Madrid, Maricarmen

Madrid: 87-jährige Maricarmen Abascal soll nach Zwangsräumung zurückkehren

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 04:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Einigung ermöglicht Maricarmen Abascal die Rückkehr; der neue Achtjahresvertrag wird nach ihrer gesundheitlichen Stabilisierung unterzeichnet.

Madrid: 87-Jährige soll nach Räumung in ihre Wohnung zurückkehren
Eine ruhige, menschenleere Wohnstraße in einem historischen Madrider Viertel während der Dämmerung. Illustration mit AI erstellt.

In Madrid wurde eine Vereinbarung bekannt, die der 87-jährigen Maricarmen Abascal die Rückkehr in ihre langjährige Wohnung im Stadtteil Retiro ermöglichen soll.

Nach einer medizinisch begleiteten Zwangsräumung in der vergangenen Woche einigte sich die Seniorin mit den Eigentümern der Immobilie auf eine Fortsetzung des Mietverhältnisses. Die formelle Unterzeichnung des neuen Vertrags steht noch aus und soll erfolgen, sobald sich der gesundheitliche Zustand der Betroffenen stabilisiert hat.

Neuer Mietvertrag nach jahrzehntelangem Wohnverhältnis

Die Einigung sieht vor, dass Abascal nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus in ihr Zuhause zurückkehren kann, in dem sie zuvor rund 70 Jahre gelebt hatte. Laut Angaben ihrer rechtlichen Vertretung soll die vereinbarte Miete auf einem ähnlichen Niveau liegen wie vor dem Konflikt. Geplant ist ein neuer Vertrag mit einer Laufzeit von acht Jahren.

Der Fall hatte landesweit für Aufsehen gesorgt, da die Seniorin am vergangenen Mittwoch auf einer Trage aus der Wohnung geholt und anschließend hospitalisiert worden war. Abascal hatte nach der Räumung erklärt, sie sei nicht in der Lage gewesen, ihr Zuhause zu verteidigen. Die monatliche Rente der Betroffenen beläuft sich auf 1.400 Euro, während die Kosten für Miete und Nebenkosten bislang rund 500 Euro betrugen.

Massive Mietsteigerungen und öffentlicher Protest

Hintergrund der Zwangsräumung war ein massiver Konflikt um die Mietkonditionen. Nach Angaben des Mieterbundes hatte ein Investor das Objekt übernommen und die Miete um 275 Prozent auf 2.650 Euro erhöht. In vorangegangenen Verhandlungen hatte die Eigentümerseite die Forderung zwar auf 1.650 Euro gesenkt, was jedoch weiterhin über dem Einkommen der Mieterin lag.

Die Räumung löste am vergangenen Wochenende massive Proteste in der spanischen Hauptstadt aus. Rund 30.000 Menschen demonstrierten gegen die Verdrängung von Mietern und die unkontrollierte Preisentwicklung am Wohnungsmarkt.

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Auf der Puerta del Sol errichteten Aktivisten ein Protestcamp, das zwischenzeitlich auf rund 600 Teilnehmende anwuchs. Unter die Demonstrierenden mischten sich zudem rund 200 Wohnungsaktivisten aus über 20 europäischen Ländern, die den Fall Abascal als Symbol für eine verfehlte Wohnungspolitik bewerteten.

Politischer Druck und struktureller Wohnungsmangel

Die soziale Sprengkraft des Falls erreichte auch die spanische Regierung. Ministerpräsident Pedro Sánchez forderte die im Parlament vertretenen Parteien auf, ein geplantes Notfallpaket für den Wohnungssektor zu unterstützen. Ein entsprechendes königliches Dekret sollte dem Ministerrat vorgelegt werden.

Für die Kabinettssitzung am Dienstag wurden zudem weitere Wohnhilfen angekündigt, wobei die parlamentarische Mehrheit für umfassende Reformen als ungewiss gilt. Der spanische Mieterbund fordert unterdessen grundsätzlichere Änderungen, darunter unbefristete Mietverträge und einen stärkeren Schutz vor Räumungen.

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Daten der spanischen Zentralbank unterstreichen die prekäre Lage am Markt. Die Institution schätzt den landesweiten Mangel auf mehr als 700.000 Wohnungen. Sollte die Bautätigkeit nicht massiv steigen, könnte dieses Defizit bis 2028 auf über eine Million Einheiten anwachsen. Aktuell werden jährlich etwa 120.000 Wohnungen fertiggestellt – lediglich ein Sechstel des Volumens aus der Zeit vor der Finanzkrise 2008.

Die Preisentwicklung verschärft die Situation zusätzlich: Im vergangenen Jahrzehnt hat sich die durchschnittliche Angebotsmiete laut Branchendaten auf 15,10 Euro je Quadratmeter verdoppelt. Die Kaufpreise für Immobilien liegen mit durchschnittlich 2.355 Euro pro Quadratmeter mehr als 50 Prozent über dem Niveau von vor zehn Jahren.

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