Madrid: 87-Jährige nach 70 Jahren aus Wohnung geräumt, Einsatz wird geprüft
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 21:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die spanische Regierungsdelegation in Madrid hat am Freitag eine Untersuchung des Polizeieinsatzes angeordnet, der am vergangenen Mittwoch zur Zwangsräumung einer 87-jährigen Frau führte.
Der Fall der Maricarmen Abascal, die nach über 70 Jahren ihre Wohnung verlor, löste europaweit Bestürzung und massive Proteste aus. Auch in Deutschland wächst der Widerstand gegen die Geschäftspraktiken neuer Immobilieneigentümer, wie aktuelle Mieterproteste im Würzburger Dencklerblock verdeutlichen.
Polizeieinsatz in Madrid unter behördlicher Prüfung
Nach der Räumung der Madrider Wohnung am 23. September 2026 rückt nun das Vorgehen der Sicherheitskräfte in den Fokus. Die Regierungsdelegation prüft den Einsatz, an dem mehr als 200 Beamte beteiligt waren. Im Zuge der Räumung erstellte die Nationalpolizei 209 Sanktionsvorschläge auf Basis des Gesetzes zur öffentlichen Sicherheit, Festnahmen erfolgten jedoch nicht.
Die 87-jährige Maricarmen Abascal hatte die Wohnung, die ihr Vater bereits im Jahr 1956 angemietet hatte, seit sieben Jahrzehnten bewohnt. Beim vierten Räumungsversuch am Mittwoch wurde sie schließlich von Sicherheitskräften auf einer Trage aus dem Gebäude gebracht und anschließend in ein Krankenhaus eingeliefert.
Laut ihrer Rechtsbeiständin verblieb der Seniorin lediglich eine halbe Stunde Zeit, um ihre persönlichen Gegenstände zu packen. Zuvor hatten rund 400 Aktivisten versucht, den Zugang zum Gebäude zu blockieren.
Konflikt um Mietsteigerungen und Eigentümerstrategien
Hintergrund der Räumung in Madrid ist ein langjähriger Streit mit dem Eigentümer Urbagestión, der das Objekt im Jahr 2018 für 240.000 Euro erworben hatte.
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Berichten zufolge stieg die monatliche Miete nach dem Kauf von 500 Euro auf zeitweise bis zu 2.650 Euro an, was einer Erhöhung von rund 250 % entspricht. Zuletzt seien 1.650 Euro gefordert worden. Da die monatliche Rente der Betroffenen bei 1.350 Euro liegt, war diese Summe für sie nicht aufzubringen.
Das Unternehmen Urbagestión widersprach der Darstellung einer derartigen Mieterhöhung. Man habe der Mieterin eine monatliche Zahlung von 900 Euro vorgeschlagen, die zwischen ihr und einer Hilfsorganisation hätte geteilt werden sollen.
Zudem habe die Firma dem Madrider Rathaus eine Aufnahme der Wohnung in ein städtisches Wohnprogramm vorgeschlagen. Das spanische Wohnungsministerium widersprach den Angaben des Unternehmens und gab an, ein Kaufangebot für die Wohnung unterbreitet zu haben, welches jedoch unbeantwortet geblieben sei.
Politische Reaktionen und Widerstand in Würzburg
Spaniens Premierminister Pedro Sánchez bezeichnete die Räumung als eine soziale Tragödie. Die UN-Menschenrechtskommission verurteilte den Vorgang ebenfalls.
In Madrid und weiteren spanischen Städten kam es in der Folge zu Demonstrationen, an denen laut verschiedenen Berichten zwischen mehreren Tausend und Zehntausend Menschen teilnahmen. Der Mieterschutzbund fordert nun ein sogenanntes Maricarmen-Dekret, das eine automatische Verlängerung von Mietverträgen in Härtefällen vorsieht.
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Parallel zu den Ereignissen in Spanien formiert sich in Unterfranken Widerstand gegen potenzielle Verdrängung. Im Würzburger Dencklerblock in der Zellerau wehren sich Bewohner mit Plakaten und Bettlaken gegen drohende Mieterhöhungen. Das Quartier hat mit der Vasto Beta GmbH einen neuen Eigentümer. Die Mieter berichten zudem, dass Wohnungen bereits zum Verkauf ausgeschrieben würden, was die Sorge vor einer Entmietung verstärkt.
Für Samstagabend ist an der Madrider Puerta del Sol eine weitere Großdemonstration angekündigt. Maricarmen Abascal, die sich nach Angaben des Mietersyndikats weiterhin für Untersuchungen im Krankenhaus befindet, ließ erklären, sie wolle anderen Betroffenen helfen, für ihr Zuhause zu kämpfen und die Dominanz von spekulativen Immobilienfonds zu beenden.
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