Deutschland, Energie

Höhere Strom-Importe nach Abschaltung der Kernkraftwerke

06.09.2023 - 12:04:54

Macht sich Deutschland mit seinem Verzicht auf Atomkraft von Stromimporten abhÀngig? Zahlen zeigen einen deutlichen Anstieg der Einfuhren.

Nach der Abschaltung der letzten drei Atomkraftwerke hat Deutschland deutlich mehr Strom importiert. Zwischen April und Juni wurde mit 18,5 Milliarden Kilowattstunden so viel Strom eingefĂŒhrt wie noch nie in einem Quartal seit Beginn der Zeitreihe 1991, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Nach Abzug der Exporte ergibt sich auch der höchste ImportĂŒberschuss fĂŒr diese Zeitspanne von 7,1 Milliarden Kilowattstunden. Das entsprach etwa der Strommenge der drei deutschen Atommeiler im zweiten Quartal 2022 (7,3 Mrd kWh).

Der Branchenverband BDEW wertete den Importsaldo Deutschlands als «Zeichen eines funktionierenden Strombinnenmarktes». Es sei in den vergangenen Monaten hĂ€ufig gĂŒnstiger gewesen, Strom im Ausland zu erzeugen und damit auch fossile Stromerzeugung im Inland zu ersetzen. BDEW-Chefin Kerstin Andreae erklĂ€rte: «Höhere Stromimporte in den Sommermonaten bedeuten weder eine AbhĂ€ngigkeit vom europĂ€ischen Ausland bei der Stromversorgung noch sind sie eine Indikation fĂŒr Knappheiten in Deutschland.»

Vor Atomausstieg noch ExportĂŒberschuss

Vor Abschaltung der deutschen Atomkraftwerke am 15. April hatte es ĂŒber lange Jahre einen deutlichen ExportĂŒberschuss gegeben. Auch im ersten Halbjahr ĂŒberstiegen die deutschen Stromexporte die -importe noch. Dass Deutschland im Sommer mehr Strom importiert als exportiert, kam schon frĂŒher vor. Auch als noch ein erheblicher Anteil des Stroms aus Atomkraft erzeugt wurde, zeigte sich in den wĂ€rmeren Monaten bereits ein ImportĂŒberschuss - unter anderem in den Jahren 2010, 2011, 2014, 2019, 2020 und 2021.

Die meisten Importe kamen im ersten Halbjahr 2023 aus den Niederlanden und Frankreich, das seine Produktion von Atomstrom wieder deutlich hochgefahren hat. Zieht man die deutschen Exporte in die jeweiligen LĂ€nder ab, sind DĂ€nemark und Norwegen die grĂ¶ĂŸten Lieferanten fĂŒr Strom, wie die Arbeitsgemeinschaft fĂŒr Energiebilanzen berechnet hat. Beide LĂ€nder haben einen hohen Anteil an erneuerbarer Energie.

Nachfrage und Stromproduktion gehen zurĂŒck

Gestiegene Energiepreise und die schleppende Konjunktur haben zu einem RĂŒckgang der benötigten Strommenge im deutschen Netz gefĂŒhrt. Sie lag 6,9 Prozent unter dem Wert des ersten Halbjahres 2022, wie das Statistikamt weiter berichtete. Die inlĂ€ndische Stromproduktion ging sogar um 11,4 Prozent zurĂŒck, was durch zusĂ€tzliche Importe teils ausgeglichen wurde.

Mit einem Anteil von 53,4 Prozent wurde der Strom in Deutschland mehrheitlich durch erneuerbare Energie erzeugt. Wind war dabei mit Abstand die wichtigste Quelle und kam auf 28,6 Prozent der Gesamtproduktion. Vor einem Jahr hatten sÀmtliche erneuerbaren EnergietrÀger einen Anteil von 48,4 Prozent erreicht.

Der Anteil des klimaschĂ€dlichen Kohlestroms ging um ein knappes Viertel zurĂŒck und verringerte seinen Anteil von 31,3 Prozent auf 27,1 Prozent. Dagegen stieg die Bedeutung von Gaskraftwerken, deren Anteil von 11,9 auf 13,9 Prozent wuchs. Sie sollen bei der Energiewende verstĂ€rkt die Grundlast liefern, wenn wenig Strom aus Erneuerbaren zur VerfĂŒgung steht.

Die Bundesrepublik handelt seit Jahrzehnten im Rahmen des europĂ€ischen Energiemarktes mit anderen EU-Staaten in Sachen Strom. Die Zusammenarbeit soll ermöglichen, Geld und Emissionen einzusparen. Das heißt: Strom wird sowohl importiert als auch exportiert - und damit innerhalb des Staatenbundes dorthin weitergereicht, wo er benötigt wird. Es gibt Zeiten, in denen fĂŒr Deutschland die ElektrizitĂ€t von den Nachbarn billiger ist als die selbst produzierte. Vor allem Strom aus erneuerbaren Energien wird im Vergleich zur konventionellen Variante immer preiswerter.

@ dpa.de

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