonflikt zwischen der Fluggesellschaft Lufthansa und der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit ist das Schlichtungsverfahren für das Cockpitpersonal der Kernmarke sowie von Lufthansa Cargo ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Wie aus Berichten hervorgeht, verzichteten die beiden Schlichter Roland Koch und Bodo Ramelow darauf, einen formalen Schlichterspruch vorzulegen.

Drei Schlichtungsverfahren bleiben ohne Abschluss

Der Verzicht auf einen Spruch betrifft nicht allein die Stammmarke des Konzerns. Einem internen Memo der Gewerkschaft zufolge endeten gleich drei parallel geführte Schlichtungen – neben dem Verfahren für Lufthansa und Lufthansa Cargo auch die Schlichtungen bei Eurowings und CityLine – ohne abschließende Einigung.

Die Schlichter sahen demnach auch in der Abgabe konkreter Sprüche keinen weiterführenden Zweck. Allerdings besteht für beide Seiten die Möglichkeit, Koch und Ramelow zu einem späteren Zeitpunkt für einen nachgelagerten Einigungsvorschlag erneut hinzuzuziehen.

Die Tarifparteien hatten sich im August 2026 auf ein sogenanntes Envelope-Verfahren geeinigt. Dieses Modell sieht vor, dass neben der Schlichtung eine Mediation überlappend geführt wird. Während die Schlichtungsphase nun abgelaufen ist, dauert die Mediation noch bis zum 15. November 2026 an – sie war von Beginn an auf einen Monat länger als die Schlichtung terminiert.

Komplexe Streitpunkte und drohende Eskalation

Gegenstand der laufenden Vermittlungsbemühungen sind mehrere grundlegende Streitpunkte. Dazu zählen unter anderem Vereinbarungen über Flottengrößen, künftige Karriereperspektiven für die Pilotinnen und Piloten sowie die Produktivität der Crews. Zudem steht der Manteltarifvertrag im Raum, dessen Laufzeit erst Ende 2027 endet.

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Deutlich größer ist der Zeitdruck bei der Vergütung: Der entsprechende Tarifvertrag läuft bereits Ende 2026 aus. Sollte auch die bis Mitte November angesetzte Mediation scheitern, droht ab 2027 eine deutliche Eskalation des Arbeitskampfes mit den Beschäftigten im Cockpit bei Lufthansa Classic und Lufthansa Cargo.

Druck durch ungleiche Ertragslage im Konzern

Die Verhandlungen finden vor dem Hintergrund erheblicher wirtschaftlicher Unterschiede innerhalb des Konzerns statt. Während die Kernmarke im Jahr 2025 lediglich einen bereinigten Betriebsgewinn von 148 Millionen Euro und damit eine Marge von 0,9 Prozent des Umsatzes verzeichnete, erreichte die Konzerntochter Swiss im selben Zeitraum 9,3 Prozent. Das vom Konzern ausgegebene Margenziel liegt bei 10 Prozent.

Im ersten Halbjahr verbuchte Swiss ein bereinigtes Betriebsergebnis von 213 Millionen Euro bei einer Marge von 6 Prozent, während die Kernmarke defizitär blieb.

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Zusätzliche Unruhe bringt der Konzernumbau mit sich. So scheiterten jüngst die Verhandlungen über einen Interessenausgleich für die Fluggesellschaft CityLine, die geschlossen werden soll.

Für das Personal der neuen Tochtergesellschaft City Airlines konnte sich die Gewerkschaft Verdi unterdessen auf eine betriebliche Altersversorgung verständigen, die abseits der Cockpit-Verhandlungen monatlich 5 Prozent des individuellen Gehalts zusätzlich in eine Versorgungskasse vorsieht.

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