Mahle-Werk, Metall

Mahle-Werk: IG Metall einigt sich auf Sozialtarifvertrag

03.06.2026 - 11:05:19 | boerse-global.de

Nach Urabstimmung einigen sich IG Metall und Mahle auf Sozialtarifvertrag für die geplante Werksschließung in Neustadt an der Donau.

Mahle-Werk: IG Metall einigt sich auf Sozialtarifvertrag - Bild: über boerse-global.de
Mahle-Werk: IG Metall einigt sich auf Sozialtarifvertrag - Bild: über boerse-global.de

Die Gewerkschaftsmitglieder stimmten mit deutlicher Mehrheit für einen Sozialtarifvertrag, der die Bedingungen für die bevorstehende Schließung des Automobilzulieferers regelt.

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Einigung nach wochenlanger Unsicherheit

Am 3. Juni 2026 verkündete die IG Metall das Ende der Arbeitsniederlegungen am Mahle-Standort. Zuvor hatten die Beschäftigten am 2. und 3. Juni in einer Urabstimmung dem ausgehandelten Sozialplan zugestimmt. Die Einigung kommt rund drei Wochen, nachdem das Unternehmen seine Schließungspläne öffentlich gemacht hatte.

Was der Sozialtarifvertrag vorsieht

Der nun verabschiedete Vertrag schafft einen Rahmen für die Belegschaft, während sich das Werk auf die geplante Schließung im Jahr 2027 vorbereitet. Die Abfindungen für die betroffenen Mitarbeiter berechnen sich nach Alter, Betriebszugehörigkeit und Kinderzahl. Besondere Regelungen gibt es zudem für schwerbehinderte Beschäftigte und Gewerkschaftsmitglieder.

Über die direkten finanziellen Leistungen hinaus umfasst die Einigung die Einrichtung einer Transfergesellschaft, die den Mitarbeitern bei der Suche nach neuen Stellen helfen soll. Ein Härtefallfonds wurde ebenfalls vereinbart, um Arbeitnehmer in besonders schwierigen Übergangssituationen zu unterstützen. Diese Maßnahmen wurden nach der Bekanntgabe der Standortschließung Mitte Mai ausgehandelt.

Industrieller Abschwung in Deutschland

Die Schließung in Neustadt ist Teil eines größeren Trends. Der deutsche Industriesektor verlor in den drei Monaten bis Mai insgesamt 486.000 Arbeitsplätze. Besonders die Automobilbranche steht vor tiefgreifenden Umwälzungen: Prognosen zufolge könnten bis 2035 rund 225.000 Stellen in der Branche wegfallen.

Erst im Mai hatten mehrere Großunternehmen erhebliche Personalreduzierungen angekündigt. Betroffen waren unter anderem 1.600 Stellen bei ContiTech, 1.600 bei Wacker Chemie und 1.860 bei BioNTech. Auch Porsche, Festo und die Commerzbank meldeten in diesem Zeitraum Stellenstreichungen.

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Weitere Werksschließungen in der Region

Die Probleme bei Mahle sind kein Einzelfall. In Gaildorf-Bröckingen stellt der Möbelkomponentenhersteller BMK GmbH seinen Betrieb bis Ende Juni 2026 ein – hohe Kosten und sinkende Aufträge werden als Gründe genannt. Die Wörner Medizinprodukte und Logistik GmbH in Reutlingen schließt bis Jahresende, rund 100 Mitarbeiter sind betroffen.

In der Druckbranche stellt das ADV-Augsburger Druck- und Verlagshaus seine Produktion bis Ende August 2026 ein, nachdem die Suche nach Investoren erfolglos blieb. Bei der Atlas-Gruppe, einem Hersteller von Landmaschinen, läuft derweil ein Restrukturierungsverfahren nach der Insolvenz. Zwar soll ein kanadischer Investor die Übernahme am 8. Juni 2026 abschließen, doch Arbeitsvertreter warnen: Die Hälfte der 400 Arbeitsplätze bleibt gefährdet.

Die Gewerkschaften schlagen Alarm. Der DGB-Kreisvorstand Dingolfing-Landau bekundete am 1. Juni 2026 seine Solidarität mit den Mahle-Beschäftigten und kritisierte die aktuelle Wirtschaftspolitik. Angesichts steigender Insolvenzzahlen fordern die Gewerkschaften strukturelle Veränderungen zum Schutz der industriellen Arbeitsplätze.

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